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Wall Street erwärmt sich langsam für Kryptogeld-Handel

Bislang rümpften viele Größen der Finanzwelt eher die Nase, wenn es um Kryptogeld geht. Doch Goldman Sachs & Co. scheinen sich Berichten nach immer mehr für den Handel damit zu interessieren.

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Bitcoin Coin

Auch verwandte Dinge wie Börsen zum Handel von Kryptowährungen oder Wallets, in denen sie gespeichert werden, dürfen demnächst nicht mehr beworben werden.

(Bild: dpa, Ina Fassbender)

Die US-Hochfinanz möchte offenbar auch ihren Anteil am Kuchen des Kryptogeldhandels bekommen: Wie aus Berichten der New York Times hervorgeht, plant die Großbank Goldman Sachs eine eigene Handelsabteilung für Kryptogeld; und Intercontinental Exchange (ICE), die Betreibergesellschaft der weltgrößten Wertpapierbörse New York Stock Exchange, will demnach eine eigene Onlineplattform für Geschäfte mit virtuellen Währungen gründen.

Bei Goldman Sachs soll sich das dem Bericht nach aber zunächst darauf beschränken, im Auftrag der Kunden Futures auf Kryptogeld handeln, also Terminkontrakte, mit denen sich auf Preisentwicklungen spekulieren lässt. Ebenfalls sei auch die Auflegung eigener Krypto-Futures geplant. Die US-Behörde CFTC hatte bereits im Dezember die Erlaubnis für solche Finanzinstrumente gegeben, kurz darauf hatte die Börse CBOE einen Bitcoin-Future aufgelegt.

Bitcoin & Co. direkt kaufen und verkaufen werde man bei Goldman Sachs erst mal nicht. Aber ein Team prüfe derzeit, ob man dafür grünes Licht von den Aufsichtsbehörden erhalte könne und welche Risiken der direkte Handel mit sich bringen könnte, hieß es gegenüber der Zeitung.

Die ICE will der New York Times zufolge noch weiter gehen und eine Online-Plattform schaffen, über die vor allem Großinvestoren Kryptowährungen handeln und halten können. Zudem sollen die Börsenbetreiber auch Gespräche geführt haben über Derivate für Tauschgeschäfte auf Bitcoin, sogenannte Swaps. Die New York Times beruft sich in ihrem Bericht auf interne Dokumente und vier anonyme Tippgeber. Seitens der Börsenbetreibers gibt es bislang noch keine öffentlichen Verlautbarungen, den Bericht kommentierte das Unternehmen nicht.

Bereits Ende April zeigte sich auch Adena Friedman, Chefin der Börse NASDAQ, zumindest offen für die Idee, eine eigene Kryptobörse zu gründen. Man warte aber lieber ab, bis der Markt gereift sei und sich die Behörden auf Regularien festgelegt hätten. Auch Milliardär George Soros, der sich beim Weltwirtschaftsforum in Davos noch kryptogeldkritisch äußerte, soll einem der Manager seiner Investmentgesellschaft inzwischen grünes Licht für den Handel mit virtuellen Währungen gegeben haben, wie der Finanznachrichtendienst Bloomberg erfahren haben will.

Ob diese Beispiel eine Wende markieren, wie die Größen der Finanzwelt aufs Kryptogeld schauen, bleibt abzuwarten. Während sich die Branche nahezu begierig auf die zu Grunde liegende Technik der Blockchain gestürzt hat, wird die darauf gebaute Anwendungsschicht der Kryptowährungen von vielen bestenfalls skeptisch gesehen. So hatte erst jüngst Investmentlegende Warren Buffett gegenüber dem US-Sender CNBC den Bitcoin als "Rattengift hoch zwei“ bezeichnet.

Bill Gates, der zum Vorstand der von Buffett mitgegründeten Holding-Gesellschaft Berkshire Hathaway gehört, sekundierte ihm, dass Bitcoin nur ein reines Spekulationsobjekt sei. Gäbe es einen einfachen Weg, mit Short-Positionen auf Kursstürze des Bitcoin zu spekulieren, würde er das tun. Dank der Bemühungen der US-Finanzbranche dürfte ihm das bald problemlos möglich sein. (axk)