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Was war. Was wird.

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Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Diese kleine Wochenschau, wurde bemängelt, berichtet zu wenig über Computer. Das liegt daran, dass Computer rätselhafte Wesen sind. Auf der einen Seite federleichte Notebooks, auf der anderen Seite doch so schwere Brocken, dass der Dienstwagen unseres niedersächsischen Umweltministers Hans-Heinrich Sander 329 PS hat und das mit dem "rollenden Büro" begründet wird, das im Dienstwagen verbaut ist. Vielleicht ist ja das Faxgerät aus Beton gegossen, damit sich unser Umweltminister mit der nötigen Bodenhaftung durch die norddeutsche Tiefebene bewegen kann, wenn er die Umweltnadel verteilt. Außerdem, das darf man doch als Pluspunkt vermerken, wird das rollende Büro unseres Ministers von einem Dieselmotor angetrieben, für den ein anderer Umweltminister, Siggy "Pop" Gabriel, im fernen Brasilien das nötige Stöffchen besorgt hat. Machen wir den Regenwald zu einem Wald, in dem tausend Sonnen lachen.

*** Nun sind nicht nur rollende Büros verdammt schwer, auch rollender Atommüll ist nicht mit der Draisine zu bewegen. Damit trotz erhöhter Strahlenwerte solcher Dreck durch unser Land gekarrt werden kann, gibt es neue Transportbehälter, deren Crashverhalten von starken Computern durchgerechnet wird. Dummerweise hat die Gesellschaft für Nuklear-Service die Computer mit "frei gewählten" Parametern rechnen lassen, auf dass die Behälter immer sicher sind. Was zählt ist das, was hinten rauskommt, so der Wahlspruch der Parameterdreher.

*** Was macht man eigentlich, wenn hinten nichts rauskommt, weil ein Computer streikt? Dann veröffentlicht man einen Monatsbericht mit dem Hinweis, dass die Zahlen eigentlich viel, viel besser sind. Nur war da diese doofe rechnende Netzwerkkomponente, die Datentrübung betrieb. Uns gehts ja Gold: 4,89 Millionen Menschen arbeiten mit geringfügiger Entlohnung und brauchen "Stütze", weitere 2,15 Millionen haben Nebenjobs, damit sie überhaupt über die Runden kommen. So sehen deutsche Erfolge aus, zwischen Sybilla und Verpyssdich: 2005 war Hartz IV gerade angelaufen und es gab 7.977.502 Leistungsberechtigte. Heute sind es 8.027.980 und statt der Sirenenklänge eines Clement darf man dem SPD-Mann Sarrazin lauschen, gegenüber dem besagter Clement ein Sensibelchen ist. Wenn jetzt nur noch die Computer ein bisschen geschickter ausfallen können, ist alles in Butter, für 4,25 Euro am Tag.

*** Im Frankfurter Börsenviertel, wo Makler mindestens 4,25 in der Minute verdienen, ließ die Deutsche Bank die Brötchentüten der Bäckereien mit putziger Werbung bedrucken: Investieren in die Explosion der Nahrungsmittelpreise ist eine echte Leistung, die Leiden schafft, ganz im Sinne der Ackermännchen und ihrer Brandstifter. Georg von Siemens, der Gründungsdirektor dieser Bank, wird sich freuen, wenn er hört, wie seine Nachfolger an dem Plan tüfteln, weitere Geschäftsbereiche von Siemens zu verkaufen und den Rest an General Electrics zu verramschen – natürlich ohne die Holding, in der das Geld aus den Verkäufen steckt. Von der Mafia unterscheidet sich die durch und durch korrupte Siemens-Familie, dass sie einstmals innovative Sachen erfand oder schnellstens adaptierte. Gerade in der norddeutschen Tiefebene muss man an Peter Reichertz erinnern, dessen elektronisches Krankenhaus komplett mit einer Gesundheitsakte unter dem Namen Soarian vermarktet wird. Durch und durch komplett mit einem zurückgetretenen Siemens-Vorstand, versteht sich.

*** In der norddeutschen Tiefebene zu Oldenburg findet sich ein großes Stück Stacheldraht und die Inschrift: "Wissenschaft und Technik waren nicht in erster Linie da zu helfen. Sie schufen Werkzeuge der Vernichtung, Werkzeuge gräßlichsten Mordes. Wir müssen die Wissenschaft wieder menschlich machen." Ein Satz, den Carl von Ossietzky geschrieben hat. Ossietzky starb heute vor 70 Jahren, starb just zu der Zeit, als Konrad Zuse die Z1 fertig stellte – die freilich kein Werkzeug der Vernichtung wurde. Zu Tode gebracht von den Nationalsozialisten, hatte der Präsident der Internationalen Liga für Menschenrechte zuvor mehrere Angebote ausgeschlagen, ihn ins rettende Ausland zu bringen, etwa zur Verleihung des Friedens-Nobelpreises. Viele verstanden es nicht, genau wie viele es nicht verstehen können, dass die Bloggerin Yoani Sánchez zurück nach Kuba ging, die in der nächsten Woche den Premio Ortega y Gasset entgegennimmt. Bleibt nur der Hinweis auf den bedenklichen Stand der Pressefreiheit in der Welt, die mitunter zwei mal drei Meter groß ist.

Was wird.

Besonders bedenklich ist die Lage der Presse in China, weshalb die Proteste verdecken, dass neben der geforderten Religionsfreiheit für Tibet noch andere Dinge im Argen liegen. Es sind Dinge, die Spochtminister Schäuble in China offen angesprochen hat, während seine Kabinetts-Kollegin Justizministerin Zypries bei uns Bilder entfernen ließ, weil Presse auch hier nicht einfach so einen Lausch-Schäuble zeichnen darf. Wo kämen wir denn da hin? Während die beiden wichtigsten Protagonisten für die Verbreitung von "Bundestrojanern" beschäftigt waren, hat die CDU die nächste Welle vorbereitet, die demnächst für Diskussionen sorgen wird. Ein nationaler Sicherheitsrat muss her, mit Vollmachten wie die Homeland Security der USA, gekoppelt mit militärischen Befugnissen, um der zunehmenden terroristischen Bedrohung Herr zu werden. Wenn schon für den tapferen BND das Controlling gefordert wird, dass ein freier Schily sich niemals bieten lässt, muss ein neues Gebilde her. Eine GSG 9 in Nadelstreifen, immer bereit für den ultimativen Flugzeugabschussbefehl. Doch wo die CDU-Rambos ihren Schatten werfen, ist auch Licht: "Man kann verfahrensrechtliche und organisatorische Sicherungen einbauen. Aber dass man den Ausnahmefall rechtlich bis ins Einzelne vorklären kann, diese Vorstellung halte ich für naiv."

Das Ansehen Österreichs ist gerade im Keller, komplett mit albernen Fragen, warum die Nachbarn, die Kirche und die Schule versagt haben. Die Würde der Opfer? Geschenkt, geschenkt. Nun muss Österreich, das Heimatland des SOS-Dorfes um seinen Ruf bangen. Dabei hat die Fußball-EM noch gar nicht angefangen.

Die Einschläge kommen näher. Keine Woche vergeht, ohne dass angehende Rentner gequirlten Unsinn über ihre Zeit als 68er zum Besten geben. Natürlich änderte sich die Bundesrepublik und in manchen Dingen trotz der brüderlichen Hilfe in Prag auch der Ostblock. Die 68er-Nabelschau wird noch zum Nabelbruch führen, mit all den griesgrämigen alten Leuten, die ihr 68 vollkommen überschätzen. Die Verhältnisse zum Tanzen brachten auch andere, wie Desomd Dekker und sein 68er-Hit Israelites: Auch die schwarzen Kinder Gottes sind in ein Babylon geschickt worden, sind Israelites. Vergessen sei nicht das jemenitische Lied von Ofra Haza, mit dem die Weltmusik begann, 10 Jahre später. Jau, es war eine geile Idee, die Welt zu verändern ... auch wenn man keinen Plan hat. Oh Yeah!

Eigentlich müssten jetzt die besten Witze über die 68er hierher, doch das wäre unfair, im Licht der abgelaufenen Woche, in der, überschattet von einem mächtigen Stamm, dem Chef einer Firma, die offenbar auf keinen grünen Zweig kommt, das letzte Urteil gebührt: "We're looking forward to our day in court." Soweit mir bekannt ist, hat in der IT nur Steve Jobs bestätigt, dass er sich als 68er versteht, mit allen Konsequenzen. Nach dem Abgang von Bill Gates und Christoph Witte ist Jobs zusammen mit Michael Dell der dienstälteste Dotcom-Cheffe. Wird es also Zeit, dass Apple Adobe übernimmt, während Microsoft endlich Yahoo einsackt? (Hal Faber) / (jk)