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Was war. Was wird.

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Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Die Presse ist frei, über Unrecht zu berichten. Doch einen Link dorthin zu setzen, wo Unrecht geschieht, ist unrecht. So hat das Oberlandesgericht München in tiefer Sorge um die Überlebensfähigkeit der Unterhaltungsindustrie entschieden. Während beide Seiten ihre Auslagen tragen, freut sich die Suchmaschinenindustrie über die neue Bestandsgarantie. Denn sie braucht sich nicht darum zu kümmern, ob bei einem Portal Unrecht geschieht. Sie hat Bots am Laufen, die können mitunter nackige und angezogene Menschen unterscheiden, aber beim Unrecht, da müssen sie kapitulieren. Selbst vernunftbegabten Menschen fällt die Definition des Unrechts schwer, das müssen sie dem Oberlandesgericht München überlassen. Vielleicht brauchen wir eine Oberlandesgerichtliche Unrechts-Suchmaschine, einen bayerischen Assoziationsblaster, der All of Unrecht findet, von einer russischen, dort legalen MP3-Seite bis zu den Portalen, die die touristischen Vorzüge von Guantanamao für islamische Pilger schildern.

*** Ja, die Suchmaschinen jubeln. Schließlich muss es für flüchtige Leser einen Weg geben, aufgeschreckt aus der Lektüre eine Website wie datarententionisnosolution.com zu finden, um nur eine der prominenten Web-Zugänge dieser Woche zu nennen. Links führen uns sonst direkt in das Unrecht, ins Un-WWW. Aber diese Haltung ist nicht nur bei dem musik- und filmproduzierenden Zweig der Unterhaltungsindustrie zu finden. Auch die um ihre Meinungsfreiheit besorgte Presse, allerdings nicht der kleine Verlag in der großen norddeutschen Tiefebene, war einstmals schwer gegen Links eingestellt. Da wir immer noch das Sommerloch bekämpfen, obwohl die Nachrichten nur so fluten und flutschen, kommt gleich die erste Frage vom dritten Teil unseres kleinen Sommerrätsels. Passend zum Urteil geht es heute ohne Links, ohne Fotos nur um Text. Während Bravo unser Wissen über Tampons testet, wird hier in ASCII gerätselt. Sollte beim Lösen der Fragen eine Suchmaschine geprügelt werden, ist das natürlich quiekendes Unrecht!

Alles hat einmal angefangen. Einmal wollte eine moderne Marketingagentur eine Anzeige in allen überregionalen deutschen Tageszeitungen schalten, in der die Webadresse genannt wurde. Dieser gedruckte Link wurde von allen Tageszeitungen "aus begründetem Eigeninteresse" oder "aus grundsätzlichen Erwägungen über die Natur des Computermediums" von den Anzeigenabteilungen unisono abgelehnt. Die Zeitung mit den klugen Köpfen schrieb beispielsweise:
"Wir betrachten Stellenangebote mit Hinweisen auf Internetabfragen als prinzipiell geschäftsschädigend. Wir bitten um ihr Verständnis, dass wir Ihre Stellenanzeigen nicht veröffentlichen."

Die Frage: Aus welchem Jahr stammt die unrechtmäßige Abdruckverweigerung?

*** Nun gibt es Webseiten, auf denen kein Unrecht geschieht, sondern die ausführlich dokumentieren, wie ein Rechtssystem arbeitet. Was macht wohl ein Münchener Oberlandesgericht, wenn es auf eine Website wie Groklaw trifft, die jeden Winkelzug der Advokaten aller beteiligten Parteien dokumentiert, dass jedem Besucher klar wird, welche Posse da mit dem Recht getrieben wird. Wenn die sensibel auf Unrecht reagierende Firma SCO erklärt, dass sie im Falle einer Niederlage aus dem Geschäft gehen, dann nötigen die neuen Darstellungen von Novell über das Geschäftsgebahren von SCO kaum jemanden zu mehr als einem Schulterzucken. Es ist nicht Unrecht, das Gesetz auszutricksen, aber hart daneben.

Das bringt mich zur nächsten Frage: SCO ist under anderem eine geopolitische Abkürzung. Wofür?

*** Eine gelungene Lektion über die Dialektik von Recht und Unrecht bildet die Rechtschreibreform, die von einigen Bundesländern nicht anerkannt wird, weil sie großes Unrecht am deutschen Lehrer verübt. Tatsächlich unterliegt das Jahrhundertwerk nicht dem Willen der Politiker, aber auch die Sprachwissenschaftler schrumpfen zu Zwergen, die auf den Schultern eines Riesen stehen und der heißt MS-Word. Geschrieben wird so, dass Word nicht meckert, hat ein Volkswirtschaftler entdeckt. Ist das nicht Klasse, wenn in der Politik eine offene Diskussion geführt wird, in der Realität aber eine geschlossene Software einer schlauen Firma das Regiment führt. Als bei der Untersuchung von frauenfeindlichen Word-Vorschlägen bekannt wurde, dass der deutsche Thesaurus von Microsoft in Kanada eingekauft wurde, war die Aufregung groß, doch das ist lange her.

Und hier die Frage: Mit welcher deutschen Übersetzung lag IBM, die Mutter aller Kugelköpfe, total daneben?

*** Wenn diese Kolumne erscheint, geht gerade ein kleines Computerfestival zu Ende. Nein, die Rede ist nicht von einem im Matsch versinkenden Hackertreff, sondern von den Vintage-Fans, für die ein noch so poetischer Amiga 1000 ein junges Gespons ist. So ein Urteil ist natürlich auch ein Unrecht, denn es wird mit der Überzeugung der Altvorderen ausgesprochen, auf die die Jüngeren nur ironisch fragen können, ob es nett war, im Krieg, damals.

Die nächste Frage geht darum nicht zurück bis zur ersten Fehlermeldung, die ein Computer von sich gab, aber schon ein bisschen in die Vergangenheit. Welche der folgenden Anweisungen stammt aus einem Spiel? Und welches Spiel mit welcher Situation ist gemeint?
fire phasers 5 times
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*** Verweilen wir, ganz kurz nur, im Gedenken an Albert Mangelsdorff, dem großen deutschen Jazzer, der der Posaune zu ihrem Recht in den Bands verhalf und den deutschen Jazz von der Swing-Seligkeit der Nachkriegszeit befreite, ohne das genialische Rabaukentum eines Peter Brötzmann gleich zur alleinseligmachenden Alternative zu erheben. Dem freischwebenden Künstler jedenfalls wäre es recht gewesen, wenn hier nun die nächste Frage auf dem Fuße folgt:

Woher stammt der folgende Dialog?
"Bruno, was ist Leben?" "Unterprogramm dreidreinull. Was ist der Sinn des Universums? Zerbrich dir nicht dein Köpfchen über solche Probleme. Ende dreidreinull."

*** Kein Admin sollte sich eigentlich das Köpfchen über Cisco-Hardware zerbrechen. Sie ist da. Sie war da -- siehe Sandy Lerner vom letzten Sommerrätsel -- und sie wird da sein, wenn längst die Cyborgs die Erde beherrschen. Nun hat es David vs. Goliath, Version 111111111.99 gegeben, aber Michael Lynn erscheint gerupft, doch ungebrochen. Liebe Admins, feiert schön den Sysadmin Day, aber zerbrecht nicht eure schlauen Köpfchen. Für die leitenden Manager bei Cisco aber habe ich zum Thema Security durch Obscurity ein noch schöneres Zitat parat, als das in der nämlichen Frage: "Mann kann seinen Kopf in den Sand stecken, aber dann ist der Arsch in der Luft."

*** Achja, das Unrecht. Die Verfassungsrichter haben gesprochen, die Datenschützer fühlen sich bestätigt und die PolitikerInnen tun die Sache als Missverständnis ab und trompeten herum, dass alles besser, enger und dichter gemacht wird. Das Gelalle von den Synergieeffekten, dass die Bobos geradezu trällern konnten, nennt sich inzwischen Politik. Wir schicken die Bundeswehr ins Inland, schmeißen die Datenbanken zusammen, setzen den Geheimdienst neben die Verkehrsstreife und haben in Nullkommanichts (0,0) die Terroristen gefangen. Wir schaffen das gigantische deutsche Rendezvous-Programm, in dem der gläserne Bürger noch durchsichtiger wird, bis sein Datenschatten realer ist als sein Zellhaufen. Das ist kein Unrecht, bitteschön, das ist das schlichtes Data Mining mit Minen, die dem Staat gehören.

Die Rätselfrage ist freilich nicht ganz so bitter, wenngleich sie einstmals Gesprächsstoff ohne Ende lieferte: Was verstand man unter einem Rendezvous-Programm? Auf welchem Computer lief das Programm?

Was wird.

Was war, was wird wird mittlerweile schamlos kopiert, was wirklich hübsch ist angesichts der grassierenden Schutzhysterien. Dumme wie kluge Sentenzen gehören der Menschheit. Meistens sind sie dann in der Wikipedia aufgezeichnet, der ärgsten Feindin aller Texträtsel. Das ist einerseits ein billiger Schlenker, um auf die Wikimania hinzuweisen, die ausgerechnet in Bankfurt startet. Andererseits ist es die Gelegenheit, das letzte Rätsel loszuwerden. Denn es gibt viele bekannte Sätze in der Computerei, die ihren Witz aus der Gegenwartsgläubigkeit ihrer Sprecher beziehen und fast alle finden sich in der Wikipedia. Nehmen wir nur den Satz, dass die Welt drei oder vier Computer braucht oder die Feststellung, dass 640 KB Speicher genug für jedermann ist. Oder den ebenso bekannten Satz, dass Computer nutzlos sind, weil sie uns nur Antworten geben.

Einen weiteren, ziemlich berühmten Satz sagte ein Firmenlenker in einem Interview, in dem er auch diesen Satz von sich gab: "Ich bin nicht fähig, mir nach der Gebrauchsweisung im Mikrowellenherd unserer Firma eine Tasse Kaffe zu machen." Von wem ist die Rede?

(Hal Faber) / (jk)

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