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"Watch Your Web" wirbt für mehr Datenbewusstsein bei Jugendlichen

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Mit "viralen" Spots (hier auf der Großbildleinwand im Berliner Sony-Center) soll die Kampagne Watch Your Web sich im Internet und in Social Networks verbreiten; sie werden aber auch von MTV und der Deutschen Bahn gezeigt.

(Bild: heise online/Stefan Krempl)

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner hat am heutigen Dienstag in Berlin die Kampagne Watch Your Web gestartet, die Jugendlichen einen verantwortungsvollen Umgang mit persönlichen Daten im Netz nahelegen will. "Der Schulhof des 21. Jahrhunderts ist im Internet zu finden", erklärte die CSU-Politikerin in Berlin. Auch dort gebe es "jede Menge Tratsch, Flirts und Reibereien, nur mit dem Unterschied, dass die ganze Welt zuschauen kann". Da sich hierzulande inzwischen 84 Prozent der Zwölf- bis Neunzehnjährigen aktiv am Web 2.0 beteiligten und "viele private Dinge von sich ins Internet" stellten, sollten die heranwachsenden Nutzer nun über die Webseite und vier Videos zur Vorsicht bei der Preisgabe persönlicher Informationen ermuntert werden.

In den vier Spots, die sich "viral" mit Hilfe der Angesprochenen selbst verbreiten sollen und unter anderem auch von den großen sozialen Netzwerken SchülerVZ, wer-kennt-wen und Lokalisten sowie von MTV und der Deutschen Telekom gezeigt werden, kämpft der "Webman" gegen den "Data Devil". Schüler der Jüdischen Oberschule Berlin zeigen unter den Überschriften "Date", "Mensa", "Masken" und "Klasse" etwa, dass das Internet "nichts vergisst". Auch Jugendsünden würden sich darin wiederfinden, betonte Aigner. "Jedes peinliche Bild kann zum Lauffeuer werden". Dies gelte auch für Inhalte, die "ich über andere ins Netz stelle". Wer im Internet jemanden ein Geheimnis anvertraue, könne "es auch gleich ans Schwarze Brett heften". Thematisiert werde auch, dass Cyber-Mobbing "oft härter trifft als im realen Leben", da es "nicht nur in den eigenen vier Wänden" stattfinde.

Gerd Hoofe (links hinten), Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, und Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (mitte hinten) stellten zusammen mit Schülern die Kampagne für einen verantwortungsvollen Umgang mit persönlichen Daten im Netz vor.

(Bild: heise online/Stefan Krempl)

Erfahrungen mit den Schattenseiten sozialer Netzwerke haben die unter der Regie von Robert Thalheim agierenden "Jungschauspieler" teils selbst schon gemacht. So berichtete die Schülerin Anna, dass ein Junge aus ihrer Klasse ihr Profil bei SchülerVZ "gefälscht" und in ihrem Namen Botschaften an Dritte versand habe. Ihr Kollege Johann meinte, dass er die Voreinstellungsmöglichkeiten bei Online-Communities nun aktiv nutze und beispielsweise Suchmaschinen von seinem Account ausschließe. Dass die sozialen Netzwerke entgegen dem Ziel der Filme gerade davon lebten, dass die Nutzer ihr Privatleben ausbreiten, glaubt Malte Cherdron, Chief Operating Officer von StudiVZ, nicht. Wichtiger sei es den Usern, dass sie dort ungestört mit Freunden und Bekannten kommunizieren könnten.

Die Kompetenz-Kampagne ist eine Initiative des Projekts Jugend online der Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland (IJAB) und wird vom Verbraucherschutz- und vom Familienministerium mit je rund 150.000 Euro gefördert. Die IJAB-Direktorin Marie-Luise Dreber führte aus, dass Jugendliche das Internet intensiv als "Sozialraum" nutzten. Dabei erscheine es ihnen aber etwa unwahrscheinlich, "dass Erwachsene ihre Spuren verfolgen können". Zugleich kritisierte sie, dass verschiedene Medien die Bilder der Opfer von Winnenden direkt aus sozialen Netzwerken gefischt hätten. Es sei daher wichtig, die Öffentlichkeit im Cyberspace "sinnvoll einzuschränken" und dafür "entsprechende Buttons zu bedienen".

"Wir wollen, dass junge Menschen nicht nur mit den Freiheiten im Netz Experten sind, sondern auch darin, Gefahren zu verhindern", sagte Gerd Hoofe, Staatssekretär im Bundesfamilienministerium. "Wir wissen, nicht alle sind in guter Absicht im Netz unterwegs." So würden sich etwa beim "Cyber-Grooming" sexuell interessierte Erwachsene "mit künstlicher Identität in soziale Netzwerke einschleichen, um reale, meist sehr zweifelhafte Kontakte zu knüpfen". Intime Informationen gehörten daher prinzipiell nicht auf große Online-Plattformen.

Generell müssen laut Hoofe "Freiheit, Schutz und Sicherheit in ein ausgeglichenes Verhältnis gebracht werden". Er begrüßte daher die gegenwärtige Debatte über Web-Sperren im präventiven Kampf gegen Kinderpornographie. Dabei handle es sich um einen "wichtigen Dialog über die Grenzen des Internet", der "mit der Community" noch fortgesetzt werden solle. "Wir haben Kritiker eingeladen, mit uns über ihre Befürchtungen zu reden." So führe das Familienministerium derzeit etwa Gespräche mit den Initiatoren der bereits von über 113.000 Surfern unterzeichneten Bundestagspetition gegen das Sperrvorhaben, erläuterte Hoofe gegenüber heise online. Diese würden freilich nichts mehr daran ändern, dass der Gesetzesentwurf schon kommende Woche vom Bundestag beschlossen werden solle. Über recht umfangreiche Änderungen würden die Berichterstatter der großen Koalition in den nächsten Tagen abschließend verhandeln. (Stefan Krempl) / (jk)