Menü
4W

Was war. Was wird.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 74 Beiträge

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Es gibt Scherze, die rotten nicht. Sie kommen wieder und wieder, selbst auf die Gefahr hin, dass Börsen ins Taumeln geraten und einen eindrücklichen Beweis davon geben, in welchen Welten Börsianer leben. Nein, Bill Gates ist nicht tot, nur erschossen. Ärmer als Bill sind nur die Witzbolde in Sturgis, Michigan, dran, die All your base are belong to us zum 1. April plakatierten, freilich mit dem weniger bekannten Zusatz, You have no chance to survive make your time.

*** Der globale Ententag ist eine Prüfung aller Netz-Redaktionen, die schnell den größten Unsinn von jener Nachricht trennen müssen, die hart auf die Kante genäht wurde. Die stutzen, wenn von ehrlichen Dieben und nackten Russinnen die Rede ist. Die den immer wieder erstaunlichen Beweisen für das menschliche Genie Tribut zollen müssen, auch wenn sich hier und da der leise Verdacht einschleicht, dass die Menschheit kein Floppy-RAID braucht. Auch wenn es der Promotion der großen Hückelhover Band Riviera gewidmet ist. Wo Floppies doch höchstens von Enterprise-Fans gebraucht werden.

*** Doch nicht nur für Redakteure ist es schwierig, zu entscheiden, was als Aprilscherz zur Junk-Mail gehört und was das berühmte Körnchen Salz besitzt. Nehmen wir nur die Zerstörung des legendären Startflughafens von Microsofts Flugsimulator, der nicht länger Trainingsareal für angehende Terroristen sein soll. Oder das, jawoll, das Handy, das seinen Geburtstag feiern konnte. Das in Zukunft als Knopf hinter dem Ohr sitzt und dank Nervenscanner wählt, wenn man nur an einen Menschen denkt. Auch die Kremvax begann als Aprilscherz.

*** Im Rückblick auf die Woche muss ich ein Kompliment an die Leser machen, die in der Ergänzung der allfälligen Hitliste weitere Vorschläge ins Forum stellten und damit ebenfalls bewiesen, dass man gute Musik hören kann, ohne den Schwachsinn a la mode du jour ertragen zu müssen, den die jammernde Musikindustrie auskübelt. So kann man alt werden, trotz aller Abschiede: In Nottingham starb Agent 00 Soul Edwin Starr im Alter von 61 Jahren, Schöpfer eines der besten Lieder gegen den Krieg. Zu Unrecht wird der Song Bruce Springsteen zugeschlagen, das hat ungefähr die Qualität, mit der Madonna die peinliche Hudelei an ihren Präsidenten als Protest verkauft. Da ist John Lennon schon ehrlicher.

*** Da sind wir wieder bei dem Krieg, in dem die USA ihre Munition von 1992 entsorgt. In dem die GPS-Navigation heil blieb, das Bild der USA jedoch zerstört wurde. Es ist aus der Sicht der USA ein schöner Krieg, ohne abgerissene Glieder, mit einem gar prächtigen Pressezentrum, das ein anerkannter Set-Designer für eine Million Dollar entworfen hat, mit einem goldfarbenen Hauptquartier und gut gemischter Interessenslage. Die verschiebt sich in Kriegszeiten allzu oft, ebenso wie die moralischen Maßstäbe. Was allerdings jenseits aller beschädigter USA-Bilder merkwürdige Effekte zeigt; so bringt die sozialdemokratisch/grüne Mittelschicht ungeahnte neue Wertvorstellungen hervor. Ein Friedensbewegter, der am Rande einer Berliner Demo vor interessierten TV-Reportern dem blutigen Despoten Saddam Hussein den Sieg wenn auch nicht im Volks-, so doch im Irakkrieg wünscht, darf sich anscheinend im Einklang mit dem gesellschaftlichen Mainstream unter einer Schröder/Fischer-Regierung wähnen. In Zeiten der ideologischen Verblendung hatte die Vernunft es schon immer schwer; verschärfte politische Korrektheit gepaart mit wohlfeilem Antiamerikanismus auf der einen und christliches Gotteskriegertum gepaart mit urkapitalistischer Verwegenheit auf der anderen Seite tun jedoch ihr übriges. Bleibt angesichts des Zwistes zwischen sich zu Tode siegendem Kapitalismus und moralisch den schnellen Abgang probender linksliberaler Gesellschaft nur, langsam zu tanzen?

*** Zu dumm, dass manche Leute in diesen wechselnden Interessenlagen auch alle Vorurteile brav bedienen. Man nehme nur den Fall jenes Abgeordneten, der als Gründer im Vorstand einer Firma sitzt, die für den amerikanischen Mobilfunk-Markt ein GPS-System entwickelte. Wie heißt es so schön: "Der Mensch, der Mensch ist ein Egoist, der nach eigenem Vorteil strebt." Krasser formulierte das Thomas Hobbes, der gestern seinen 415. Geburtstag feierte: Der Mensch ist eine Bestie, die sich im Naturzustand nur im Krieg aller gegen alle wohlfühlt. Hobbes setzte auf den starken Staat, der in der deutsche Variante heute vor 86 Jahren schließlich auch von den USA bekämpft wurde. So bleibt im Rückblick dieser Woche festzuhalten, dass es in dieser kriegsbegeisterten Branche auch Stimmen gegeben hat, die den sauberen Computerkrieg bezweifelten und die Meinungsfreiheit verteidigten. Das sollte insbesondere jenen Fans der freien Bloggerwelten zu denken geben, die nicht bemerken wollen, dass sich eine Kultur der Gehirnwäsche breit macht, die als Googlewashing verharmlost wird.

Was wird.

Es ist möglich, dass das Fort-Da-Spiel von Saddam Hussein bald beendet ist und die Welt den Leuchtturm bewundert, der da im Irak errichtet wird. Doch Fort-Da-Spiele gibt es viele auf dieser Welt, die unvermindert Leid erzeugen. Das gilt nicht nur für Erfurt: Am 11. April ist in Nordkorea Festtag, weil vor 30 Jahren das monumentale Werk "Über die Kunst des Films" des großen Führers Kim Jong Il erschien, das mit einer großen Briefmarkenserie gefeiert wird. Feiern darf, wer möchte, auch schon einmal den ersten Smiley, der angeblich am 12. April 1973 verschickt wurde, doch ist das Datum umstrittener als das unsterbliche Werk über den Film.

Wer am Ende feiert, ist noch ungewiss: 120 Teams aus elf Ländern, mithin über 600 Spieler versammeln sich in der nächsten Woche in Paderborn, um den German Open Robocup zu gewinnen. Da zersägen und rempeln sich putzige Maschinen, als ob es mitten im Irak wäre.

Ein anderes Datum liegt etwas entfernt, doch kommt es mit den Erinnerungen aufs Tapet, wenn Sony den Namen Altair ausschlachtet, als sei es ein demolierter Robocoupler. Da mag es erfreulich stimmen, dass solches nicht mit dem IMSAI passieren kann, der in Kürze wieder verkauft werden soll. Immerhin der Computer, mit dem die Wargames filmreif wurden. Passend zum Aufruf der kritischen Informatiker sei darum daran erinnert, dass Computer auch friedlichen Zwecken dienen können, wie es der Einsatz des C64 in der Landwirtschaft zeigt. Rechner zu Pflugscharen! (Hal Faber) / (jk)

Anzeige
Anzeige