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"Weckruf" für ENUM

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Die DENIC hat den deutschen ENUM-Versuch offiziell gestartet. Doch das Interesse an den neuen Telefondomains, die das Zusammenwachsen von Telefonie- und IP-Welt beflügeln sollen, ist in der Branche bislang noch verhalten. "Es gab immer wieder Technologien, die erst auffallen, wenn sie einen überrollt haben", sagt Rudolf Brandner, ENUM-Experte bei Siemens. Kein "Technology Scout" habe etwa HTML und http richtig eingeschätzt. "Einen Weckruf" erhoffte sich Henning Grote von der Deutschen Telekom AG daher von einer internen Informationsveranstaltung, zu der heute der Branchenverband Bitkom seine Mitglieder nach Berlin geladen hatte.

Rufnummern mit Ortskennzahl, Mobilrufnummern der Gassen 015, 016, 017, nationale Freephone-Nummern (0800) und persönliche Rufnummern (0700) können demnächst über DENIC-Mitglieder bei der DENIC registriert werden. Wenigstens einer der fünf bislang angetretenen ISP, InterNetX, hat nun die ersten Registrierungen im Stil von 0.0.3.2.5.3.5.1.1.5.9.4.e164.arpa in der Schlange. Die für die Integrität des Rufnummernsystems notwendige und von der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) geforderte Validierung der Rufnummerneinträge hat die DENIC erst einmal den Providern aufgetragen. Der Weg zu ausgewachsenen ENUM-Services ist noch weit, meint DENIC-Chefin Sabine Dolderer, die in Berlin die Bedingungen des Feldversuchs vorstellte.

Registrieren sollen als erste vor allem die Unternehmen, die Software, Geräte, Zubehör und Funktionalitäten für ENUM im Feldversuch erproben wollen. Wenn man den ganzen Produktionsprozess testen will, gehören die Endverbraucher allerdings mit ins Spiel, sagte Grote kurz vor der Veranstaltung. Im zweiten Teil des Versuchs sollten seiner Meinung nach Endversucher daher erste Angebote nutzen können. Mögliche Endanwendungen könnte etwa eine Outlookvariante sein, die bei Eingabe von Telefonnummer und Name aus der ENUM-Datenbank alle weiteren Kontaktmöglichkeiten von der Email bis zur Mobilnummer ins Adresssystem holt. Eine andere Idee der Telekommunikationsanbieter sind Kommunikationsprofildienste, die dem ENUM-User erlauben, seine Erreichbarkeit zu managen. "Easy-to-Use" ist die Messlatte für die Endnutzeranwendung, so Brandner. Allerdings dürfe man angesichts der Vielzahl angelaufener Feldversuche auch die Kompatibilität der Clients innerhalb Europas und auch international nicht außer Acht lassen.

International liegt aber noch eine Menge im Argen. Eine "TLD-Evaluation Group" bei der International Telecommunication Union (ITU) bemängelt, dass .arpa nur auf einen einzigen Nicht-US-Rootserver verzeichnet ist und bastelt weiter an einer Alternative für eine gänzlich neue Top Level Domain. Die ITU würde sich offensichtlich selbst gerne noch mehr ins Spiel bringen im Domain- und IP-Markt. In einem aktuellen Papier wird auf die Zunahme der IP-bezogenen Aktivitäten der ITU verwiesen. Das dürfte auch Thema bei der laufenden ITU-Konferenz in Marrakesch sein.

"Es gibt auch innerhalb der deutschen Wirtschaft eine gewisse Unterstützung für eine eigene Top Level Domain", berichtet Mirko Paschke von der RegTP, die über den Feldversuch vor allem mit Blick auf Wettbewerbs-, Verbraucher- und Datenschutzfragen wachen soll. Welchen nationalen wie internationalen Kurs die deutschen Behörden bei ENUM letztlich einschlagen, bleibt ungewiss. Die Zuständigkeiten im Bundeswirtschaftsministerium und bei der RegTP sind zersplittert, die lange angekündigte öffentliche ENUM-Konsultation hat es nie gegeben. Ein etwas lauterer Weckruf hätte nicht schaden können. (Monika Ermert) / (anw)