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Weißes Haus testet Alternativen zu Blackberrys

Barack Obama gilt eigentlich als Blackberry-Freund. Nun soll das Weiße Haus aber Smartphones von LG und Samsung testen. Apple-Geräte würden nicht in die Tests mit einbezogen, heißt es in einem Zeitungsbericht.

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Der angeschlagene Smartphone-Pionier Blackberry könnte laut einem Zeitungsbericht einen seiner prestigeträchtigsten Kunden verlieren: Das Weiße Haus. Im US-Präsidialamt würden derzeit Smartphones der südkoreanischen Hersteller Samsung und LG getestet, schrieb das Wall Street Journal am Donnerstag. Apples iPhones seien nicht darunter, hieß es unter Berufung auf eine informierte Person. Die Tests seien noch in einer frühen Phase.

Blackberry kämpft ums Überleben

Obama und sein Blackberry.

(Bild: Wall Street Journal)

US-Präsident Barack Obama ist als eingefleischter Blackberry-Nutzer bekannt. Um den besonderen Sicherheits-Anforderungen zu entsprechen, baute Blackberry nach früheren Informationen eine eigenständige Infrastruktur für das Weiße Haus auf. Nun prüfe eine dem Weißen Haus zugeordnete militärische Sicherheitseinheit und das hauseigene IT-Team die Produkte von Samsung und LG. Dies bedeute noch nicht, dass das Weiße Haus sofort umsteige. Würde die Entscheidung pro einen der neuen Anbieter fallen, würde die Einführung der Technik laut des Informanten noch "Monate" auf sich warten lassen.

Weder Samsung noch LG wollten die Tests bestätigen. Nur Samsung wies darauf hin, dass sie über Interesse aus dem politischen Sektor – egal welchen Landes – informiert seien. Blackberry beantwortete eine Anfrage des Wall Street Journal kampflustig. Seit mehr als einer Dekade sichere das Unternehmen die mobile Kommunikation der US-Regierung. Blackberry sei dafür ausgelegt, hohen Sicherheitsstandards zu genügen, die die US-Regierung und andere verbündete Regierungen benötigten.

US-Militärs sprechen sich für und gegen Blackberry aus

Vollkommen abgeschrieben ist Blackberry in den USA ohnehin nicht. Im Januar drückte das US-amerikanische Militär dem Konzern sein Vertrauen aus. Die Defense Information Systems Agency (DISA), eine IT-Abteilung der US-Streitkräfte, informierte, dass ab Ende Januar Version 1.0 des Unclassified Mobility Capability Program begonnen würde – ein Programm, das bis zu 100.000 Nutzer unterstützen soll.

Die derzeitige Betaversion unterstützt 80.000 Blackberry-Handys und 1800 Tablets und Handys, die unter Android oder iOS laufen. Zwar kaufte das US-Militär nicht – wie teilweise irrtümlich berichtet – auf einen Schlag 80.000 neue Blackberry. Aber der Umstand, dass ein neues Programm zu fast 98 Prozent auf die kanadischen Geräte setzt, wurde an der Börse als starker Vertrauensbeweis interpretiert. Die Blackberry-Aktie legte daraufhin zu.

Trotz allem wird auch in diesem Sektor an Blackberrys Vormachtstellung gekratzt. Die US-Luftwaffe tauschte im Februar 5000 Blackberry-Geräte gegen Apple-Hardware. Angestellte, die nach dem 1. Januar weiterhin ein Blackberry-Gerät nutzen wollen, müssen dafür explizit um Erlaubnis bitten.

Konzernchef Chen muss weiter bangen

Der neue Blackberry-Chef John Chen muss Blackberry durch diese unbeständigen Zeiten führen. Ein neues Touchscreen-Modell wurde zum Flop, das massive Einbußen bedeutete. Das kanadische Unternehmen will sich nun auf Firmenkunden, Sicherheit und die klassischen Blackberry-Tastaturen konzentrieren und so aus der Krise hervorgehen. Um Geld locker zu machen, setzt das Unternehmen mittlerweile auch auf den Verkauf seiner Immobilien. (kbe)

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