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Web-Science-Konferenz: Von vielfältigen Filtern, Online-Verhalten und dem digitalen Vermächtnis

Im zehnten Jahr der Wissenschaft des Webs beschäftigen sich die Forscher unter anderem mit Verzerrungen bei Web-Daten und der Bewahrung digitaler Inhalte.

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Die Association for Computing Machinery (ACM) trägt ihre Konferenz zum Thema Web Science in diesen Tagen in Hannover aus. Wissenschaftler aus so heterogenen Feldern wie Informatik, Soziologie, Wirtschaft und Psychologie tauschen sich dort zur größten sozio-technischen Infrastruktur der menschlichen Geschichte aus: dem Web.

Archive.org hat Websites der Occupy-Bewegung gesammelt, die auf ihre Erfoschung warten.

Dabei geht es um so vielfältige Themen wie Datenschutz und Internet Governance, Entrepreneurship, aber auch um die vielen Verzerrungen, mit denen sich Web-Wissenschaftler und Journalisten herumschlagen müssen. Im Grunde ist aber jeder davon betroffen, der sich im Web bewegt, sei es bei der News-Auswahl für den Social-Media-Stream, den im Shop präsentierten Produkte oder schlicht der Werbung.

Ricardo Baeza-Yates, ehemals Forschungsleiter bei Yahoo, sprach in seiner gestrigen Keynote von diesen vielfältigen Verzerrungen, die bereits bei den Daten auftreten – der Basis von E-Commerce, Werbung und Forschung. So produzieren 7 Prozent der Facebook-Nutzer 93 Prozent des dort aufkommenden Contents. Bei den Amazon-Produktbewertungen (4 zu 96 Prozent), den Twitter-Postings (2/98) und den Wikipedia-Inhalten (0,04/99,96) sei das Verhältnis noch extremer.

Ein wichtiges Thema des Kongresses ist die Archivierung der Inhalte im mitunter sehr flüchtigen Web. So bezeichnen Axel Bruns und Katrin Weller Twitter als einen "ersten Entwurf" der Gegenwart – der dringend archiviert werden müsse. Die US-Kongressbibliothek hatte ein solches Vorhaben zwar in Zusammenarbeit mit Twitter angekündigt, bislang aber wenig Taten folgen lassen.

Um das digitale Web-Vermächtnis geht es in einem Hackathon, der während der Konferenz stattfindet. Aufgabe hier ist es, in Sammlungen aus dem Internet Archiv auf Datenschatz-Suche zu gehen. Zu den Sammlungen zählen unter anderem das Human Rights Web Archive der Columbia University und vom Internet Archive gesammelte Seiten der Occupy-Bewegung 2011/12.

Web Science als interdisziplinäres Forschungsgebiet feiert in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag. Es geht auf einen Vorschlag von Tim Berners-Lee zurück, der eine eigenständige Wissenschaft forderte, die sich mit dem Web befasst – und dann mit der Web Science Research Initiative auch gleich die Grundlagen geschaffen hat. Eine aktuelle Broschüre des Web Science Trust fasst die Entwicklung dieser noch recht jungen Wissenschaft zusammen. (jo)