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Weiter Wachstum bei PC-Prozessoren – bald auch für ARM

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Die Marktforscher von IDC haben einige Auszüge aus ihrer aktuellen Analyse des Weltmarktes der PC-Prozessoren sowie aus einer Prognose veröffentlicht. Demnach wuchs im ersten Quartal des laufenden Jahres die Zahl der verkauften x86-Prozessoren – vorwiegend von AMD und Intel, einige auch von VIA – im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres um 7,4 Prozent. Das überrascht, weil IDC selbst für das erste Quartal 2011 einen Absatzrückgang von 3,2 Prozent bei Desktop-PCs und Notebooks ermittelt hatte.

Noch optimistischer als die Analyse fällt die Prognose für das gesamte Jahr 2011 aus: IDC erwartet, dass die Stückzahl der verkauften PC-Prozessoren um 10,3 Prozent wächst und diese im Mittel (Average Sales Price, ASP) auch noch deutlich teurer werden – der Umsatz soll sogar um 17,6 Prozent auf dann rund 43 Milliarden US-Dollar wachsen.

Zum Preisanstieg trägt wohl bei, dass der Marktanteil der Prozessoren mit leistungsfähigen integrierten Grafikprozessoren (GPUs) steigt – schon jetzt liegt er laut IDC dank Intels Sandy-Bridge-Prozessoren und des hohen Anteils von Mobilprozessoren am Gesamtmarkt bei mehr als 50 Prozent.

Die Marktanteile von AMD und Intel haben sich laut IDC dabei kaum verändert, nach Stückzahlen liefert Intel weiterhin 80,8 Prozent aller x86-CPUs, AMD 18,9 und VIA 0,3 Prozent. In den einzelnen Marktsegmenten (Mobil/Desktop-PC/Server und Workstation) gab es aber kleine Verschiebungen: Bei den Serverprozessoren (Opteron/Xeon) konnte AMD um 0,3 Punkte leicht zulegen (jetzt 6,1 Prozent) und auch den Anteil bei den Desktop-PC-CPUs um 0,1 Prozentpunkte auf 27,4 Prozent ausbauen, musste aber bei den Mobilprozessoren eine Einbuße um 0,1 Punkte hinnehmen – Intel lieferte 86,3 Prozent davon und VIA 0,3 Prozent. Vielleicht können ja die laut AMD sehr erfolgreich verkauften C-50- und E-350-APUS im laufenden, zweiten Quartal den Mobil-Marktanteil zu AMD-Gunsten beeinflussen.

Eine interessante Schätzung liefert IDC obendrein: Bis 2015 könnten demnach Systems-on-Chips (SoCs) mit CPU-Kernen der Firma ARM mehr als 13 Prozent des PC-Marktes erobern. IDC unterscheidet dabei wohlgemerkt zwischen "klassischen" Notebooks und Desktop-PCs sowie den "Media Tablets", zählt also iPads und Android-Tablets dabei nicht mit. Vermutlich geht IDC davon aus, dass viele der (Mobil-)Rechner mit ARM-Antrieb unter Windows 8 laufen werden. Noch vor wenigen Monaten hatte ARM-CEO Warren East allerdings die Erwartungen an den ARM-Einsatz in "normalen" (Windows-)PCs gedämpft.

Charlie Demerjian von SemiAccurate berichtet derweil unter Berufung auf anonyme Quellen, dass Apple in Zukunft außer Tablets auch Notebooks mit ARM-SoCs bestücken will – angeblich frühestens ab 2013. Auch das würde den Marktanteil von ARM im PC-Markt steigern. Über die Gründe für einen solchen erneuten Wechsel des CPU-Typs kann man zurzeit nur spekulieren – beispielsweise könnte Apple mit den billigeren und sparsameren ARM-Chips entweder billigere Laptops fertigen oder die eigenen Verdienstmargen steigern wollen. Zählt man Tablets mit zu den Mobilcomputern, ist Apple schon heute der viertgrößte PC-Verkäufer der Welt.

Die von Demerjian erwähnten ARM-Kerne mit 64-Bit-Befehlssatz sind dabei allerdings noch nicht einmal von ARM als Entwurf angekündigt worden; der jüngste, frühestens erst 2012 in serienreifen Halbleiterchips erwartete Cortex-A15 arbeitet weiterhin 32-bittig, kann aber in SoCs stecken, deren Speicher-Controller mehr als 4 GByte adressieren. Dass innerhalb der nächsten zwei Jahre Prozessoren mit 64-bittigen ARM-Kerne erscheinen, scheint aus heutiger Sicht unwahrscheinlich, wenn man die Entwicklungszyklen bei den Embedded-Prozessoren mit ARM-Kernen bedenkt: Von der Vorstellung des Cortex-A8 im Jahr 2005 bis zur Auslieferung der ersten Smartphones mit Cortex-A8-SoCs im Jahr 2009 vergingen rund dreieinhalb Jahre. Auch Warren East von ARM hat ausdrücklich erwähnt, dass eine "ARM64"-Mikroarchitektur schon wegen der begrenzten Entwicklungsressourcen seiner Firma nicht so bald zu erwarten sei.

In den letzten Wochen gab es allerdings auch Spekulationen, wonach einerseits Apple auf der Suche nach einem alternativen Auftragsfertiger für (künftige) ARM-SoCs sei – die aktuellen Apple A5 und A4 fertigt Samsung – und sich andererseits Intel noch stärker als Auftragsfertiger betätigen wolle. Eine Theorie lautet, Intel wäre sogar zur Fertigung von ARM-SoCs bereit. Damit würde sich Intel als Auftragsfertiger (Foundry) gegen einheimische Konkurrenzfirmen wie IBM und vor allem Globalfoundries positionieren, zu der die ehemalige AMD-Fertigungssparte gehört. (ciw)