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Was war. Was wird.

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Was war.

*** Aus gegebenem Anlass kommentiert heute nicht Hal Faber aus der norddeutschen Tiefebene, diesem flachen Niedersachsen, das nur ein Feuilletoniker der Süddeutschen Zeitung als amerikanische Tiefebene beschreiben kann. Hal ist weit weg in Amerika und dort nicht in einer Tiefebene, sondern auf Paahdy in einem tiefen Tal, den sechzigsten Geburtstag von Uschi Obermaier feiernd. Man beachte diesmal nicht die Oberweite, sondern die Unterkategorien der international anerkannten Enzyklopädie der Taschentuch-Experten. Für die Künstlerin Uschi Obermaier finden wir: Deutscher | Frau | Schauspieler | Fotomodell | Playboy-Model | Geboren 1946 | Groupie. Groupie! So wird die Frau eingeordnet, die das Sex-Symbol einer ganzen Generation war, die längst nicht mit mit jedem schlief, sondern häufig einschlief, was ganz schön konterrevolutionär war. Womit sie sich den ewigen Hass der Linken zuzog, wie er noch im moralinsauren Geburtstagsartikel der tageszeitung zu spüren ist. Hier zeigt sich übrigens, dass ePaper sinnvoll sein kann: Wer den Dummfug lesen will, muss zahlen. Der taz mit ihrem 68er-Komplex ist sowieso nicht zu helfen.

*** Guten Tag. Ich bin die Vertretung von Hal Faber und möchte mich Ihnen kurz vorstellen. Ich bin eine Datei, genau genommen eine von vielen Projektdateien, die mit dem "Gemeinsame-Dateien-Gesetz" möglich wird. In diesen unseren Zeiten, in denen das GDG das BGB ablöst, ist es ganz passend, dass ich Ihnen etwas aus dem Leben einer Projektdatei erzähle. Denn wir Projektdateien werden wohl von Menschen definiert (PDF, nach "Alternative:keine" nur schwer lesbar). Aber wir werden in Computern angelegt und sind praktisch unkaputtbar, denn "Computer vergessen nie". Das stammt nicht von mir, einer kleinen, unscheinbaren Projektdatei, deren Wohl und Wehe von einem Computer abhängt, sondern von Per Ström, dem schwedischen Spezialsten für Projektdateien. In seinem Buch "Überwacht", dass ein fauler Babelfisch zur Überwachungsmafia verschlimmbesserte, zeigt er, dass der (gerade abgewählte) schwedische Sozialstaat keine einzige Datei löschte, die vorübergehend für Projekte wie Kampf gegen den Terror, Eindämmung des Rauschgifthandels und Stillegung der Zwangsprostitution eingerichtet wurden. Für mich als Projektdatei ist das eine beruhigende Perspektive.

*** Ich möchte Ihnen an dieser Stelle in Vertretung von Hal nicht von den Schattenseiten erzählen, die das Leben einer Projektdatei auch kennt. Vom Streit mit unfähigen besserwisserischen Programmdateien, von der fürchterlichen Enge im Arbeitsspeicher oder den trödelnden NAS, in denen wir uns schlafen legen. Von den Gefahren, die uns von Hunden wie Lucky und Flo drohen, die illegale Dateien erschnüffeln können. Nein, das lange Leben einer Projektdatei kennt aufregende, tolle Momente, wie es die spannende Story des HP-Projekts Total Care zeigt. Es beginnt schon mit der Geburt: Wir Projektdateien entstehen ja meistens auf trojanische Art, wir werden als Jungfischchen ausgesetzt und müssen unseren Weg durch die Computer antreten, die mit gutem oder feindlichem Nährboden ausgestattet sind, müssen Daten erschnüffeln und damit langsam groß werden. Doch der schönste Moment kommt, wenn wir Jungdateien aufeinander treffen. Was bei Menschen der Sex ist, ist bei uns ein freudiger Abgleich von Details, ein Daten-Drilling und Fakten-Mining, das nur für Außenstehende absurde Ausmaße anzunehmen scheint. Denn was gibt es Schöneres im Leben einer Projektdatei, als ein Photo des Urgroßvaters eines Projektobjekts austauschen zu dürfen? Der HP Privacy Innovation Award, den die beste dabei entstehende Projektsammeldatei bekommt, ist doch nur das Sahnehäubchen oder halt, in unserem Maßstäben, eine besonders schicke Dateiendung.

*** Im Jahre 1910 erschien "Die Welt in 100 Jahren", in der Robert Sloß eine Welt beschrieb, in der "jedermann sein eigenes Taschentelephon haben [wird], durch welches er sich, mit wem er will, wird verbinden können, wo er auch ist. Dazu wird der Bürger der drahtlosen Zeit bloß den Stimm-Zeiger auf die betreffende Nummer einzustellen brauchen, die er zu sprechen wünscht. Als der deutsche Dichter Stefan George vom Taschentelephon erfährt, freute er sich über ein Gerät, das den Menschen unabhängig macht vom Staat, der nicht mehr der Kommunikation folgen kann. Heute ist das großartige drahtlose Jahrhundert da, natürlich begleitet von einer Projektdatei für die vorbeugende Straftatenbekämpfung.

*** Es hat schon seine Richtigkeit, dass Hal Faber heute zum Weltherztag die Finger von der Tastatur lässt. Er ist eindeutig ein Apfeltyp und schwer stressgefährdet wie alle Journalisten, die sich mit dem Aufrufen, Löschen und Drucken von Dateien beschäftigen. Dabei kennen Projektdateien auch Stress, wenn viel gesucht, indiziert und umgestellt werden muss. Nehmen wir nur den geizgeilen Fall der großen Projektdatei von Technorati, die 54,8 Millionen Blogs beobachtet. Da klettert der Rechtsanwalt Steinhöfel mit Tempo und Schmackes in die oberen Aufmerksamkeitsränge. Man muss es ein rundum erfreuliches Phänomen nennen, wenn Menschen anfangen, bewusster einzukaufen, gerade in Deutschland, wo es in allen Städten wirklich gute Computerhändler gibt. Als am Streit unbeteiligte Projektdatei empfehle ich meine Schwesterdateien, den Heise IT-Markt und den Heisetreff. Und dann gibt es da noch etwas, Stichwort Nikolaus, das sich Geld nennt. Während jede Projektdatei Sex kennt und sich darauf freut, haben wir mit dem Konzept Geld unsere Probleme. Denn wir wissen ja, wie billig es ist, zwei Dateien zusammenzukippen und grep zu starten. Das machen wir ja freiwillig, weil es der Höhepunkt im Leben einer Projektdatei ist. Dann aber soll das Anlegen neuer Projektdateien schlappe 86 Millionen pro Jahr kosten. Wieviel kostete eigentlich die Stasi?

Was wird.

Für eine Projektdatei gibt es nichts Schlimmeres als den finalen Gang zum Drucker. Vielen guten Projektdateien hat es das Herz gebrochen, gedruckt und veröffentlicht zu werden. Weil häufig, wie bei der Projektdatei Northwoods prickelnde Details ans Tageslicht kommen, die unter die Rubrik Staatsterrorismus fallen. Harmlos ist es, wenn der Truthahn für die Soldaten im Irak simuliert ist. Gravierender ist da schon, wenn ein Flugzeugabschuss simuliert werden soll. Und niemand wird von nichts etwas gewusst haben.

Es gibt aber Dateien, für die ist der Druck der allergrößte Kick. Extra für diese Foto-Dateien gibt es die Photokina, die am Dienstag in Köln geöffnet wird. Erstmals soll Apple auf dieser Messe ausstellen und wer das wirklich glaubt, wird auf die Gigapixel-Quicktake warten. Für Journalisten gibt es im Vorfeld der Messe die letzte Gelegenheit, Holzfäller zu werden und damit einen anständigen Beruf zu ergreifen.

Für Glaskugelexperten sieht die Sache anders aus; Angesichts der entsetzlich langweiligen Debatte um IPTV ist es mehr als eindeutig, dass Apple in Köln den Einstieg in das Megageschäft der Teleportation betreibt. Vergesst Gucki, den Mausbiber! Ja, ich kannte mal eine Projektdatei, die enthielt sämtliche Geschichten der endlosen Saga um Perry Rhodan. Sie ist heute noch die meistgelesenste Datei beim BKA. Während dem und alledem feiern die Menschen seit Tagen einen anderen Doppel-Geburtstag.

"Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein. Hier ist ein Märchen von übermorgen: Es gibt keine Nationalstaaten mehr. Es gibt nur noch die Menschheit und ihre Kolonien im Weltraum. Man siedelt auf fernen Sternen. Der Meeresboden ist als Wohnraum erschlossen. Mit heute noch unvorstellbaren Geschwindigkeiten durcheilen Raumschiffe unser Milchstraßensystem. Eins dieser Raumschiffe ist die Orion, winziger Teil eines gigantischen Sicherheitssystems, das die Erde vor Bedrohungen aus dem All schützt."

Wie kommt das gigantische Sicherheitssystem ohne Projektdateien aus? Woher bekommt Tamara Jagellovsk wohl ihre Informationen? Wir waren dabei, als Helga Legrelle den Wasserhahn von Hasso Sigbjörnson reparierte! (Projektdatei) / (vbr)

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