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Technology Review

Weltraum-Internet mit Bordmitteln

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Die US-Weltraumagentur NASA hatte am vergangenen Freitag gemeldet, dass die Besatzung der internationalen Raumstation ISS nach „einem speziellen Software-Upgrade“ nun direkten Zugang zum Internet habe. ISS-Ingenieur Timothy Creamer nutzte die Möglichkeit, um seinen ersten Live-Tweet aus dem Weltraum abzusetzen – bisher wurden die Kurznachrichten von der ISS vom Kontrollzentrum aus in den Mikroblogging-Dienst eingegeben.

Auch Jeff Williams und Soichi Noguchi, die sich zurzeit ebenfalls auf der Station befinden, wollen in Zukunft unter 
www.twitter.com/NASA_Astronauts live von der ISS twittern. Die Internet-Verbindung zur Raumstation ist allerdings nur indirekt: Über Funk ist die ISS mit einem Citrix-Server verbunden, auf dem die eigentlichen Internet-Anwendungen laufen. Zurzeit ist nur ein Client auf der ISS mit dem Server verbunden – insgesamt sollen aber bis zu vier Clients angebunden werden.

Das Konzept eines „Solar System Internet“ sei trotz aller technischer Schwierigkeiten hoch interessant, weil damit die Interoperabilität der verschiedenen Raumfahrt-Systeme enorm verbessert werde, erklärt Rheinhold Bertrand von der europäischen Raumfahrtagentur ESA. Zwar sei IP-Datenverkehr im niedrigen Erdorbit grundsätzlich bereits getestet worden. Generell müsse man aber bei der Nutzung von Internet-Protokollen im All mit Verbindungsunterbrechungen, langen Signalverzögerungen und großen Ausbreitungsverlusten kämpfen. Als mögliche Lösung – auch für IP-Verkehr über interplanetare Distanzen hinweg – werde deshalb über die Einrichtung eines so genannten „Disruption Tolerant Network“ 
diskutiert. In einem solchen Netzwerk, das als Overlay-Struktur in TCP/IP integriert werden könnte, speichern die einzelnen Knoten die Datenpakete so lange, bis sie wieder eine Verbindung zum jeweils nächsten Knoten haben. (wst)

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