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Warez-Razzia: FTPWelt-Nutzer müssen mit Strafverfahren rechnen [2. Update]

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Die am gestrigen Donnerstag im Laufe einer Warez-Razzia festgenommene Gruppe von professionellen Raubkopie-Anbietern wird im Laufe des heutigen Freitags dem Haftrichter vorgeführt. Das teilte die ermittelnde Staatsanwaltschaft Mühlhausen am heutigen Freitag im Rahmen einer Pressekonferenz mit.

Der Münchner Rechtsanwalt Bernhard S., dem die Beteiligung an der Gruppe vorgeworfen wird und der im Laufe der Razzia ebenfalls festgenommen wurde, habe zunächst keinen Anwalt bestellen wollen, erklärte die Staatsanwaltschaft. Am heutigen Freitag habe sich bei der Staatsanwaltschaft allerdings ein auf Strafrecht spezialierter Rechtsanwalt gemeldet, der beauftragt sei, S. -- Mitinhaber einer Kanzlei, die in der IT-Branche durch fragwürdige Abmahnungen wegen Verletzung gewerblicher Schutzrechte bekannt geworden ist -- zu verteidigen. Oberstaatsanwalt Hans-Joachim Petri wies außerdem Medienberichte zurück, nach denen S. "mit Wild-West-Manieren abgeführt worden" sei.

Die Staatsanwaltschaft gab an, bisher etwa 250.000 Euro, die durch die Gruppe mit dem Internet-Vertrieb von Raubkopien erwirtschaftet worden seien, von deutschen Konten beschlagnahmt zu haben. Diese Abschöpfungsmaßnahmen seien weiter im Gange.

Staatsanwalt Thomas Köhler wies darauf hin, dass gegen alle Nutzer, die von dem Angebot Gebrauch gemacht haben, Raubkopien bei FTPWelt.com herunterzuladen, Strafverfahren eingeleitet werden. "Der Download war strafbar", gab sich Köhler sicher. "Die Nutzer werden sich kaum damit herausreden können, gemeint zu haben, es handelt sich um ein legales Download-Angebot", begründete Köhler seine Auffassung. Wie viele der rund 45.000 Nutzer von FTPWelt.com schließlich mit Strafen zu rechnen hätten, wollte Köhler nicht abschätzen. Es sei aber klar, dass nicht alle eröffneten Verfahren zu Strafen führen würden.

Das Landeskriminalamt Thüringen hatte derweil am gestrigen Donnerstagabend offenbar einige Probleme, FTPWelt.com und die dahinterstehenden Server herunterzufahren. Die Festgenommenen weigerten sich, Zugangsdaten preiszugeben. Erst gegen 23 Uhr am Donnerstagabend gelang die Abschaltung.

[Update]:
Gegen den 20-jährigen Daniel R. sowie seinen 30-jährigen Bruder Thomas R. sind mittlerweile bereits Haftebefehle erlassen worden. Ein 19-Jähriger, der die Server technisch betreut haben soll, wurde wieder auf freien Fuß gesetzt. Der 46 Jahre alte Rechtsanwalt wurde ebenfalls noch am Freitag dem Haftrichter vorgeführt; inzwischen ist auch gegen ihn wegen Verdunklungsgefahr Haftbefehl erlassen worden. Er verbleibt also mindestens 14 Tage bis zum nächsten Haftprüfungstermin in Untersuchungshaft.

Siehe dazu auch: (hob)