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Wahlkampf im Internet - mit dem Lieblingsessen auf Stimmenfang

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Wenn die Spitzenkräfte von Baden-Württembergs Parteien im Internet auf Stimmenfang gehen, wird auch das Private politisch. Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) mag besonders Eglifilets vom Bodensee. Seine Herausforderin und SPD-Spitzenkandidatin Ute Vogt bevorzugt Dampfnudeln. Während Teufel seine Freizeit am liebsten mit der Familie oder einem Literaturklassiker verbringt, entspannt sich Vogt auf dem Mountainbike oder vertieft sich in Kriminalromane. Die SPD-Kandidatin pflegt auf ihrer Homepage ihr jugendliches Image, der Ministerpräsident präsentiert sich als ernster Landesvater. Auch die anderen Spitzenkandidaten sowie die im Landtag vertretenen Parteien sind mit speziellen Wahlkampfseiten im weltweiten Netz vertreten.

Fast alle Parteien setzen bei ihren Internetauftritten auf Information pur. Weit und breit findet der Surfer nur Textwüsten. Das Wahlprogramm steht im Netz, ebenso wie die wichtigsten Wahlkampfthemen. Zudem werden die Kandidaten vorgestellt. Die feinen Unterschiede der Online-Wahlwerbung stecken im Detail und auf den Seiten der Spitzenkandidaten. Sie gestalten ihre Homepages oft mit witzigen Einfällen. Die Angaben über das Interesse an den Internetauftritten schwanken je nach Partei zwischen 34.000 und 350.000 Zugriffen in einem Zeitraum von vier Wochen.

"Ute Vogts Seite ist jung, frisch und dynamisch, wie die Kandidatin selbst", sagt Thomas Jahn von der Werbeagentur Netzwerk Mensch aus Pforzheim, die drei Monate lang an dem Internetauftritt gefeilt hat. Auf der Homepage können die Menschen Vogt über bewegte Bilder in einer Art Fotoalbum persönlich kennen lernen. "Diese Wahlkampfstrategie entspricht am besten Vogts Motto 'Politik mit Herz und Verstand'", urteilt der Werbefachmann.

Die CDU-Seite gibt sich ebenso wie die von SPD und Grünen bilderarm und ist ganz auf nüchterne und übersichtliche Information ausgerichtet. Allein der rot-gelbe Drachen leuchtet vor dem blauen Hintergrund. Nach Ansicht von CDU-Pressesprecher Tobias Bringmann ist "die Hemmschwelle im Internet niedriger als im persönlichen Kontakt". Die durchschnittliche Verweildauer auf der CDU-Seite liege bei sechs Minuten, sagt er.

"Bei dem Wahlkampf im Internet zeigt sich, dass sich immer mehr Menschen im Internet informieren", sagt der Verantwortliche der SPD für den Online-Wahlkampf, Peter Steinhilber. Die Sozialdemokraten lockern ihre Parteiseite mit Wahlplakaten auf, die sich per Mausklick als Postkarten verschicken lassen.

Einzig die FDP verzichtet auf eine spezielle Wahlseite und stellt auf der Homepage des FDP-Spitzenkandidaten Walter Döring Spiel und Unterhaltung in den Mittelpunkt ihres Internet-Auftritts. Mit dem multimediale Infotainment-Programm will sie besonders jene Wahlberechtigten ansprechen, die am 25. März zum ersten Mal an die Urnen gehen. "Spielerisch, knackig und grell soll die Kampagnenseite sein", erklärt Markus Lochmann, der die Homepage betreut. Die politischen Fakten kommen dabei etwas kurz. Schade nur, dass ohne Flash-Plugin nichts geht: Ohne die Software kann man den unterhaltsamen Internetauftritt des Frontmannes nicht verfolgen.

Auch die Bündnis-Grünen setzen beim Stimmenfang im Netz auf die junge Generation und gezielte Informationssuche. Die Sprecherin der Öko-Partei, Britta Kurz, frohlockt: "Die elektronische Werbung ist nicht nur billig, sondern umweltfreundlich." Die Homepage des Grünen-Spitzenkandidaten Dieter Salomon offenbart neben schwarz-weiß Fotos von der Schuleinführung oder einer Friedensdemonstration seine vielleicht einzige Gemeinsamkeit mit Erwin Teufel: Beide wollten als Kinder Sportreporter werden. Wer bei der Wahlprognose auf der Salomon-Homepage dem Ergebnis am Sonntag am nächsten kommt, gewinnt ein Abendessen mit dem Kandidaten.

Die rechtsgerichteten Republikaner und ihr Spitzenkandidat Rolf Schlierer setzen im Netz auf ihr Wahlkampfmaskottchen, einen blauen Löwen und den Slogan "Mit Löwenkraft für unser Land". Außerdem kommen hinter den blauen "Rep"-Labeln auf der Homepage verschiedene Bilder einer Blondine zum Vorschein. Jeder Klick bewirke so viel wie ein Flugblatt, sagt der Internetverantwortliche der Partei, Alfred Dagenbach. (Katharina Eckstein, dpa) / (jk)