Warcraft 3: Reforged im Test: Liebevolle Grafik trifft auf schlechte Performance

Blizzard hievt das Echtzeitstrategiespiel Warcraft 3 grafisch ins Jahr 2020, lässt dabei jedoch den technischen Unterbau liegen, was mitunter für Frust sorgt.

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(Bild: Blizzard)

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Blizzard haucht seinem 18 Jahre alten Echtzeitstrategiespiel Warcraft 3 neues Leben ein: Das Remake mit dem Beinamen Reforged modernisiert die Grafik vom 2002er-Original, ohne das Gameplay zu verändern. Das 30-Euro-Spiel enthält das Basisspiel Reign of Chaos und die Erweiterung The Frozen Throne, einen versionsübergreifenden Multiplayer mit mächtigem Modding-Tool und die Integration in Blizzards Battle.net-Client samt neuer Benutzeroberfläche.

Wir haben die Neuauflage in den vergangenen Wochen Dutzende Stunden gespielt und einen gemischten Eindruck gewonnen.

Warcraft 3: Reforged legt seinen Fokus auf neue Modelle für sämtliche Helden, Einheiten und Objekte. Passend dazu wurden alle Icons neu entworfen. Die Modelle und Icons stammen vom malaysischen Studio Lemon Sky, während Blizzard unter anderem das Beleuchtungssystem verbessert hat. Die Schatten stellen nicht mehr nur grobe Schemen dar, sondern skizzieren die Einheiten und Gebäude genauer. Die Partikeleffekte, zum Beispiel von Heldenfertigkeiten, sehen realistischer aus.

Wer die originalen Einheiten kennt, hat Spaß beim Entdecken der neuen Details: Früher sahen die Figuren aus, als bestünden sie aus zehn Polygonen. In Warcraft 3: Reforged können sich alle Helden und Einheiten sogar maximal herangezoomt sehen lassen. Die Rüstungen erscheinen wesentlich imposanter und so mancher Oberkörper zeigt schon mal Bauchmuskeln.

Das Grafik-Upgrade läuft nicht nur in der Singleplayer-Kampagne und den Standardgefechten, sondern auch mit sämtlichen sogenannten Fun-Maps, welche die Spieler in den letzten Jahren erstellt haben. Haben Modder eigene Modelle in Blizzards World-Editor geladen, sehen diese aus wie früher. Das finden wir nicht schlimm – im Gegenteil: Der starke Kontrast bei der Grafik sorgte für Schmunzler. In den ersten Spielstunden schlossen wir uns zum Beispiel der Tower-Defense-Map "Warcraft Maul" von 2012 an, die dank der neuen Modelle auf Anhieb neuen Charme entfaltete.

Warcraft-3-Grafikvergleich: Reforged vs. Classic (8 Bilder)

(Bild: Mark Mantel / heise online)

Warcraft 3: Reforged enthält die Kampagne des Originals samt Erweiterung, also über 60 Einzelspiellermissionen mit Hintergrundgeschichten zu zahlreichen Blizzard-Charakteren. Die Story profitiert vornehmlich vom Grafik-Upgrade, da Blizzard die Szenerien Gebäude für Gebäude genau bestimmen und beispielsweise die Schatten durch einen niedrigen Sonnenstand langziehen kann. Ein Großteil der Zwischensequenzen, welche die Spiele-Engine in Echtzeit rendert, profitieren wegen der Nahaufnahmen erheblich von den detaillierten Modellen. Bonuspunkt: Protagonist Arthas hält nicht mehr völlig zufällig seinen Hammer in die Luft – früher eine Animation, wenn er länger stillsteht. Die vorgerenderten Film-Zwischensequenzen übernimmt Blizzard vom Original. Das Studio hat es sich aber nicht nehmen lassen, das Intro beim ersten Spielstart komplett neu zu erstellen.

In den Zwischensequenzen nutzt Blizzard Nahaufnahmen, sodass diese in Reforged deutlich besser aussehen.

(Bild: Michael Wieczorek / heise online)

Ursprünglich plante Blizzard, die Kampagne durch kleinere inhaltliche Änderungen näher an die Geschichte von World of Warcraft heranzubringen. Sylvanas Windrunner und Jaina Proudmoore sollten zum Beispiel mehr Bildschirmzeit erhalten. Das Studio verwarf die Idee wieder, weil diese eine Neuvertonung einiger Figuren erfordert hätte, wogegen sich viele Fans sträubten. Schließlich hatte sich Blizzard mit den Einheitensprüchen, darunter so manches Easter-Egg, schon 2002 einen Namen gemacht. Den Instrumental-Soundtrack hat das Studio hingegen mit höherer Tonqualität neu aufnehmen lassen.