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Technology Review

Wahlcomputer vor dem Comeback

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Vincent Wayne Merrit, US-Amerikaner deutscher Abstammung, arbeitet als Programmierer für ein drittklassiges Software-Unternehmen. Im Herbst 2000 bekommt er von einem geheimnisvollen Kunden den Auftrag, ein Programm zur Manipulation von Wahlcomputern zu schreiben – angeblich nur zu Demonstrationszwecken. Ein paar Monate später gewinnt George W. Bush unter bis heute nicht vollkommen geklärten Umständen die Präsidentschaftswahl in den USA. Merrit zieht nach Deutschland – doch seine Vergangenheit holt ihn ein. Eine geheimnisvolle Gruppe weiß von seinem Programm und will es ebenfalls einsetzen, zur nächsten Bundestagswahl: Sie gründen eine Partei mit dem Ziel, die Monarchie wieder einzuführen.

Reine Fiktion? Mit seinem jüngst erschienenen Roman "Ein König für Deutschland" will Bestseller-Autor Andreas Eschbach vor dem "digitalen Wahn" warnen. "Wahlcomputer", so Eschbachs Überzeugung, "sind eine Gefahr für die Demokratie." Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts von diesem März, das den Einsatz von Wahlcomputern in Deutschland verbietet, scheint dem eifrigen Mahner zwar den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Doch die Diskussion ist damit noch lange nicht abgeschlossen, wie Technology Review in einem aktuellen Report zur Zukunft der Wahlcomputer in Deutschland und Europa berichtet. Neue Technologien wie die Quantenverschlüsselung sollen helfen, die Technik doch noch sicher zu machen. Die teilnehmenden Gemeinden versprechen sich Ersparnisse und weniger Verwaltungsaufwand. Weil die Auszählung schneller und leichter geht, könnte man zudem die Zahl der Wahlbezirke und damit die der Wahllokale reduzieren. In Köln beispielsweise würde man statt 800 nur noch 540 Wahlbezirke brauchen, heißt es aus der Industrie.

Vielleicht endet das Misstrauen aber auch, wenn ein US-Projekt ein Erfolg wird: Die Initiative "Open Source Digital Voting Foundation" hat eine Wahlmaschine vorgestellt, deren komplette Hard- und Software offen zugänglich ist.

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