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Web Summit: Eine Web-Konferenz als Wirtschaftsförderung

Portugal bezahlt den Veranstaltern des Web Summit 110 Millionen Euro, damit die Konferenz in Lissabon bleibt – offenbar eine lohnende Investition.

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Web Summit: Eine Web-Konferenz als Wirtschaftsförderung

11 Millionen Euro pro Jahr, für zehn Jahre: Portugal greift tief in den Staatssäckel, um die Tech-Konferenz Web Summit im Land zu halten. Viel Geld für eine Veranstaltung, die jedes Jahr nur eine Woche andauert, auch wenn sie, wie in diesem Jahr, 70.000 Teilnehmer in die portugiesische Hauptstadt lockt. Und nicht nur das: Als Teil der Vereinbarung soll zudem auch die Altice Arena, in der die Keynotes abgehalten werden, ausgebaut werden. Ihre Kapazität soll ebenso verdoppelt werden wie die des Messegeländes.

Rappelvoll: Manche Veranstaltungen waren am Limit oder darüber.

Das ist auch dringend nötig. Die Veranstaltung ist jetzt schon stellenweise am Limit, in den Gängen herrscht mitunter ein unangenehmes Geschiebe, populäre Talks und Keynotes sind überlaufen. Die Veranstalter rechnen in den nächsten Jahren mit einem Wachstum auf 100.000 Besucher. Sie waren schon vor zwei Jahren auf die Suche nach einem neuen Standort gegangen. Etliche andere Städte waren in der Diskussion, darunter Berlin und München. Letztlich konnten das Land Portugal und die Stadt Lissabon die Konferenz halten.

Dabei bleibt die Frage: Warum greifen sie dafür so tief in die Tasche? Die Regierung macht auf diese Frage die Gegenrechnung auf: Der Web Summit generiere für Lissabon Einnahmen von 300 Millionen Euro pro Jahr. Auch wenn diese Zahl ein wenig hoch erscheint – der vorjährige Web Summit hat dem Land Steuereinnahmen von immerhin 30 Millionen Euro eingebracht, und der Hotel- und Gaststättenverband rechnet in diesem Jahr mit Einnahmen von rund 60 Millionen Euro, berichtet die Deutsche Welle. Unter dem Strich dürfte sich der Summit also durchaus rechnen.

Mindestens genauso wichtig wie die Einnahmen scheint den Verantwortlichen der Image-Faktor zu sein. Der Web Summit bringe Portugal "ins Herz der globalen Konversation über Tech und Innovation", sagt Portugals Premierminister Antonio Costa: Einmal im Jahr schaut die Welt nach Lissabon, wo über die neuesten Entwicklungen in der Tech-Szene debattiert wird.

Viele Unternehmen wie hier VW nutzen den Web Summit für das Recruiting.

Und daran scheint sich auch so schnell nichts zu ändern, im Gegenteil. Viele Unternehmen nutzen den guten Ruf der Veranstaltung, um dort Entwickler anzuwerben – aus Deutschland etwa Siemens, Bosch und VW. Hamburg und Berlin sind hier, um junge Unternehmer anzusprechen und Start-ups nach Deutschland zu holen. Auch einige Länder haben hier Pavillons, um von dem Image des Web Summit zu profitieren. Sie stellen Produkte und Startups aus dem eigenen Land vor und versuchen Investoren anzulocken.

Last not least lenkt der Web Summit den Blick auf Lissabon als Startup-City. Die portugiesische Hauptstadt hat eine florierende Startup-Szene mit Dutzenden jungen Unternehmen. Der Staat unterstützt die Szene mit Geld- und Sachleistungen und versucht auch ausländische Startups anzuziehen. So wurde ein 200 Millionen Euro starker Fonds für Unternehmensgründer aufgelegt, mit dem Hub Creativo Beato wurde eine 35.000 Quadratmeter große ehemalige Fabrik in einen Coworking-Standort für Startups verwandelt.

Die Startup-Szene ist so groß und agil, dass sie wiederum große Unternehmen anzieht, die dort etwa versuchen, Software-Entwickler zu rekrutieren. Das zeigt die Eröffnung eines Entwicklungszentrums von VW. Alles in allem scheinen sich Stadt, Summit und die lokale Szene gut gegenseitig zu befruchten. (jo)

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