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Was lange währt...: Neuer Chef von Microsoft ist Satya Nadella

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Satya Nadella ist neuer Chef von Microsoft. Er löst Steve Ballmer ab, der 2000 die Leitung von Bill Gates übernahm. Nadella soll den Umbau Microsofts zu einem integrierten Konzern für Hardware, Software und Dienstleistungen anführen.

Satya Nadella, neuer Chef von Microsoft

(Bild: Microsoft)

Was lange währt, wird endlich gut, heißt es. Ob das auch für die Wahl des neuen Microsoft-Chefs gilt, wird sich zeigen müssen. Jedenfalls gab Microsoft nach langer Auswahlprozedur nun endlich bekannt: Satya Nadella ist neuer Chef von Microsoft. Er löst Steve Ballmer ab, der 2000 die Leitung des Software-Konzerns vom Mitgründer Bill Gates übernahm. Nadella ist erst der dritte Chef von Microsoft in der 38-jährigen Firmengeschichte; sein Job wird es sein, die Umbaupläne für Microsoft, die Ballmer bereits aufgelegt hatte, in die Praxis umzusetzen. Bill Gates tritt zudem als Vorsitzender des Verwaltungsrats zurück und wird Microsofts "Technology Advisor" für den neuen Firmenchef; Ballmer bleibt in Microsofts Verwaltungsrat. John Thompson vom Cloud-Spezialisten Virtual Instruments wird neuer Chef der des Verwaltunsrats.

Nadella war bislang Executive Vice President und Chef der Cloud-Sparte von Microsoft. Er kennt Microsoft in- und auswendig. So war er zuletzt verantwortlich für die Entwicklung von Microsofts Cloud-Systemen, die beispielsweise im Hintergrund von Office 365, der Web-Version von Office, von Bing, SkyDrive, Xbox Live, Skype und diversen Unternehmensanwendungen werkeln. Zuvor hat Nadella bei Microsoft bereits die Sparte für Server und Entwicklungswerkzeuge geleitet, war Forschungs- und Entwicklungschef von Microsofts Online-Diensten und Vizepräsident der Business-Division. Kara Swisher beschrieb ihn im Tech-Blog AllThingsDigital schon einmal als jemanden, der "als Geek herüberkommt, aber als besonders netter".

Diverse Kandidaten waren für den Microsoft-Chefposten gehandelt worden, darunter der Ford-Chef Alan Mulally und der nach Aufkommen der Gerüchte überraschend zum Qualcomm-Chef gekürte Steve Mollenkopf. Steven Elop, eigentlich ein alter Microsoft-Hase (er war lange Chef der Office-Abteilung), war lange Zeit ebenfalls als aussichtsreicher Kandidat gehandelt worden. Er galt aber neben den externen Kandidaten doch wieder, wie angeblich schon bei Nokia, als zweite Wahl für den Chefposten. Elop hat bei Nokia aber immerhin bereits den Wechsel zu Windows Phone durchgesetzt und mit Ballmer zusammen den Deal zur Übernahme des Nokia-Smartphonegeschäfts durch Microsoft eingefädelt - ein Deal, der auch die Rückkehr von Elop zu Microsoft bedeutete.

Nun wird aber doch der "coole Nerd" Nadella Nachfolger des extrovertierten Steve Ballmer. "Bad Boy Ballmer", so der Titel eines Buches, übernahm die Leitung von Microsoft, als der nerdige Bill Gates erschöpft war. Der vom harten Richter Thomas Jackson im Anti-Trust-Prozess schwer bedrängte Gates erkannte, dass es mehr gibt, als um Windows und Office-Paketbündel zu kämpfen. Ballmer übernahm die Firma ohne zu zögern – Auftritte wie sein berühmtes "Developers, Developers, Developers" konnte er sich danach zwar nicht mehr leisten, um offene Worte war Ballmer aber selten verlegen.

Der scheidende Microsoft-Chef Steve Ballmer war bei seinen öffentlichen Auftritten oder bei Reden vor Firmen-Mitarbeitern nicht unbedingt für Zurückhaltung bekannt.

Bei seiner Rücktrittsankündigung wiederum erklärte er, Microsoft brauche einen Chef, der für längere Zeit den Wandel zu einem Unternehmen für Geräte und Dienstleistungen begleiten werde. Ballmer hinterlässt zwar einen Konzern, der in nahezu jedem Quartal stolze Gewinne vorweisen kann (im ersten Quartal des laufenden Microsoft-Geschätsjahrs 2014 allein 5,244 Milliarden US-Dollar, im zweiten Geschäftsquartal konnte der Konzern mit 6,558 Milliarden US-Dollar Gewinn die Erwartungen dann erneut übertreffen und im Geschäftsjahr 2013 insgesamt 21,862 Milliarden US-Dollar Gewinn vorweisen), der aber in den boomenden Wachstumsmärkten, vor allem bei Tablets und Smartphones, nicht viel zu melden hat. Und der derzeit schon gar nicht als "coole, innovative" Firma gilt.

Zudem musste Ballmer mit Vista den, wie er selbst sagt, "größten Fehler seines Lebens" als Flop bei Microsoft verbuchen. Der Versuch, mit den Kacheln von Windows 8 eine einheitliche Bedienoberfläche und letztlich ein einheitliches System vom Smartphone über das Tablet bis zum Desktop-PC zu etablieren, war bislang ebenfalls nicht von großem Erfolg gekrönt – mit Windows 8.1 legte Microsoft mittlerweile erste Korrekturen vor und versucht einen neuen Ablauf.

Angesichts der Situation geht es für den neuen Chef darum, "Microsoft komplett neu zu machen", wie Ballmer sein eigenes Vorhaben umschrieb. Er selbst habe aber das Gefühl bekommen, dass er als Teil des alten System eventuell dem Umbau im Wege stehe. "Egal, wie schnell ich verändern will, wird es bei allen Beteiligen – Mitarbeiter, Verwaltungsräte, Investoren, Partner, Kunden – Zweifel geben, dass ich es ernst meine", hatte Ballmer zur Erklärung seines Rücktritt angeführt.

Ob Nadella da in einer besseren Situation ist, wird sich zeigen müssen: Er soll jedenfalls den Umbau Microsofts zu einem intergrierten Konzern für Hardware, Software und Dienstleistungen, der auch in den mobilen und Internet-gestützten Zukunftsmärkten reüssieren kann, von Beginn an anleiten. Da hat Nadella viel vor – und Microsoft sich viel vorgenommen. (jk)

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