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Warez-Razzia: 15.900 Strafverfahren gegen FTPWelt-Nutzer

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Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen will gegen rund 15.900 Kunden der Mitte September beschlagnahmten kommerziellen Warez-Download-Plattform FTPWelt.com in nächster Zeit Strafverfahren einleiten. Nach Auswertung der Kundendatenbank habe sich herausgestellt, dass diese Nutzer wohl gegen das Urheberrecht verstoßen hätten, erklärte der zuständige Staatsanwalt Thomas Köhler im Gespräch mit heise online.

Dass Strafverfahren eingeleitet würden, bedeute freilich nicht zwangsläufig, dass alle Betroffenen mit einer Vorladung zu rechnen haben. Stehe die Identität eines Verdächtigen fest, dann leite die Staatsanwaltschaft Mühlhausen die Akte an die örtlich zuständige Staatsanwaltschaft weiter. Diese entscheide dann, ob sie den Fall weiter verfolgt. "Ich muss auf Grund des jeweils hinreichenden Anfangsverdachts so handeln. Das ergibt sich aus der Strafprozessordnung", so Köhler.

Unterdessen wertet das Landeskriminalamt Thüringen im Auftrag der Staatsanwaltschaft Mühlhausen weiter Daten aus, die man auf sichergestellten Rechnern der mutmaßlichen FTPWelt-Betreiber gefunden hat. Dies sei eine Mammutaufgabe, betonte Köhler. Beispielsweise seien "Gigabyte-große E-Mail-Archive" zu durchforsten. Bis gegen die drei Hauptverdächtigen eine Anklage erhoben werde, "können daher noch einige Monate ins Land gehen".

Bisher habe die Staatsanwaltschaft etwa 800.000 Euro bei den drei Hauptverdächtigen sichergestellt, von denen mindestens 380.000 Euro eindeutig direkt mit dem Betrieb von FTPWelt.com erwirtschaftet worden seien. Auf diese 380.000 Euro hätten die Verdächtigen bereits per schriftlicher Erklärung verzichtet, erklärte Köhler.

Der tatverdächtige Rechtsanwalt Bernhard Syndikus, der selbst Geschäftsführer eines auf Mehrwertdienste spezialisierten Unternehmens war, erhält mittlerweile Unterstützung aus der Dialer-Branche. "Mehrere Webmaster haben sich spontan bereit erklärt, für Herrn Syndikus eine 'Kriegskasse' ins Leben zu rufen, die zu erwartende Prozesse gegen die Presse unterstützt", hieß es in einer diesbezüglichen Rundmail.

Auf Nachfrage von heise online wurde eine mit "die Unterstützer" unterzeichnete Mitteilung herausgegeben, in der es heißt, "die von der Staatsanwaltschaft Mühlhausen gegen Herrn Syndikus erhobenen, massiven Vorwürfe und die Art und Weise der Behandlung von Herrn Syndikus durch die Strafverfolgungsbehörden" hätten "eine spontane Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst." Sich selbst charakterisierten die Unterstützer als Menschen, "die sich auch sonst sozial engagieren und über ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden verfügen." (hob)