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 | Technology Review

Weiter Logistikprobleme im neuen Heathrow-Terminal

Die Logistikprobleme im neuen Terminal 5 des Londoner Großflughafens Heathrow halten auch fast eine Woche nach der Eröffnung an. British Airways (BA), das den Hightech-Terminal als einzige Fluggesellschaft nutzt, musste am heutigen Dienstag weitere 50 Flüge streichen. Am Mittwoch sollen ebenfalls 50 innerbritische und europäische Verbindungen wegfallen, für Donnerstag ist die Streichung von 32 Flügen geplant. Grund für das Chaos sind vor allem Probleme mit dem neuen Gepäckbeförderungssystem, das nach einer Entwicklungszeit von sechs Jahren gravierende Defizite aufweist. Der britische Luftfahrtminister Jim Fitzpatrick sprach von rund 28.000 Gepäckstücken, die das System offenbar nicht richtig transportiert hatte und die jetzt in den Katakomben liegen. Britischen Medien zufolge wird es rund eine Woche dauern, bis betroffene Passagiere ihr Gepäck zurückerhalten.

Entwickelt wurde das Gepäcksystem gemeinsam von der Flughafen-Betreibergesellschaft BAA (British Airports Authority), British Airways, dem niederländischen Unternehmen Vanderlande Industries und IBM. Während Vanderlande als Generalunternehmer des 325-Millionen-Euro-Projekts auftritt und eigenen Angaben zufolge "für Entwurf, Software-Entwicklung, Produktion, Installation und Integration des Gepäckbeförderungssystems" im Terminal 5 verantwortlich zeichnet, steuert IBM Logistik-Software bei. Die Programme von Big Blue ermitteln beispielsweise anhand von ausgelesenen 2D-Barcodes, wohin Koffer und Taschen befördert werden sollen und berechnen dann den günstigsten Transportweg zum Ziel. Für den Betrieb des Systems ist die britische Alstec Ltd. (Babcock-Gruppe) zuständig.

Insgesamt umfasst das Terminal-5-Gepäcksystem 18 Kilometer Förderbänder, 8500 Elektromotoren, 132 angeschlossene Check-in-Schalter, 12 unterirdische Haupttransferstrecken und rund 20 Gepäck-Screening-Stationen. Differenzen gibt es bei den Angaben zur Transportkapazität. Während es in einer Projekt-Zusammenfassung von Vanderlande (PDF-Datei) heißt, pro Stunde könnten bis zu 12.000 Gepäckstücke das System durchlaufen, ist in anderen Dokumenten von lediglich der Hälfte die Rede. Maximale Transportkapazität hin oder her – fest steht, dass das System und die Personen, die es bedienen, der Gepäckflut derzeit nicht gewachsen sind. Für den Chef von British Airways, Willie Walsh, handelt es sich jedoch vor allem um eine Verkettung unglücklicher Umstände.

"Einzeln betrachtet haben die Probleme gar keine so große Wirkung", sagt Walsh. "Erst ihre Kombination führte zu den gravierenden Störungen." So hätten etwa Angestellte nicht rechtzeitig zur Arbeit erscheinen können, weil die Zufahrtskontrollen an den Mitarbeiterparkplätzen nicht richtig funktioniert hätten. Darüber hinaus seien Computerpannen (etwa bei Log-ins der Mitarbeiter) aufgetreten, die die Situation zusätzlich verschärften. Allerdings hätten auch British Airways und die BAA Fehler gemacht, räumt der Airline-Chef ein. Vor allem die Gepäckpannen dürften Walsh Kopfschmerzen bereiten, hatte er doch versprochen, dass British Airways mit dem Umzug in den Terminal 5 die Rolle als weltweiter Koffer-Verschlamper Nummer 1 hinter sich lassen werde. Laut BBC türmen sich derzeit meterhohe Gepäckstück-Berge im Terminal 5.

Vanderlande gibt an, allein in die Entwicklung der Steuersoftware der "wohl komplexesten Gepäckbeförderungsanlage weltweit" seien 400.000 Mannstunden geflossen. Jedes Gepäckstück, das am Terminal 5 ankommt, erhält zunächst eine zusätzliche "Routenanweisung", wird in das System eingeschleust und rauscht dann mit zehn Metern pro Sekunde durch die Transportkanäle. Obwohl das System bereits seit Herbst 2007 im Testbetrieb lief, berichteten Mitarbeiter gegenüber der BBC von "chaotischen Zuständen" noch wenige Wochen vor Eröffnung des neuen Terminals. "Sie haben Tests am Fördersystem unternommen und wussten, dass da was nicht richtig funktioniert", zitiert BBC einen Mitarbeiter. Die Computer hätten die Zahl der durchlaufenden Gepäckstücke wohl nicht richtig erfasst. Zum Kollaps im Normalbetrieb kam es dann offenbar, weil es an Personal fehlte, die Koffer und Taschen wieder schnell genug vom Förderband zu nehmen. (pmz)

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