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Wall Street Market: BKA und FBI heben illegalen Darknet-Marktplatz aus

Koks, falsche Ausweise und Kreditkarten: Im "Wall Street Market" wurde fast alles gehandelt, was illegal ist. Die mutmaßlichen Betreiber kommen aus Deutschland.

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(Bild: BKA)

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Ermittler des Bundeskriminalamtes (BKA) haben bereits am 23. und 24. April die mutmaßlichen Betreiber des zweitgrößten illegalen Online-Marktplatzes im Darknet, "Wall Street Market", festgenommen. Auf dem Marktplatz wurden unter anderem Drogen, ausgespähte Daten, gefälschte Dokumente und Schadsoftware mit einem Umsatzvolumen von etwa 40 Millionen Euro gehandelt. Bei den Tatverdächtigen handelt es sich um drei Männer: einen 31-Jährigen aus Bad Vilbel (Hessen), einen 29-Jährigen aus dem Landkreis Esslingen (Baden-Württemberg) und einen 22-Jährigen aus Kleve (Nordrhein-Westfalen). Das teilte das BKA am Freitag mit. Bei der Festnahme wurde auch die Technik zum Betrieb des Marktplatzes im Darknet sichergestellt.

Rund eine Million Euro sollen bei den Männern von den 40 Millionen Umsatz hängengeblieben sein. Nach Angaben des SWR seien sie an den Verkäufen illegaler Waren zwischen 2 und 6 Prozent beteiligt gewesen. Bei den Waren soll es sich vor allem um Drogen, die nach Reinheitsgrad gestaffelt angeboten wurden, aber auch gestohlene Daten, gefälschte Ausweise und Kreditkarten gehandelt haben. Waffen und Kinderpornographie sollen nicht angeboten worden sein. Dies hätten die Marktplatzregeln der Betreiber ausgeschlossen, heißt es vom SWR. Offensichtlich wussten die Betreiber, dass Waffenhandel stärker verfolgt und härter bestraft wird als der Drogenhandel.

Nach Angaben des BKAs waren zuletzt 63.000 Verkaufsangebote gelistet. Der Darknet-Marktplatz "Wall Street Market" habe etwa 5400 Verkäufer und 1.150.000 Kundenkonten gehabt. Bezahlt wurden die Waren mit den Kryptowährungen Bitcoin und Monero.

Festgenommen wurden die Verdächtigen, nachdem sie den Marktplatz am 23. April in den Wartungsmodus geschaltet hatten und einen Exit-Scam einleiteten. Dann begannen sie mit dem Transfer der eingenommenen Gelder an sich selbst. Zuvor hatten das BKA, das FBI und weitere US-amerikanische Strafverfolgungsbehörden sowie niederländische Ermittler und Europol seit März 2019 verdeckte Ermittlungen durchgeführt, die zu den mutmaßlichen Tätern führten.

Bei den Tatverdächtigen wurden bei Wohnungsdurchsuchungen Computer und Datenträger sichergestellt. Zusätzlich beschlagnahmten die Beamten Kryptowährung in sechsstelliger Höhe, 550.000 Euro Bargeld, "mehrere hochwertige Kraftfahrzeuge" und weitere Beweismittel. Bei dem 22-jährigen Verdächtigen aus Kleve soll außerdem eine Waffe sichergestellt worden sein.

In den USA, in denen der meiste Umsatz gemacht worden sei, konnten zwei der größten Verkäufer identifiziert und festgenommen werden. Wie das BKA mitteilte, wurden dabei Bargeld in Millionenhöhe, Drogen und Waffen beschlagnahmt.

Der "Wall Street Market", der über das Tor-Netzwerk im Darknet über einen beschlagnahmten Server zugänglich war, wurde mittlerweile vom BKA vereinnahmt. Kunden des Marktplatzes sehen seit dem 2. Mai nur noch ein Banner mit der Aufschrift "Die Plattform und der kriminelle Inhalt wurden beschlagnahmt" – in deutscher und englischer Sprache. (olb)