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Warner Music: Keine Gratis-Streams, aber Interesse an EMI

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Warner Music kann sich eine gemeinsame Zukunft mit dem angeschlagenen Konkurrenten EMI vorstellen. Mit entsprechenden Äußerungen heizte Warner-Chef Edgar Bronfman Jr Spekulationen über eine mögliche Übernahme an. "Eine Konsolidierung ist sicherlich möglich", bemerkte Bronfman vor Finanzexperten in London. Beiden Unternehmen geht es finanziell nicht gut: Warner ist im ersten Quartal seines Geschäftsjahres mit einem Verlust von 17 Millionen US-Dollar in die roten Zahlen gerutscht. Und EMI steckt nach einem Milliardenverlust in einer existenzbedrohenden Krise.

Mit einem umfangreichen Rettungsplan will EMI die drohende Pleite noch einmal abwenden. Das Label braucht frisches Geld, um seinen finanziellen Verpflichtungen gegenüber Banken nachkommen zu können – britischen Medienberichten zufolge muss EMI bis Mitte Juni 120 Millionen Pfund auftreiben, sonst übernimmt die Bank. Diese könnte EMI dann filetieren und verkaufen.

Das Konzept, an dem CEO Elio Leoni-Sceti gerade feilt, soll das noch abwenden. Er will die Investoren überzeugen, noch einmal Barmittel nachzuschießen. Der Plan sieht den Berichten zufolge unter anderem einen Ausbau des Digitalgeschäfts, weiteren Arbeitsplatzabbau und die Trennung von unprofitablen Künstlern vor.

Unterdessen verabschiedet sich Warner vom Gratis-Streaming. Das Label will werbefinanzierten Plattformen, die ihren Nutzern Gratis-Streams anbieten, keine Lizenzen mehr erteilen. Bei Gratisdiensten wie Spotify oder Last.fm käme für die Branche am Ende nichts Zählbares heraus, sagte Bronfman der BBC. "Wir werden den Ansatz, soviel Musik wie du willst umsonst zu bekommen, um dann mit ein bisschen Schnickschnack vielleicht ein Premium-Preismodell aufzusetzen, in Zukunft nicht weiter unterstützen."

Warner will sich auf bezahlte Streaming-Angebote konzentrieren; hier sieht das Unternehmen noch erhebliches Potenzial. Unklar ist noch, ob sich das Label aus bestehenden Lizenzvereinbarungen zurückzieht. Das wäre ein schwerer Rückschlag für aufstrebende Dienste wie Spotify. Warner hatte 2006 selbst mit einem werbefinanzierten Streaming-Dienst experimentiert. (vbr)

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