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Wehrbeauftragter fordert breite Debatte über Umgang mit Cyber-Angriffen

Die Digitalisierung von Staat und Industrie schafft Einfallstore für Angriffe. Über die Wege zur Verteidigung durch die Bundeswehr soll diskutiert werden.

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(Bild: dpa, Sebastian Kahnert)

Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels, hält eine breit angelegte Debatte über künftige Reaktionen der Bundeswehr auf Cyber-Angriffe für nötig. Daran sollten auch Experten außerhalb der militärischen Führung und der Politik beteiligt werden, sagte Bartels der Deutschen Presse-Agentur. Es müssten größere Kenntnisse aufgebaut werden. "Man muss wissen, worüber man spricht", forderte Bartels. Noch aber sei vieles unklar.

Cyber-Angriffe auf Staaten und wichtige Teile der Infrastruktur gelten als erhebliche Gefahr und können von gegnerischen Staaten, staatlich unterstützten Banden von Cyberkriminellen oder auch der organisierten Kriminalität ausgehen. Unklarheit über die Urheberschaft kann Reaktionen darauf – wie etwa die Störung feindlicher IT-Systeme – erschweren. Die Bundeswehr baut derzeit eigene Fähigkeiten im sogenannten Cyber- und Informationsraum (CIR) auf, um auf Gefahren reagieren zu können.

"Das ist noch eine Debatte wert, möglichst auch unter Einbeziehung von Leuten, die nicht deshalb Experten sind, weil sie unfallfrei Cyber sagen können, sondern es braucht ein tieferes Verständnis von den Dingen, die technisch möglich sind", sagte der Wehrbeauftragte. Vergeltung sei vermutlich nicht die einzig mögilche Reaktion auf Cyber-Angriffe. "Wir müssen sehen, dass wir eine möglichst kenntnisreiche Debatte organisieren. Da kann das Verteidigungsministerium eine Rolle bei spielen, aber auch Wissenschaftler oder Schriftsteller, die Szenarien entwickeln."

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Bei der Modernisierung der Bundeswehr und der Beschaffung fehlender Ausstattung geht die Entwicklung nach Ansicht von Bartels in die richtige Richtung. Für die Streitkräfte bedeute es im Moment aber eine Doppelbelastung, Auslandseinsätze zu stemmen und die wieder gestiegenen Anforderungen an die Bündnisverteidigung der Nato leisten zu können.

"Das wird wieder eingeübt, aber es fehlt immer noch am Material. Ich kann nur wiederholen, was auch die letzten Jahresberichte immer thematisiert haben. Die Riesenlücken sind noch da", sagte Bartels, aber es werde auch Geld für neue Projekte ausgegeben. "Aber die Soldaten leiden darunter, dass sie heute eine Doppelbelastung schultern müssen mit dem gleichen Ausrüstungsstand, der schon zu wenig war für die alte Situation, als es nur Auslandseinsätze gab. Heute geht es um Auslandseinsätze plus kollektive Verteidigung."

Die Debatte werde in Deutschland aber anders geführt als in Großbritannien oder in den USA. "Der Grundunterschied ist: Wir denken in Strukturen, die vermeiden sollen, dass überhaupt Militär eingesetzt wird. Die Angelsachsen und auch unsere französische Freunde denken in Missionen, für die sie Fähigkeiten brauchen." (tiw)