Warcraft 3 Reforged: Das schlechteste Spiel aller Zeiten?

Der Zorn des Internets bricht über Warcraft 3: Reforged herein. Die Community kritisiert vor allem, dass das Remake auch das Original in Mitleidenschaft zieht.

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(Bild: Blizzard)

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Glaubt man den Nutzer-Tests auf dem Review-Aggregator Metacritic, dann ist Warcraft 3: Reforged das schlechteste PC-Spiel aller Zeiten. Die Neuauflage von Blizzards Strategie-Klassiker hält dort verheerende 0,5 von 10 möglichen Punkten bei über 20.000 Nutzer-Stimmen. Um dem eigenen Unmut Nachdruck zu verleihen, schubste die erzürnte Gaming-Community das bisherige Schlusslicht "Day One: Garry's Incident" noch schnell mit Höchstwertungen nach oben, um Warcraft 3: Reforged auch wirklich als Tabellenletzten zu zementieren.

Warcraft 3: Reforged ist, trotz berechtigter Kritik, ein viel besseres Spiel als das dysfunktionale "Garrys Incident" und die anderen verunglückten Software-Experimente, die bei Metacritic im tiefroten Wertungsbereich dahinsiechen. Die zweifelhafte Gesellschaft hat sich Warcraft 3: Reforged auf Metacritic durch sogenanntes "Review-Bombing" verdient, bei dem Spieler ihrer Wut durch Minimalwertungen Ausdruck verleihen. Das Strategiespiel steht im Zentrum eines Shitstorms, wie ihn Entwickler Blizzard in der Vergangenheit schon mehrmals zu spüren bekam.

Mit Warcraft 3: Reforged wollte der zuletzt gebeutelte Entwickler alte Sympathien wieder aufleben lassen: Fast 18 Jahre hat die Originalvorlage mittlerweile auf dem Buckel, noch immer zählt sie zu den besten und einflussreichsten Strategiespielen der Welt. Die Reforged-Version sollte den erprobten Spielkern beibehalten und den mittlerweile doch recht dicken Technik-Staub wegwedeln, wie es zum Beispiel Microsoft mit der Definitive Edition von Age of Empires 2 gelungen ist. Herauskam stattdessen eine an manchen Stellen verschlimmbesserte Neuversion, die nicht nur mit fehlenden Features und Performance-Problemen enttäuscht, sondern – ein Sakrileg – auch die Originalfassung von Warcraft 3 in Mitleidenschaft zieht.

Mit dem Release von Reforged hat Blizzard nämlich den alten Warcraft-3-Launcher entfernt, einige (von manchen unerwünschte) Spielfeatures wie die neuen Menüs wurden außerdem in das Original-Spiel übernommen. Damit nimmt Blizzard den ohnehin schon arg enttäuschen Fans die Möglichkeit, das unangetastete Warcraft 3 zu spielen. Entsprechend wütend zeigt sich die Community in den Blizzard-Foren und auf Reddit, wo bissige Parodien wie die Webseite "Warcraft 3: Refunded" gefeiert werden.

Zu den häufigsten Beschwerden über die Reforged-Version gehören augenscheinlich gebrochene Versprechen: Ein Trailer aus 2018 zeigt zum Beispiel völlig überarbeitete Zwischensequenzen, die für die Release-Fassung erheblich zurückgefahren wurden. Sogar einige Features aus dem Original fehlen: Automatisierte Turniere wurden zum Beispiel gestrichen, von Nutzern erstellte Custom Maps können nicht mehr gespielt werden. Dass einige der Features, die bei der Erstvorstellung 2018 gezeigt wurden, im fertigen Spiel fehlen würden, hat Blizzard zwischendurch zwar kommuniziert – allerdings sind die irreführenden Videos immer noch bei Youtube zu sehen. Dazu kommen Performance-Probleme, die auch heise online im Test zu Warcraft 3: Reforged festgestellt hat.

Warcraft-3-Grafikvergleich: Reforged vs. Classic (8 Bilder)

(Bild: Mark Mantel / heise online)

Für Ärger sorgen außerdem Berichte über Blizzards restriktive Endnutzer-Lizenzbedingungen, die Blizzard die Rechte an von Nutzern erstellten Karten einräumen sollen. Dass diese Regelung im Wesentlichen bereits seit Jahren gilt und im Januar lediglich neu formuliert wurde, geht im Shitstorm-Gebrüll unter.

In jedem Fall hat Blizzard mit Warcraft 3: Reforged falsche Hoffnungen geweckt, die sich nun rächen. Ohnehin stand das Unternehmen seit der Übernahme durch Activision fast ununterbrochen im Kreuzfeuer, zuletzt wegen der mutmaßlich politisch motivierten Sperre eines Hearthstone-Profis. Vorher noch hatte Blizzard seine Community mit einem Diablo-Handyspiel für missmutig gestimmt. Die Ankündigung eines Mobile Games vor einem Publikum aus eingefleischten PC-Spielern zeige, dass Blizzard den Draht zu den Fans verloren habe, meinten damals viele. Die Kontroversen um Warcraft 3 werden nicht dazu beitragen, diesen Verdacht aus der Welt zu schaffen.

Update: In einem Foren-Eintrag hat Blizzard auf die Kritik der Community reagiert. Man sei den Fans für das Feedback dankbar und werde weiterhin an Warcraft 3: Reforged arbeiten, um einige der Kritikpunkte zu verbessern, schreibt das Unternehmen darin. (dahe)