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Was war. Was wird. Während Gewittern und Hitze etwas Internet-Geburtstage und des Sommerrätsels erster Teil.

Im Unterschied zur Raumfahrt wurden für die Erfindung des Internets keine Versuchstiere benötigt. Hal Faber hat dafür ein paar Rätselfragen auf Lager.

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Versuch macht klug. Manchmal ist danach alles besser. Und wir sind immer noch der Meinung, dass dies für das Internet gilt.

(Bild: PHOTOCREO Michal Bednarek / shutterstock.com)

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Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

*** Die Woche ist vorüber und hat viele interessante Details zur Mondlandung vor 50 Jahren im Newsticker gebracht, vom Start der Rakete bis zu den gescheiterten Plänen der Sowjetunion, das Wettrennen doch noch zu gewinnen. Die Erinnerung an eine USA im hemdsärmeligen Modus vor 50 Jahren, mit dem optimistischen "Wir schaffen das", hat in dieser Woche eine rassistische USA übertönt, die ärmlich "send her back" blökt. Wie ist das mit einem Präsidenten, dem die Weltraumfahrt anno 2019 genauso schnuppe ist wie seinerzeit dem amtierenden Richard Nixon, der das immens teure Apollo-Programm bei der erstbesten Gelegenheit stoppte? So gehen wir in einen Sommer, in dem Donald Trump seinen Wahlkampf startet, mit immer wahnwitzigeren Anschuldigungen. "Ich distanziere mich davon entschieden und fühle mich solidarisch mit den drei attackierten Frauen", das ist ein weiterer Merkelsatz für die Geschichtsbücher, vielleicht noch besser als "Wir schaffen das."

*** Manche sehnen sich nach Zeiten, in denen es Weltraumfahrt-inspirierte Suchmaschinen wie Apollo 7 gab, die den großen Sprung in Ehren hielten. Anderer schauen noch weiter zurück, in die Zeit, als bei den Testflügen der Gemini-Mission die Schiffe für die Flugbahnortung noch mit Fernschreibern untereinander verbunden waren und die NASA heftig drängend ein besseres technisches Verfahren verlangte. Auch deswegen trat die USA vor 50 Jahren nicht nur mit der Mondlandung an, die Geschichte zu verändern, sondern das Internet wurde in Gestalt des Arpanets von klugen Frauen und Männern konzipiert.

Weil wir in den Sommer gehen, ist es nun Zeit für das Sommerrätsel, das sich zunächst mit der Wetware beschäftigt, den lebenden Wesen, die das heutige Internet geprägt haben.

Also auf zu Frage 1: Die Mondfliegerei war kaum vorüber, da beschäftigte sich Jake mit der Internet-Präsenz der NASA. Mit welchem anderen Projekt schrieb sich diese Person in die Ruhmeshalle der Internet-Geschichte?

Weiter zu Frage 2: Er schrieb ein Memorandum zum angedachten Netzwerk und sah eine Menge Probleme, die ein Netzuser lösen muss: "His intelligence permits him to view many alternative courses of action to cope with unusual conditions. He can profitably conduct "Gedanken" experiments upon these remote systems. /.../ In such a world the user may still be present but know little of the network resources involved in his name on his behalf. Troubles in that world may be difficultfor him to cope with."

*** In der frühen Geschichte der Weltraumfahrt wurden Affen, Katzen und Hunde in die Luft geschossen, denn Tiere waren schon immer nützlich, um Menschenleben nicht zu gefährden. Daran hat sich bis heute nichts geändert, wie die Ticker-Meldung von Neuralink zeigt. Immerhin: Soweit heute bekannt ist, waren bei der Konzeption des Arpanet – aus dem später das Internet entstand, das später zum geheimnisvollen Cyberspace mutierte – keine Tierversuche nötig, um die verschiedenen Komponenten des Netzwerkes zu entwickeln. Gequält wurden nur die Menschen, die die Host-Software und den "Message Prozessor" entwickelten und sich mitten im Kalten Krieg Gedanken über die Ausfallsicherheit des Netzes machten. Die Überlegungen zum Routing von Datenpaketen führten zum hübschen Mythos, dass das Routing im Internet konzipiert wurde, um einen Atomschlag zu überstehen. Zunächst einmal ging es darum, bei Ausfällen aller Art überhaupt eine Kommunikation zustande zu bringen. Aber es gab durchaus Überlegungen zum militärischen Einsatz.

Woraus sich natürlich Frage 3 ergibt: "But a real-life system is a collection of compromises, and this system is no exception. The author believes, though, that it represents an acceptable price to have to pay for a national communication system able to meet the extreme demands of survivability in the face of a determined enemy." Wer ist dieser Autor?

Und natürlich ist dann auch Frage 4 logisch: Welche Katze schaffte den Sprung vom Weltraum in das Internet als Meme?

*** Zu den militärischen Fragen gehört in diesen heißen Tagen die Vereinnahmung von Claus Schenk von Stauffenberg durch die unsägliche AfD, die gleichzeitig von einem Aufstand der Generale gegen Anette Kramp-Karrenbauer faselt. Das erklärte Ziel der AfD, Stauffenberg gegen Angela Merkel zu instrumentalisieren, dürfte mit den Feierlichkeiten zum gestrigen 20. Juli noch lange nicht erledigt sein. Das Drehbuch zu dieser kaum verhohlenen Form einer herbeiphantasierten Machtergreifung lieferte wohl der Film Sieben Tage im Mai, bzw. das Buch über den durchgeknallten militärisch-industriellen Komplex. Das bringt uns zurück zur Weltraumfahrt des Apollo-Programmes, das nicht nur wegen der enormen Kosten dem Militär ein Dorn im Auge war. Der Kalte Krieg sollte zünftig als Krieg und nicht als Wettlauf um den Mond geführt werden. Nur Hunde wollen ewig leben.

Ach ja, nicht nur Katzen. Daher Frage 5: Hunde im Netz, das ist eine vertrackte Geschichte. Welcher Hund löste die Yanoff-Liste ab?

Genug der Versuchstiere, erstmal. Oder doch nicht? Also noch Frage 6: Als das Netz wuchs, wanderten zivile Inhalte ins Netz. Für die Freunde von Frau Mahlzahn und anderen Fellpummeln gab es recht bald eine Newsgroup namens rec.pets.cats mit eigener Catiquette. Was war verboten?

*** Nein, mit dem Netz hatte Patrick Winston recht wenig zu tun, sein KI-Projekt Moon Shot fasste er aber als ähnlich ambitioniertes Projekt wie die Mondlandung auf: "We may be wasting our time, of course, but the potential reward is that 1,000 years from now, everyone could say that we first understood our own intelligence." Nun ist der Nachfolger von Marvin Minsky im Alter von 76 Jahren gestorben. Er hatte die bemerkenswerte Idee, eine KI mit dem blutrünstigsten Theaterstück der Menschengeschichte zu füttern, dem Macbeth des großen Barden Shakespeare. Ein paar Morde, ein paar Hexen, Wahnsinn und Größenwahn, es ist alles dabei, was eine KI über den Menschen lernen kann.

Ganz unblutrünstig kommen wir zu Frage 7, auch wenn manchem User damals ... ach, führen wir das nicht weiter aus: Nicht nur das Internet, auch das World Wide Web hat dieses Jahr seine Geburtstage. In der Frühzeit brauste man textbasiert durch die Angebote und einer hatte eine Idee, die manchen Surfer in den Wahnsinn trieb. Wer war das?

[i]Nochmal zurück zu Shakespeare, in gewisser Weise, führt Frage 8: Gesucht wird eine Dame, die KI-gestützt in einem Online-System hauste und der es dabei wesentlich besser ging als Lady Macbeth.

In der kommenden Woche war eigentlich eine Anhörung vor einem Londoner Gericht geplant, in der Julian Assange mit seinen Rechtsanwälten Einspruch gegen die 50 Wochen Haft einlegen wollte, zu denen er wegen der Missachtung von Meldeauflagen im Mai 2019 verurteilt worden war. Nun haben seine Anwälte die Klage gegen das Urteil zurückgezogen, trotz aller Proteste gegen die angeblich unmenschlichen Haftbedingungen. Hintergrund ist wohl die Aussage aus britischen Regierungskreisen, dass Assange nicht ausgeliefert wird, wenn ihm in den USA die Todesstrafe droht. Dieser Punkt sei Teil eines Abkommens, das man mit der Regierung von Ecuador geschlossen habe. Dazu passt die Aussage von Ecuadors ehemaligen Präsidenten Rafael Correa, der bestätigte, dass Ecuador sehr wohl wusste, dass Assange von der Londoner Botschaft aus sich in den US-amerikanischen Wahlkampf einmischte. Auf diese Weise erhöht der im belgischen Exil lebende Correa den Druck auf britische Gerichte, einer Auslieferung Assanges nicht zuzustimmen. Assange und seine Wikileaks-Truppe haben damit beste Chancen, sich wieder in den US-Wahlkampf einzumischen.

Was erzählt dazu der australische KI-Forscher Toby Walsh, was aus dem Internet geworden ist? "Ebenso wenig wie autonome Waffen über Leben und Tod entscheiden sollten, wollen wir auch nicht, dass diejenigen die Wahlen gewinnen, die über die beste Technologie und die meisten Daten verfügen. Sondern die, die besten Ideen haben. Schon jetzt ist es technisch mittels Deep Fake und Stimmenimitation möglich, dass ein vermeintlicher Donald Trump bei jedem US-Bürger 'anruft' und ein persönliches Gespräch mit ihm führt. In vielen Ländern gibt es strenge Gesetze über das Geld und die Werbung, die bei Wahlen eingesetzt werden dürfen. Um zu verhindern, dass sich die Reichen politische Macht kaufen."

Zum Abschluss also kehren wir zurück zur Weltraumfahrt, mit Frage 9. Was passierte der NASA beim Start der Raumsonde Galileo im Jahre 1989? Wer sollte dafür verantwortlich sein?

Und noch schnell Frage 10: Gesucht wird der Mann, der als Mitarbeiter des NASA-Vorläufers, des "National Advisory Commitee on Aeronautics" einen Schock erlitt und dann die Konsequenzen zog.

Wie immer gibt alle Lösungen der kleinen Rätselei am Montagabend und manchmal auch direkt zu den Kommentaren der geschätzten Besucher des Heise-Forums. (jk)