Wie sinnvoll sind Flugautos?

Eine Studie des Fraunhofer IAO hat sich mit der Frage befasst, wie realistisch der Einsatz von Flugautos tatsächlich ist.

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(Bild: Lilium)

Von
  • Hans-Arthur Marsiske

Auf der anderen Seite des Flusses lockt ein schönes Ausflugslokal mit attraktiver Sonnenterrasse, keine hundert Meter entfernt, trotzdem weit weg. Denn die nächste Brücke ist mehrere Kilometer entfernt. Wie praktisch wäre es, sich jetzt mit dem Auto in die Luft erheben und kurz übersetzen zu können.

Flugautos als Ersatz von oder Ergänzung zu Fähren ist denn auch eines von sechs Anwendungsszenarien, die in einer jetzt veröffentlichten Studie des Fraunhofer IAO näher auf ihre Realitätstauglichkeit untersucht werden. Das von Daniel Duwe geleitete Autorenteam sieht hier insbesondere ein Einsatzfeld für ein modulares Konzept, bei dem die Fahrgastkabine wahlweise mit einem Radantrieb für die Fahrt auf der Straße oder mit einem Multikopter für kurze Flugstrecken verbunden werden kann. Weitere Szenarien sind Rettungseinsätze in Großstädten, Zubringerdienste zu Flughäfen oder fliegende Taxis.

Die Forscher haben sich zudem die für Flugautos erforderlichen Technologien angesehen, deren jeweiligen Reifegrad abgeschätzt und verschiedene Konzepte verglichen. Ein eigenes Kapitel widmet sich den Anforderungen an die Infrastruktur, die wiederum von den verwendeten Technologien abhängen: So erfordert die Betankung von Brennstoffzellen mit Wasserstoff andere Sicherheitsvorkehrungen als die Schnellladung von Batterien. Letztere biete sich an für Landeplätze auf Hochhäusern, resümieren die Autoren, weil sie wenig Platz erfordere und die Ruhezeiten der Flugautos verringere. Sie könne jedoch die Lebensdauer der Batterien verkürzen und erfordere dicke Stromkabel, deren Verlegung problematisch sein kann.

Aufgrund der Vielzahl derartiger Abwägungen dürfte der Take-Off der fliegenden Autos noch länger auf sich warten lassen, als es die sich häufenden Berichte über flugtaugliche Prototypen erwarten lassen. Wie lange genau, lässt die Studie offen. Die Fluggeräte selbst sind dabei aber nicht das Problem. Als größte Hürden nennt Duwe vielmehr rechtliche Regelungen, Flugkontrolle und die Schaffung der erforderlichen Infrastruktur. Aber: "In fortschrittlichen Regionen der Welt, wo Gesetze und Infrastrukturen schnell angepasst werden können, könnten wir fliegende Taxis schon in wenigen Jahren im Einsatz sehen."

(kbe)