Wahlprobleme in Iowa: 4chan-Trolle blockierten Telefonleitungen

Noch immer ist die Vorwahl der Demokraten in Iowa nicht ganz ausgezählt. Für die massiven Probleme waren wohl auch Internettrolle verantwortlich.

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(Bild: wolfstudiobkk/Shutterstock.com)

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Die Auszählung der Vorwahlen der Demokratischen Partei in Iowa wurde offenbar nicht nur durch massive technische Probleme mit einer neuen App verzögert, sondern auch durch Online-Trolle. Wie der US-Sender NBC berichtet, hatten Internetnutzer mit einer einfachen Google-Suche die Telefonnummer der Parteizentrale der Demokraten in Iowa herausgefunden und auf dem berüchtigten Imageboard 4chan veröffentlicht. Die Einträge sind dort immer noch abrufbar.

"Die dürften jetzt die Ergebnisse durchgeben. Berichte über lange Wartezeiten", schreibt ein anonymer 4chan-Nutzer. "Wie ungünstig es wäre, wenn eine Gruppe von Unruhestiftern die Leitungen verstopfen würden", lautet die Antwort eines anderen "Anon". Ein Parteivertreter hatte am Mittwoch laut der Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass "Trump-Unterstützer" angerufen und die Leitungen blockiert hätten.

In Iowa hatten am Montag die Vorwahlen der beiden großen Parteien in den USA begonnen. Während sich bei den Republikanern der Amtsinhaber Donald Trump klar durchsetzen konnte, steht das Ergebnis der Demokraten zur Stunde noch nicht endgültig fest. Es gibt ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Pete Buttigieg und Bernie Sanders.

Bei den Demokraten hatte es zahlreiche Probleme gegeben. Noch am Folgetag waren lange keinerlei Zwischenergebnisse bekannt, was auch auf den komplizierten Prozess zurückgeführt wurde. In dem dort praktizierten Caucus-Verfahren werden nicht einfach alle Stimmen gezählt, sondern in einem mehrteiligen Verfahren die aussichtsreichsten Kandidaten ermittelt. Die jeweils ermittelten Unterstützerzahlen und nicht nur die Endergebnisse mussten übermittelt und ausgezählt werden. Dabei sollte eine neue App helfen, die aber offenbar vielerorts nicht richtig funktionierte, weswegen Wahlhelfer auf das Telefon auswichen.

Dass diese Leitungen überlastet waren, dürfte nicht nur an den 4chan-Trollen gelegen haben, aber die haben sicher zur Blockade beigetragen. Insgesamt wirft die Angelegenheit aber kein gutes Licht auf den lokalen Ableger der Demokraten, der nach Meinung von Beobachtern das Ende der prestigeträchtigen Auftaktabstimmung im US-Vorwahlkalender eingeläutet haben dürfte. Hinzu kommt, dass in den in diesem Jahr zum ersten Mal zu übermittelnden vollständigen Zahlen der verschiedenen Zahlgänge zahlreiche Ungenauigkeiten aufgetaucht sind, wie die New York Times berichtet. Weil aber offenbar nicht systematisch ein Kandidat bevorzugt wurde, dürften sie sich der Zeitung zufolge am Ende ausgleichen. (mho)