Wasserstoff-Lastwagen: Nikola kommt durch Fusion an die Börse

Nikola fusioniert mit einer Mantelfirma, um einfacher an die Börse zu kommen. Finanzinvestoren geben 525 Millionen Dollar dazu.

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Das Modell Nikola Two ist für die USA und Kanada konzipiert.

(Bild: Nikola Motors)

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  • Daniel AJ Sokolov

Der US-amerikanische Elektrolastwagen-Entwickler Nikola soll noch im ersten Halbjahr an der NASDAQ gelistet werden. Anstatt einen klassischen Börsengang mit öffentlichem Verkauf eigener Aktien durchzuführen, verschmilzt Nikola mit einer bereits börsengelisteten Mantelgesellschaft namens VectoIQ. Diesen Namen muss man sich aber nicht merken.

Denn die Firma wurde nur dazu gegründet, einem damals noch nicht bekannten Unternehmen an die Börse zu verhelfen. Entsprechend hat sie keine nennenswerte unternehmerische Tätigkeit entfaltet. VectoIQ bringt 237 Millionen US-Dollar in bar mit. Dessen bisherige Aktionäre werden gut sieben Prozent an der zukünftigen Nikola-Aktiengesellschaft halten.

Weitere 13 Prozent gehen an eine Gruppe von Finanzinvestoren, die dafür 525 Millionen Dollar beisteuern. Daraus kann man eine Unternehmensbewertung von gut 3,3 Milliarden US-Dollar ableiten. Bestehende Nikola-Aktionäre bekommen 70 Millionen Dollar ausbezahlt und knapp 80 Prozent der Aktien der neuen Nikola-Gesellschaft. Nach Abzug von 50 Millionen Dollar Unkosten fließen am Ende zirka 640 Millionen Dollar in Nikolas Kasse.

Das Geld kann Nikola gut gebrauchen. Das Unternehmen möchte sowohl in Europa als auch in Nordamerika elektrische Fahrzeuge auf den Markt bringen: Sattelschlepper, Pickups, Quad-Bikes und Jet-Ski. Der Strom soll aus Brennstoffzellen, Akkus oder einer Kombination daraus stammen. Nach eigenen Angaben hat Nikola bereits Vorbestellungen für 14.000 Sattelschlepper entgegengenommen. Größter prospektiver Kunde ist die US-Brauerei Anheuseur-Busch.

Nikola will seine Lkw aber gar nicht verkaufen, sondern für jeweils sieben Jahre oder 700.000 Meilen (1,126 Millionen Kilometer) verleasen. In einem Gesamtpreis werden Wartung, Reparatur, und Wasserstoff inbegriffen sein. Unterm Strich soll das den Kunden gegenüber Diesel-Lkw etwa 2 US-Cent pro Meile sparen.

Brennstoffzellen-Trucks von Nikola (16 Bilder)

Nikola Tre
(Bild: Nikola Motors)

Bereits nächstes Jahr sollen die ersten 600 akkugetriebenen Nikola-Sattelschlepper vom Band rollen. Iveco wird die Lkw in Ulm bauen. Im Jahr darauf möchte Nikola eine eigene Fabrik in Arizona in Betrieb nehmen und so die Jahresproduktion verdoppeln. Ein weiteres Jahr später, 2023, sollen die ersten 2.000 Wasserstoff-Lkw sowie weitere 3.500 batterieelektrische Lkw ausgeliefert werden. Und 2024 möchte das Unternehmen erstmals ein positives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) schaffen.

Der Vorteil der Wasserstoff-Lastwägen ist ihr geringeres Gewicht und damit höhere Nutzlast als mit Akkus, und eine mit Dieselfahrzeugen vergleichbare Reichweite (800 bis 1200 km). Letztere könnten aber immer noch ein paar Tonnen mehr befördern.

Leider gibt es bislang nur wenige Wasserstoff-Tankstellen. Daher verspricht Nikola, an Standorten seiner Kunden sowie entlang deren Routen eigene Wasserstofftankstellen zu betreiben. Geplant sind größenordnungsmäßig 1.200 Standorte.

Der Wasserstoff soll stets vor Ort mit Ökostrom hergestellt werden. Lieferant der Anlagen wird die Firma NEL. Nikola rechnet mit Investitionskosten von 16,6 Millionen US-Dollar pro Tankstelle. Ein Standort soll rechnerisch 210 Wasserstoff-Lkw versorgen und über 21 Jahre abgeschrieben werden. (ds)