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Was war. Was wird.

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Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

[l] Tja Leute, so schnell geht das. Keine Kolumne mehr. Excited Delirium ist doch was.

[l] Da muss man glatt froh sein, dass dieser Besancenot noch lebt. Zu den Beschuldigten gehören vier aktive Polizisten, die wieder freigelassen wurden. (Danke, Sarkozy)

[l] Beim Tasern ist alles ein Frage der Ehre. Da sieht man mal, wie heutzutage bei der Polizei Entscheidungen getroffen werden. Der Werbetrailer zum Zierckonator.

[l] Das kam für Hal wohl zu spät: Stayin' Alive hilft bei Muffensausen. Dabei ist der Song echt Scheiße.

[l] Sagte ich doch! Und zum Travolta sag ich nichts, der ist ja falsch abgebogen. BWAHAHA

[l] Wenn man schon den Löffel abgeben muss, sollte die IP-Nummer stimmen. Und was sehen wir? Eine Hollywood-IP, wie der Telefoncode 555! (Danke, Wurstsuppe)

[l] Wie geil ist das denn? "Hey, Doc, ich will aber nicht eingesegnet werden." Allerdings gibt es noch atmosphärische Probleme: Um die elektronischen Patientenakten zu aktivieren, sind eine Ab- und eine Seitwärtsbewegung mit dem Handschuh erforderlich. "Nicht alle Patienten", sagt Lawo, "mögen dieses Zeichen an ihrem Bett." Jawol, Lawo, alter Laptop auf zwei Beinen.

[l] Wo ich gerade bei den Toten bin: Können wir eigentlich Tron aussegnen? Er verschwand vor 10 Jahren. Der Mann ist tot, lasst ihn endlich in Ruhe.

[l] Dann haben wir noch die Getaserten und die Untoten, die Zombies. da kann es auch ganz schnell gehen und Sarah Palin sitzt im Weißen Haus, komplett mit klickbunter Lernsoftware und Klempner Joe.

[l] Besser, man hat immer seine Gesundheitsdaten dabei, auf USB-Stick und verschlüsselt. Das ist todsicher wie die geheim gehaltenen Ergebnisse aus dem Feldtest. Wollt ihr meine Sicherheits-Maxime wissen? Nein? Echt schade, denn der Weg zur Hölle ist mit verdammt vielen guten Vorsätzen gepflastert. Seit Shakespeare.

[l] Dr. Freud, Dr. Freud, bitte in den Bundestag-OP zum Geistwegkratzen. Freud war der Doc, der mal behauptet hatte, dass man keine Witze macht, sondern dass sie sich ereignen. Da gab es diese Woche diesen Parlamentspräsidenten Lammert, der die Schrift-Geeks und -Grls anwies, mit der Auszahlung zu beginnen. Hahahahaha, lacht da der Ackermann

[l] Hey, es gibt noch aufrecht gehende Leute, die Ackermann verhaften würden. Denen fehlt nichts, die sagen, was Sache ist.

[l] Crisis! What Crisis?

[l] Le Crise de subprimes? O lala, messieurs....

*** Ähem. Räusper. An dieser Stelle muss die von WWWW-Lesern gewünschte Mitarbeit von Fefe an dieser kleinen Wochenschau enden. Ein Meeting beendet das kleine Spässeken und es ist nicht einmal ein völlig sinnloses, denn die Vortragsauswahl für den 25C3 steht an. 25 Jahre, da war doch was? Egal. Wer weiter lesen will wird natürlich längst wissen, wo es weitergeht, komplett mit ein paar Antworten.

*** Der Gegensatz von Bloggern und Journalisten ist einer der dümmsten Theorien, die derzeit durch das Internet geistern. Ich sehe da ein großes, schönes Kontinuum, in dem freilich auch ein paar Kackbratzen schwimmen, von der Standesgewerkschaft hofiert und an den Eierchen gekrault. (Ups, Fefe färbt ab.) Sie bilden sich ein, dass "Online-Journalismus" etwas ganz besonderes ist. Dabei ist schon der Journalismus etwas, das frei nach Ludwig Börne in drei Tagen gelernt werden kann. Und für die Blogger gilt da genau das, was Jean-Paul Sartre in "Was kann Literatur?" für die Literatur formuliert hat. Passend zur laufenden Buchmessenplörre ist es auch noch:

Wir, die Berufsschriftsteller, behaupten, wir hätten ein Mandat, und die Leute lassen uns gewähren – da sie nicht selber schreiben. Wir präsentieren uns als Erwählte. Aber das ist eine Lüge. Mit den Auflagen verfestigt die Presse die Täuschung: Sie verwandelt jedes verkaufte Buch in eine Wahlstimme. In Wirklichkeit liest man, weil man schreiben will. Lesen ist jedenfalls immer ein wenig neu schreiben ... Jeder will schreiben, weil jeder Bedeutungen schaffen will, bezeichnen will, was er empfindet. Sonst geht alles zu schnell, man klebt mit der Nase an der Erde wie ein Schwein, das man zwingt, Trüffeln auszugraben, es gibt nichts.

*** Eine platte, schmutzige Lüge für alle, die noch ein Herz für Schweine mit Flügeln haben. An dieser Stelle kommt, die Marxisten unter den Lesern kennen das einschlägige Ritual, die Selbstkritik. Hatte ich bislang keine Hemmungen, Blogger und Journalisten zusammen zu sehen, zog ich immer klare Linien zu den PR-Flaks am anderen Ufer. Nach dieser scharfen Rüge des deutschen PR-Rates gilt es, Abbitte zu leisten, zumindest bei dem Herrn Merten. Denn natürlich gibt es in der Gesellschaft die Lizenz zu täuschen, weil jedwede Kommunikation Wirklichkeit erzeugt. Auch Tanja und Anja möchten nicht an der Erde kleben, sondern einestages fliegen können, wie ein Schwein.

*** Was herauskommt, wenn man sich auf Seiten der PR-Flaks für Höheres berufen fühlt, darf freilich auch nicht verschwiegen werden: Da firmiert ein Microsoft-Pressesprecher gleich als Professor, weil er an der Fachhochschule eines Alt-68ers (und Konkurrenten des Herrn Merten) tätig ist, für die Microsoft das Finanzierungsmodell für Studenten entwickelt hat. Garbage in, Garbage out, nennen es die Informatiker. Und die Journalisten werden derweil mit einem "Presse-Audit" von Microsoft und dieser Fachhochschule genervt, das nach Frage 29 abbricht, wenn man den falschen Browser hat.

Was wird.

Ich kenne durchaus verständige Menschen, die fest daran glauben, dass es Bielefeld gibt. Seltsamerweise glauben das auch die Mimosen von Google Streetmap, denn sie lassen derzeit ihre Wagen durch Oetkershausen rollen. Ob sie sich in die Außenbezirke trauen und die Serpentinen zum ZIF hochfahren und den superschicken Maserati des ZIF-Direktors knipsen, weiß ich nicht. Am Montag feiert man dort den 40. Jahrestag eines Gebäudes, das heftige Kämpfe von Forschern gesehen hat. Sind Begriffe wirklich Teil der Geschichte oder nur eine Repräsentation der Geschichte, das war wohl die größte Schlacht, die je am ZIF in Bielefeld geschlagen wurde. Zum Jubiläum gibt man sich bescheiden: Luc Steels referiert öffentlich über die Frage, ob wir von Robotern etwas über die Entstehung der menschlichen Sprache lernen können.

Bleiben wir in der Universität, denn DAS gab es noch nie. In dieser Woche werden erstmals Miss & Mister Campus von einer Jury voller Schönheitschirugen gewählt. Das ganze ist eine Aktion von Uniturm, der ach so seriösen Alternative zu StudiVZ, getragen von einem Herrn Schambach, der einstmals Intershop gründete. Wie schön, dass die Bobos in Zeiten der Krise zurück kommen nach Hyperboreia.

Womit wir wieder in Bielefeld sind, in den sanften Hügeln des Teutoburger Waldes. Hier wird parallel zu MissTer Campus wieder einmal der Big Brother Award vergeben, eine Auszeichnung für Datenkraken. Sie lebt von der Spannung, ob sich die Preisträger trauen, in einem Gebäude aufzutauchen, das tatsächlich einmal eine Spinnerei gewesen ist. Bislang hat eine einzige Firma den Mumm aufgebracht, zur Ehrung zu erscheinen und es hat ihr nicht geschadet: Microsoft.

Rekapituliert man die Geschichten des vergangenen Jahres, so dürfte Team Telekom sicher unter den Gewinnern eines Big Brother Awards sein. Aber kann dieser Konzern über seinen eigenen Schatten springen und in Bielefeld erscheinen? Das konnte nur Bob Beamon, heute vor 40 Jahren in Mexiko. Ganz ohne Doping, sagt man übrigens. Als leidenschaftlicher Radwanderer, der dieses Manuskript noch zu einem dunklen Parkplatz radeln muss, darum ein letztes was war und nie wieder sein wird. Denn Klimmt hat recht, der Untergang hat einen Namen: Scharping. (Hal Faber) / (jk)

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