Weiterbildung in der IT: Der Anfang vom Aufstieg

Der Bedarf an Fortbildungen ist bei IT-Fachleuten höher als in anderen Berufen. Doch bringt viel auch wirklich mehr?

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(Bild: vs148/Shutterstock.com)

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Was bringt eine Fortbildung? Diese Frage beantworteten rund 300 Personalverantwortliche für die Studie Weiterbildungstrends in Deutschland 2018 der Studiengemeinschaft Darmstadt, kurz sgd, einer Fernschule von Klett. Für 88 Prozent der Personalentscheider ist sie der Schlüssel für den beruflichen Aufstieg, Wegbereiter für mehr Verantwortung und größere Aufgabenbereiche. 80 Prozent bekommen nach einer Fortbildung eine Gehaltserhöhung. Weiterbildung lohnt sich also. Nichts spricht dagegen und vieles dafür, dass sie für IT-Spezialisten noch wichtiger ist, als für andere Beschäftigte.

Bei der Technischen Akademie Esslingen liegt, wie der Name schon sagt, der Schwerpunkt der Weiterbildungskurse auf der Technik. Softwareengineering, Server- und Netzwerktechnologie, IT-Management sind typische Kursangebote. „Wer zu uns kommt, sucht eine Lösung für ein Problem in seinem beruflichen Alltag“, sagt Roland Bach, Leiter des Geschäftsfelds Elektronik und IT.

Kursanmeldungen haben im Herbst Hochkonjunktur, weil üblicherweise dann in den Unternehmen Mitarbeitergespräche stattfinden, in denen Ziele und persönliche Entwicklungen besprochen werden. Etwa die Hälfte der jährlich rund 15.000 Teilnehmer an Kursen der Technischen Akademie Esslingen wird von den Unternehmen geschickt, die andere Hälfte kommt auf Eigeninitiative. "Das sind oft die Leistungsträger in den Firmen und am motiviertesten in den Seminaren“, sagt Bach.

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Der Weiterbildungsexperte rät dazu, alle zwei Jahre eine Fortbildung zu machen. "Kürzere Abstände bringen nicht wirklich mehr.“ Seine zeitliche Empfehlung leitet er aus der Projektdauer in der Industrie ab, die bei durchschnittlich 18 Monaten liegt. Die Halbwertszeit an IT-Wissen sei extrem kurz, ist oft zu hören, der Weiterbildungsbedarf daher hoch. Für Bach ist das nur die halbe Miete. "Das Erfolgsmodell in der Arbeitswelt der IT definieren wir so: grundlegendes Wissen plus Fortbildung in neuen Technologien.“ Die alten Hasen sollten sich mit neuen Themen auskennen und die Jungen die Basis verstehen – weil neue Technologien oft auf bewährter Basis aufgesetzt werden.

Das Tübinger Softwareunternehmen itdesign hat im vergangenen Jahr für 77 festangestellte Mitarbeiter eine Fortbildung gebucht, bei insgesamt 140 Mitarbeitern. "Manche waren bei keiner Weiterbildung, andere dreimal, meist sind das Softwareentwickler oder Berater gewesen“, sagt Julia Dörr, zuständig für Personalentwicklung. Der Fortbildungsbedarf bei ITlern sei definitiv höher als bei Mitarbeitern mit anderen Berufen.

In dem schwäbischen Softwareunternehmen ist für jeden Mitarbeiter standardmäßig ein Kostenrahmen für die Weiterbildung festgelegt: 1500 Euro pro Jahr und 4 Freistellungstage. "Mit diesem Verfügungsrahmen können wir rasch reagieren, wenn es Fortbildungsbedarf gibt“, sagt Dörr. Mitarbeiter, Führungskraft und Personalentwicklung stimmen sich auf kurzem Dienstweg ab – und schon kann es los gehen mit dem Kursbesuch. Bei längeren und teuren Schulungen muss eine Freigabeschleife durchlaufen werden.

"Um die Qualität der Kurse zu bestimmen, betreiben wir ein Fortbildungscontrolling“, sagt Dörr. Zunächst findet ein Vorgespräch mit dem Teilnehmer statt, in dem Ziele, Erwartungen und der Transfer des gelernten Wissens ins Team definiert werden. Am Tag nach dem Kurs bekommt der Teilnehmer einen Fragebogen zum Kurs, in dem etwa die Kompetenz des Trainers bewertet wird. Und schließlich findet zwei bis drei Monaten nach der Maßnahme ein Gespräch zwischen Teilnehmer und Personalentwicklung statt, um zu klären, wie das neue Wissen angewandt und ob es in die Gruppe transferiert wird. "Eventuell ist eine Nachschulung notwendig oder der Teilnehmer hält eine interne Schulung über sein neues Wissen“, sagt Dörr. Bei Itdesign wird Wissen geteilt.

Die Studiengemeinschaft Darmstadt bietet Kurse ausschließlich als Fernunterricht in Form von Blended Learning an. "Das sind Online-Kurse mit schriftlichen Lernmaterialien – diese sowohl als E-Books als auch als Print-Hefte – sowie mit Online-Campus, Videos, realen und virtuellen Seminaren, in denen sich die Teilnehmer mit dem Trainer oder untereinander digital austauschen können“, sagt Harald Stürmer, Fachbereichsleiter Informatik und digitale Medien. Etwa 60 IT-Kurse hat die sgd im Angebot. Beispiel Webdesign: Das Unternehmen analysiert Stellenanzeigen, in denen Webdesigner gesucht werden und erfährt so, welche fachlichen Skills in dem Job notwendig sind. "Darauf baut das Curriculum des Kurses auf“, sagt Stürmer.

Für ihn ist berufsbegleitendes Lernen die nachhaltigste Form der Fortbildung. "Was sie heute lernen, können die Teilnehmer morgen in der Praxis ausprobieren.“ Dass die Form des Online-Lernens Disziplin vom Lernenden abverlangt, mehr als in Präsenzkursen, sagt auch Stürmer. "Allerdings sind Online-Kurse didaktisch auf diese Form des Lernens ausgelegt, etwa durch Wiederholungen, Zusammenfassungen oder Beispiele.“ Allein 200 Videos gibt es für die angebotenen SAP-Kurse, um das Wissen den Teilnehmern anschaulich zu vermitteln.

Zurück zur Studie und der wichtigen Frage: Wer bezahlt üblicherweise eine Fortbildung? In 65 Prozent aller Fälle übernimmt der Arbeitgeber die Kosten, in Konzernen sind es 76 Prozent, in mittelgroßen Unternehmen sogar 80 Prozent. Wichtig für die Kostenbeteiligung der Arbeitgeber ist, dass die Weiterbildung zu den Unternehmenszielen passt und die Fortbildung im Voraus mit dem Vorgesetzten oder mit der Personalabteilung abgesprochen sind. Wer nachträglich kommt, geht wahrscheinlich leer aus. (axk)