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Was war. Was wird. Die etwas heißere zweite Rätselnacht.

Während die Bundeskanzlerin mit der Lizenz zum Nullsprech dem Souverän ein eigenes Sommerrätsel aufgibt, hat auch Hal Faber in der zweiten Runde wieder Fragen über Fragen.

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Von
  • Hal Faber

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich. Und dieses Mal mit dem zweiten Teil des alljährlichen Sommerrätsels.

Was war.

*** Glaubt man der gelernten Physikerin und jetzigen Bundeskanzlerin Angela Merkel, so ist die Erde eine Scheibe. Zumindest ist diese Aussage stimmiger als die hilflose Reihung von Floskeln, die Merkel dieser Tage der interessierten Öffentlichkeit präsentiert. Man mag sich gar nicht ausmalen, was passieren würde, wenn Angela Merkel Kassiererin in einem Supermarkt wäre. Doch stopp, keine Angst, sie ist nur Bundeskanzlerin mit der Lizenz zum Nullsprech. In dieser Rolle stellt sie souverän die Nullkompetenz ihrer Regierung da, die in Konkurrenz zu dieser kleinen Wochenschau ein eigenes Sommerrätsel veranstaltet. Mit durchaus kniffligen Fragen: Gibt es zwei, drei oder gar viele Prisms oder handelt es sich um ein und dieselbe Killer-Applikation? Gab es fünf oder sieben geplante Terroranschläge, die in Deutschland Dank freundlicher Hinweise der NSA verhindert werden konnten? Und wer planschte im Pool der Dienste noch alles herum? Was hat die geheime Superkraft des imaginären Rechts auf Sicherheit noch zerdeppert? Ist die Verlogenheit der Politiker gar eine demokratische Grundtugend in diesem unseren Taka-Tuka-Land? Fragen über Fragen und täglich kommen neue Details für neue Fragen hinzu.

*** Gegen diese wichtigen Fragen hat unser kleines Sommerrätsel keine Chance, die Massen anzulocken. Aber der ein oder andere Leser dürfte unverdrossen auf die Lösungssuche der Fragen machen, die sich überwiegend mit der Hardware beschäftigen, die beim Verschlüsseln und Entschlüsseln eingesetzt wird.

Frage 1: Die Erde ist eine Scheibe? Welches Verschlüsselungssystem ist hier zu sehen?

Frage 2: Das ist eine Art Scheibe. Sie half bei welchem Verschlüsselungssystem?

*** Mit historischen Vergleichen ist das so eine Sache. In der Mehrzahl der Fälle sind sie schief, hinken oder sind schlicht falsch, ganz gleich ob der Biedermeier ohne den Vormärz genommen wird oder die Stasi. Ja, sie konnte in ihrer besten Zeit nur 40 Leute simultan abhören, aber das war der Stand der Technik. Natürlich setzte auch die Stasi Computer ein und scheute keine Kosten, sich deutsche Wertarbeit von Siemens für ihre Golem-Datenbank im SIRA-System anzuschaffen, obwohl man damals schon einen Whistleblower wie Edward Snowdon befürchtete. So erklärte Stasi-Chef Erich Mielke, wie verletzlich das System ist: "Die Sache ist nämlich so: wenn wir erst anfangen mit dem Komputer und wenn dann einer dran sitzt, Genossen, der alles herausdrücken kann, dann muß das schon ein treu ergebener Mensch sein, der muß - wir wollen hier nicht überheblich sein - noch besser sein als Markus Wolf, Heidenreich und ich vielleicht auch und mancher andere und Genosse Fruck. Das muß er!"

Überwachung und Kontrolle ist nicht nur eine Frage des technologischen Entwicklungsstandes. Dass die Endlösung der Judenfrage mit der NSA-Technologie eine Sache von ein paar Tagen gewesen wäre, wie in der Beckmann-Talkshow behauptet wurde, ist natürlich Unsinn. Gestorben wird noch immer analog, wobei die NSA natürlich auch ihre Leichen im Archiv hat.

Frage 3: Wie verschlüsselte Heinrich Heine im Biedermeier? Gesucht wird die Passphrase.

Frage 4: Gesucht wird ein NSA-Computer, der eine äußerst unangenehme Eigenschaft hatte.

*** Wo das Ausmaß der Überwachung diskutiert wird, ist die Frage des Datenschutzes nicht fern. Merkels Sidekick Hans-Peter Friedrich demonstrierte, wie wendig so ein "Bärchen" sein kann und schwadronierte von einer Meldepflicht beim Datenexport in Drittländer außerhalb der EU. Wie lange ist es her, dass Datenschützer Thilo Weichert so freundlich über einen Innenminister urteilte? Wobei der Datenschutz ganz unten anfangen muss, bei Polizisten, der bei einer Kontrolle mal eben die SMS-Nachrichten mitkontrolliert, ohne jegliche Befugnisse. Das gilt für ganz Europa, auch für die großbritischen Inseln.

Frage 5: Dieses Bild ziert eine Hardware älterer Bauart. Wie lautet der Buchtitel?

Frage 6: Noch ein Film über Assange? Wie telefonierte man bei Wikileaks?

*** Ulrich Beck, der Theoretiker der Risikogesellschaft, hat das Freiheitsrisiko neben dem Klimarisiko zu den wichtigsten Problemen des Jahrhunderts gezählt und die Veröffentlichung des Ausmaßes maschineller Überwachung durch Edward Snowden als Schockgeburt des digitalen Freiheitsrisikos bezeichnet: "Dass die Nation, die Freiheit als die Priorität ihres Selbstverständnisses in der ganzen Welt behauptet und auch wirklich auf sehr eindrucksvolle Weise dokumentiert hat, vor diesem digitalen Freiheitsrisiko kuscht. Ein Friedensnobelpreisträger jagt eine Person, die den Friedensnobelpreis wirklich verdient hätte. Gegen das digitale Freiheitsrisiko hilft nach Beck nur die Formulierung eines globalen Grundrechtes auf digitale Freiheit. Schlimm wäre es, wenn die Welt die Überwachung gleichgültig hinnehmen würde. Ebenso schlimm wäre nach Beck eine Digital-Guerilla im Stil von Anonymous. Sie würde einen zu einem riesengroßen Hickhack führen, der wiederum in nationalen Konflikten münden kann. Im Klartext: noch die nobelste Aktion der Hacker wird dankbar von den Staaten ausgenutzt, einen Cyberkrieg zu führen. Wenn die US-Marine einen neuen Bletchley Park errichten will und eine bekannte Kryptologin wie Dorothy Denning holt, um die Ethik des Cyberkrieges zu diskutieren, sehen wir die Arbeit an den Schnittstellen. Denning wurde mit ihrer positiven Einstellung zum Clipper-Chip der NSA bekannt.

Frage 7: Was fehlt in diesem Bild?

Frage 8: Es gibt angeblich einen Goldstandard der Internet-Überwachung. Der Name der Software stammt von einer Verschlüsselungshardware ab, die ein berühmter Agent benutzte. Wie heißt die Hardware?

Was wird.

Von wegen Kaiman am Baggersee, das Sommerloch ist weiterhin zubetoniert. Das gilt auch für die Politiker, die sich in Wahlkampfzeiten keine Pause gönnen und den amtierenden Verteidigungsminister in einem befragen wollen. Sie wollen wissen, ab wann de Maizière von den Zulassungsproblemen des EuroHawk wusste. Die Sache dürfte deshalb unangenehm werden, weil auch beim baugleichen GlobalHawk Probleme drohen. Fünf dieser Drohnen will die NATO bei ihrem neuen Boden-Überwachungsprogramm einsetzen. Ausgerechnet Italien beschwert sich nun, dass die Qualität der Dokumentation und die transparente Weitergabe von Informationen möglicherweise nicht ausreichen, um eine Luftverkehrszulassung zu erreichen. Mit einer umstrittenen Ausnahmegenehmigung sind derzeit US-amerikanische GlobalHawks in Sigonella stationiert. Auch die fünf NATO-Drohnen sollen von dort aus starten und über Nordafrika und Kleinasien aufklären. Gut möglich, dass auch diese Pläne sich in Schall und Rauch auflösen.

Frage 9: Welche fliegende Entschlüsselungsmaschine war selbst eine Chiffre?

Frage 10: Natürlich geht das Sommerrätsel weiter, das große in der Welt der Politik wie auch das kleine in der Wochenschau, wenn die Whetware im Mittelpunkt steht. Was NSA und FBI und BND und ihre Freundesbande so treiben, gehört zur post-caleanischen Welt, mit der wir leben und rechnen müssen. Gesucht wird ein Ort, wo genau dies diskutiert wird. (vbr)