Web Foundation: Internetzugänge während der Pandemie nicht beschränken

Fast die Hälfte aller Menschen hat keinen Internetzugang, aber gerade während der Coronavirus-Krise sollten Zugänge dringend erleichtert und ausgebaut werden.

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(Bild: alphaspirit/hutterstock.com)

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Fast die Hälfte aller Menschen hat nach Angaben der Web Foundation keinen Zugang zum Internet. Dies sei während der Coronavirus-Pandemie ein schwerwiegender Nachteil. "Das Internet ist eine kritische Lebensader. Und noch immer sind Milliarden Menschen nicht verbunden", erklärte Web-Foundation-Präsident Adrian Lovett.

Lovett drängt darauf, dass in der Coronavirus-Krise Internetzugänge nicht noch zusätzlich beschränkt werden. Provider und Regierungen sollten noch mehr Menschen die Nutzung des Internets ermöglichen und unter anderem auch trotz Zahlungsschwierigkeiten mehr Datenvolumen erlauben.

Wie in ähnlichen Krisen sollten sowohl Strom als auch das Internet weiterhin zugänglich sein, damit Menschen wichtige Gesundheitsinformationen erreichen. Einige Provider handelten schon entsprechend, betonte Lovett. Diese könnten aber noch einen Schritt weitergehen und Menschen zusätzliche Datenvolumen bereitstellen, damit Videocalls, internetunterstütztes Homeschooling und datenreiche Aktivitäten möglich seien, die durch Lockdowns sehr an Wichtigkeit gewonnen hätten. Schülerinnen und Schüler, die keinen Internetzugang haben, aber mittels Online-Hilfe zuhause lernen sollen, würden nun noch stärker abgehängt.

Regierungen, Organisationen und Unternehmen sollten zudem gegen Desinformationen im Netz und staatliche Internetblockaden vorgehen und auch trotz des sinnvollen Einsatzes von Big Data im Kampf gegen das Virus weiterhin die Privatsphäre und Datensouveränität der Menschen achten.

Die Vereinten Nationen haben sich zum Ziel gesetzt, dass bis 2025 75 Prozent der Menschen weltweit und 35 Prozent der Menschen in am wenigsten entwickelten Ländern Zugang zu einem Breitbandanschluss haben sollen. Diese Werte werden nach einer Schätzung der Web Foundation aber nicht erfüllt. Bis 2025 haben demnach 70 Prozent der Menschen überhaupt irgendeine Form von Internetzugang. In den am wenigsten entwickelten Ländern seien es voraussichtlich 31 Prozent.

Die meisten Menschen ohne Internetanschluss leben laut der Organisation in ärmeren Ländern. In Afrika seien nur 28 Prozent der Menschen online. Probleme gebe es aber auch in Europa oder den USA. "In New York City haben fast ein Drittel der Haushalte keinen Breitbandanschluss, in Spanien haben 19 Prozent keinen Computer", hieß es in der Mitteilung. Wenn nicht sofort entschieden gehandelt werde, werde es noch Jahrzehnte dauern, bis alle Menschen online sein könnten.

Die 2009 gegründete Web Foundation mit Sitz in Genf engagiert sich unter anderem dafür, Umgangsformen im Web durchzusetzen und dafür zu sorgen, dass Menschen in aller Welt gleiche Chancen haben.

Gründer Tim Berners-Lee hatte am 12. März 1989 seinen Vorschlag für ein System für Informationsmanagement vorgelegt, aus dem das World Wide Web hervorging.

(mit Material der dpa) / (kbe)