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Was war. Was wird. Mit unktrolliertem Zucken über kontrollierte Zentren.

Lagerkoller allenthalben, und WM-Gejammer. Der normale Mensch fragt sich, ob alle irre geworden sind. Hal Faber mag die Hoffung auf Vernunft nicht aufgeben.

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Grenze, USA, Mauern, Stacheldraht

Wer lacht denn da über amerikanische Grenzmauern und Handelsabschottungen? Das bleibt dann wohl im Halse stecken, dieses Lachen.

(Bild: Silvia & Frank, gemeinfrei)

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

(Bild: lapping, gemeinfrei )

*** Das also war die Woche der großen Lösungen: Die Auflösung der deutschen Fußball-Nationalmannschaft irgendwo in Rußland und die "Erlösung im Morgengrauen" in Brüssel. So wurden wir erlöst von den Bösen und den Unbekannten und die Versuchung ist vorbei, den deutschen Fußball für den besten der Welt zu halten. Während "unsere Jungs" das Trainingslager hinter sich haben, die Welmeisterschaft schnellstens vergessen und sich über das Mittelmeer in die Ferien retten, werden für andere Menschen "kontrollierte Zentren" gebaut, in denen ihre Menschenrechte sorgsam untergepflügt werden. Immerhin sind es keine Konzentrationslager bzw. Concentration Camps, von denen die US-Öffentlichkeit 1939 erfuhr, sondern hoch offiziell nur controlled centres on EU territory, in countries that are willing to build them. CC statt KL, wie die KZ früher in der Nazi-Terminologie hießen. Die Achse der Willigen jubelt und baut und baut. Wer hat nochmal über die Mauern in Mexiko gelacht?

*** Europa im Lagerkoller, das ist eine eine etwas andere Idee vom europäischen Miteinander an den Küsten des Lichts. Mit Panik distanziert sich darum das Bundesministerium für Inneres, Bau und Heimat von der Kunstaktion Seebrücke des Bundes, die WM-gerecht einen Jungen mit seinem Fußball zeigt, ungefähr so, wie Alan Kurdi heute leben könnte, würde er leben. Die Aktion lief, während der Bundesinnenminister die Seenotretter der Lifeline und anderer Schiffe als gesetzeslose Piraten bezeichnete und vor üblen "Präzendenzfällen" warnte, die aus Seenot Geretteten an Land zu bringen. Die Achtung von Menschenrechten inklusive Artikel 14 ist eine hübsch abstrakte Sache und gilt natürlich nur dem "Menschen an sich". Konkret spricht man dann lieber von "operativen einhegenden Maßnahmen", wenn Asylverfahren in "kontrollierten Zentren" durchgeführt werden und das Menschenrecht auf Asyl zu einer herrschaftlich gewährten Gnade der EU-Staaten umgedreht wird. Es ist ein Leben in finsteren Zeiten. In denen mit Wolf Biermann wieder das Lied von der Ermutigung gesummt werden kann.

*** "Du, laß dich nicht verbrauchen" ... denn wir brauchen deine Heiterkeit, das wäre eine Strophe, die man Mesut Özil widmen kann. Was nach dieser vegurkten Weltmeisterschaft über das ehemalige Integratoinsmaskottchen von Kanzlerin Merkel geschrieben wurde, grenzt an Persönlichkeitsvernichtung. Özil Seite an Seite mit Sané, das wäre was gewesen (jawohl, jeder ist Bundestrainer). Aber Jogi Löw hatte ja das Ziel, Sepp Herberger als Grötaz zu übertrumpfen und stellte deshalb eine Gurkentruppe mit Fußgurken wie Khedira und Müller zusammen, die seinen Glanz verdoppelt hätten, hätte es da was zum Glänzen gegeben. So ist es an der Zeit, an Trainerstar Herberger und das Desaster von 1958 zu erinnern, als Deutschland in alter Frechheit neonazistische Tendenzen zu Schau stellte. Oder 1978 in Argentinien: Da besuchte keine Angela Merkel die Fußballer, sondern "Flieger-As" Hans-Ulrich Rudel wurde eingeflogen, um "La Mannschaft" zu begeistern. 1958 wurde im Hass gegen die Schweden gleich richtig blank gezogen – kleine Kostprobe von damals: "Das offizielle Schweden hat hämisch genießend zugelassen, dass rund 40.000 Repräsentanten dieses mittelmäßigen Volkes, das sich nie über nationale oder völkische Durchschnittsleistungen erhoben hat, den Hass über uns auskübelte, der nur aus Minderwertigkeitskomplexen kommt. Es ist der Hass eines Volkes, dem man das Schnapstrinken verbieten muss, weil es sonst zu einem Volk von maßlosen Säufern würde." So kommentierte man die Pfiffe nach dem Foul von Erich Juskowiak, der vom Platz gestellt wurde. Sehen wir das Positive: 2018 ist der deutsche Fan kein Arsch und akzeptiert das Aus, mit Ausnahme einiger unsäglicher Fußball-Experten.

*** Anderes Thema, immer wieder beliebt und belebend in dieser Wochenschau: Während seiner Zeit bei dem Bundesnachrichtendienst hat Wilfried Karl so manche Selektorenliste abgesegnet, die umfangreiche Abhöraktionen gestattete. Dies kam im NSA-Untersuchungsausschuss zur Sprache. Nun ist Karl Chef der ZITiS, der Zentralen Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich. Sie soll dem BKA die teure Entwicklungsarbeit von Bundestrojanern und Chat-Mitschneidern abnehmen. Auf dem nationalen Cybersicherheitsgipfel hatte Karl noch davon gesprochen, dass seine Behörde entgegen anderslautender Zeitungsmeldungen keine Probleme damit hat, die ersten 120 Posten von später einmal 400 Forensikern und Kryptologen zu besetzen. 60 Fachleute habe man schon unter Vertrag. Wie sich nun abzeichnet, sind damit leitende Stellen gemeint, die von Industrievertretern besetzt wurden. Nur der Leiter für digitale Forensik kommt von einer Universität, während der Leiter für Quellen-TKÜ und Bundestrojaner-Entwicklung von Rohde & Schwarz kommt, die Kryptoanalyse von einem T-Systems-Fachmann übernommen wird und der Bereich Big Data-Analyse von einem Siemens-Mitarbeiter betreut wird. Die Aufgabe der Fachleute: Aus der Industrie "Lösungen" kaufen, die zuvor auf ihre Tauglichkeit hin geprüft werden. Im Interview wird deutlich, dass ZITiS hier das BSI ersetzt, die Abteilung Abwehr und Analyse von Schadprogrammen, und gleichzeitig dem BKA zuarbeitet: "Es gibt durchaus seriöse Anbieter, mit denen die Sicherheitsbehörden schon seit Jahren im technischen Bereich gut zusammenarbeiten. Wir wollen außerdem mit Forschungseinrichtungen sprechen, um gemeinsame Projekte anzustoßen. Egal ob Eigenentwicklung oder eingekauftes Produkt: Wichtig ist, dass die Werkzeuge von uns genau überprüft werden. Macht das Produkt genau das, was es soll? Und macht es auch nur das, was gesetzlich erlaubt ist? Für diese Evaluation sind wir auch zuständig."[/i] Nicht länger soll diese Prüfung die Sache von Firmen wie TÜV Essen oder von CSC Deutschland sein. Anders gesagt: Man will unter sich bleiben, wenn Kriminelle oder Staatsgefährder belauscht werden.

*** Schön ist auch diese Passage des Herrn Karl: "Die Frage ist doch: Wie soll ein Polizist damit umgehen, dass er bestimmte Daten nicht mehr verarbeiten kann? Zum Beispiel, weil Chatnachrichten von Straftätern verschlüsselt sind. Die Alternative wäre doch: Man verbietet Verschlüsselungen. Man zwingt die Bürger, ihre Passwörter zu hinterlegen. Oder man baut Hintertüren in IT-Systeme ein. All das ist aber nicht Teil der deutschen Krypto-Politik." Rhetorisch nicht ungeschickt verbirgt Wilfried Karl den Wunsch nach einer anderen Krypto-Politik mit einer Runde Mitleid für den armen Polizisten, der bestimmte Daten nicht mehr verarbeiten kann, weil sie nicht für ihn bestimmt sind. Man nehme noch die jammernden polizeilichen Ausführungen zu den Mindestspeicherfristen und ihre Bedeutung für die Kriminalitätsbekämpfung hinzu und schon wird ein Appell draus. Oder ein Schuh. Oder ein Überwachungsstaat.

In den USA naht der 4. Juli, den US-Präsident Donald Trump sicher feiernd und golfend auf einem Trump-Platz verbringen wird. Asnchließend geht es ja nach Brüssel zum NATO-Gipfel und dann nach Helsinki zum Treffen mit Wladimir Putin. Ob Trump da ein nettes Wort für seinen Landsmann Edward Snowden einlegen wird? Immerhin bekannte der damals von Wikileaks betreute Snowden im Interview: "Ich hatte nie vor, hier zu sein." Mit einer anderen Idee, dem Abzug der US-Truppen aus Deutschland, dürfte Trump Freunde auf unverhoffter Seite finden, bei der Friedesnbewegung.

Schluss ist es dann mit dem Drohnenkrieg über die Relais-Station in Ramstein und den Atombomben in Büchel. Die zwei Milliarden Dollar Umzugsgeld, die Polen aktuell bietet, dürften bei weitem nicht ausreichen, das bisschen US-Präsenz in Deutschland weiter ziehen zu können. Aber Putin dürfte es freuen, wenn den USA dem Truppenbedarf dann entsprechende Kapazitäten an Flug- und Seehäfen fehlen. За футболистов! (jk)

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