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Warten auf stabile Artikelversionen in der Wikipedia

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Mit stabilen Artikelversionen will Wikimedia den alltäglichen Vandalismen in der Wikipedia vorbeugen. Hierbei soll eine Version eines Artikels zur "stabilen Version" erklärt werden, die unangemeldeten Nutzern angezeigt wird. Im Hintergrund soll weiter eine instabile Version existieren, die von jedem unangemeldeten Nutzer editiert werden kann. Über die Details wird seit Längerem diskutiert. Nach der von Wikimedia-Vorstand Jimmy Wales in einem Interview angekündigten Variante könnte jeder Nutzer, der länger als vier Tage angemeldet ist, eine Artikelversion zur stabilen Version erklären. Schon seit über einem Jahr wird in der Wikipedia über die Einführung stabiler Artikelversionen beratschlagt.

Prinzipiell kann jeder Internetnutzer alle Artikel verändern, nur in Ausnahmen werden sie gegen weitere Bearbeitungen von nicht angemeldeten oder von allen Nutzern gesperrt. Die neue Funktion soll verhindern, dass Gelegenheitsbesucher mit vandalisierten beziehungsweise nicht überprüften Informationen konfrontiert werden.

Wie sich eine solche Änderung auf die Wikipedia und ihre Bearbeitungspolitik auswirken könnte, ist unklar – deshalb hatte Wales erklärt, dass erste Experimente mit dieser Version in der deutschen Wikipedia stattfinden sollen. Doch die Umsetzung des Vorhabens lässt trotz wiederholter Ankündigungen auf sich warten. Philipp Birken, Beisitzer im Vorstand des Vereins, erläutert: "Einen konkreten Zeitplan zum Anschalten dieser neuen Funktionen gibt es nicht. Nach Angaben der Entwickler wird dies auf keinen Fall noch im August passieren, wahrscheinlich wird es sogar bis Ende des Jahres dauern." Es sei auch noch nicht entschieden, in welcher Form die stabilen Versionen zuerst ausprobiert werden sollen. "Sobald diese Eckdaten feststehen, wird man in der deutschsprachigen Community über die dann folgende Testphase beraten", erklärt Birken.

Unterdessen wurde bekannt, dass der Berliner Verlag Zenodot die Reihe Wikipress Ende Juli eingestellt hat. Die Sachbücher basierten auf Wikipedia-Inhalten, die von freiwilligen "Wikipeditoren" zusammengestellt, überarbeitet und anschließend noch mal von einer Redaktion lektoriert wurden. "Wir haben den Aufwand der Buchreihe unterschätzt", sagt Kilian Kissling von Zenodot. Zum einen sei es sehr viel schwerer gefallen, geeignete Autoren zu finden, zum anderen habe Zenodot, eine Schwester des Verlags Directmedia, nicht die richtige Vertriebsstruktur gehabt, um die Buchreihe richtig zu platzieren. In einem Erfahrungsbericht werden zudem die Schwierigkeiten beschrieben, Online-Inhalte in eine druckbare Form zu bringen.

Wikipress war eines der Aushängeschilder für die Qualität der Wikipedia-Inhalte. Seit dem Erscheinen des ersten Bandes zum Thema "Wikipedia" im Dezember 2005 erschienen noch weitere neun Bände. Es waren 18 weitere Wikipress-Ausgaben angekündigt. Die bisher erschienen Bände stehen auf der Projektseite zum kostenlosen Download bereit. Zenodot hatte Anfang des Jahres angekündigt, eine hundertbändige Print-Version herauszugeben, das Projekt aber nach wenigen Monaten wieder abgesagt. (Torsten Kleinz) / (anw)

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