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Web-Pionier fordert mehr Open Data

Tim Berners-Lee und andere Verfechter offener Informationen wollen, dass Regierungen ihre Datenschätze für die Bürger zugänglich machen.

Sir Tim Berners-Lee, der 58-jährige britische Physiker mit Adelstitel, den man vor allem als Erfinder des World Wide Web kennt, treibt derzeit ein neues ambitioniertes Projekt voran: Im Rahmen des von ihm mitgegründeten Open Data Institute in London sollen Regierungen zu mehr Offenheit im Umgang mit vorhandenen Datenbeständen angeregt werden, berichtet [1] Technology Review in seiner Online-Ausgabe. "Wenn Regierungen ihre Daten im Web zur Verfügung stellen, kann die Bevölkerung sehen, was mit ihren Steuergeldern passiert", so Berners-Lee.

Genau das glaubt auch Daniel Dietrich. "Diese Daten sind eine digitale Infrastruktur, die sich auf verschiedene Weise nutzen lässt", sagt der Vorsitzende der Open Knowledge Foundation Deutschland, die Open Data fördern will. "Sie können nicht nur für mehr Transparenz im Bereich der Politik sorgen, sondern auch Innovationen unterstützen und so die Wirtschaft fördern."

Dank seiner Prominenz konnte Berners-Lee in seinem Heimatland schon viel erreichen: Das britische Datenportal data.gov.uk umfasst im Moment fast 18000 Datensätze von Regierungen und Behörden – darunter Informationen über die Qualität von Schulen und die Sterblichkeitsrate bei Erkrankungen wie Asthma.

Für Netzaktivisten wie Anke Domscheit-Berg fehlt es aber noch an der Unterstützung durch die höchste Ebene der Politik. "Hier muss sich Angela Merkel mehr engagieren", sagt die Politikerin von der Piratenpartei. Leider habe sich die Kanzlerin noch nie öffentlich zu Open Data geäußert. Wie wichtig klare Vorgaben der Bundespolitik sind, zeigt das "Smiley-Projekt" im Berliner Bezirk Pankow: Seit 2009 veröffentlicht die lokale Verwaltung die Ergebnisse ihrer Lebensmittelkontrolleure im Internet, jeweils illustriert durch einen von fünf Smileys mit dem passenden Gesichtsausdruck. Auch Tempelhof-Schöneberg, Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf haben das Pankower Modell übernommen. Dennoch existiert derzeit kein zentrales Portal.

Mehr zum Thema in Technology Review online:

(bsc [3])


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-2184586

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/tr/artikel/Die-Mauer-muss-weg-2184588.html
[2] https://www.heise.de/tr/artikel/Die-Mauer-muss-weg-2184588.html
[3] mailto:bsc@heise.de