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Weltraumstrategie: EU-Kommission rüstet sich für Cyberattacken im All

Mit neuen Diensten und einem "wachstumsfördernden Umfeld" für Startups will die EU-Kommission über eine Weltraumstrategie die "führende Rolle" Europas in der Raumfahrt stärken und kritische Infrastrukturen besser schützen.

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Weltraumstrategie: EU-Kommission rüstet sich für Cyberattacken im All

Künstlerische Darstellung einer Ariane 6 mit vier Boostern.

(Bild: ESA–David Ducros, 2016)

Die EU-Kommission will die bestehenden Programme zur Raumfahrt und das Geschäft mit Satelliten, Trägerraketen und damit zusammenhängenden Diensten und Einsätzen erstmals bündeln und ausweiten. Sie hat dazu am Mittwoch erstmals eine Weltraumstrategie auf den Weg durch die anderen EU-Gremien gebracht und reagiert damit nach eigenen Angaben "auf den zunehmenden globalen Wettbewerb, die wachsende Rolle des privaten Sektors und weitreichende technologische Veränderungen".

Mit der Initiative schlägt die Brüsseler Regierungseinrichtung eine Reihe von Maßnahmen vor, mit denen Europa die Möglichkeiten des Weltraums "optimal nutzen" können soll. Geschaffen werde etwa ein "wachstumsförderndes Umfeld für Raumfahrt-Startups, heißt es bei der Kommission. Dies bezieht sich etwa auf einen Risikokapital-Dachfonds. Europa solle befähigt werden, "seine führende Rolle in der Raumfahrt zu festigen" und seinen Weltmarktanteil in diesem Bereich zu steigern.

Die EU selbst plant im Rahmen der Strategie, in den nächsten zehn bis 15 Jahren für ihre Programme Galileo und Copernicus mehr als 30 Satelliten zu starten. Damit soll ein eigenes globales Satellitennavigationssystem entstehen und das Programm zur Erdbeobachtung ausgebaut werden. Die Kommission sieht darin vor allem eine "Chance für die wirtschaftliche Tragfähigkeit künftiger in Europa gebauter Trägerraketen wie Ariane 6 und Vega C". Sie will dabei selbst als "intelligente Abnehmerin auftreten und ihren Bedarf an Trägerdiensten bündeln". Zugleich müsse der "Zugang europäischer Unternehmen zu den Weltmärkten" stärker unterstützt werden.

Ariane 6 (6 Bilder)

Die Ariane 6 soll in zwei Konfiguartionen starten, einmal mit zwei Boostern (A62) und einmal mit vier (A64).
(Bild: ESA–D. Ducros, 2014)

Die Brüsseler Institution kündigte zudem an, einen "umfassenden EU-Weltraumlageerfassungsdienst" auf die Beine stellen zu wollen. Damit sollen "kritische Raumfahrtinfrastrukturen" vor Weltraummüll, Wetterunbilden im All und Cyberattacken besser geschützt werden. Mit einem geplanten europäischen Aktionsplan im Verteidigungsbereich will die Kommission zudem eine Initiative starten, um "zuverlässige, sichere und kosteneffiziente Satellitenkommunikationsdienste für EU- und nationale Behörden sicherzustellen".

Ein Schwerpunkt der Strategie liegt darauf, dass die bereits größtenteils kostenlos verfügbaren Weltraumdaten auch vom Markt genutzt werden, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor. Die Raumfahrtprogramme der EU sollen über spezielle Plattformen "unter Federführung der Branche selbst" für weitere Dienste sorgen, die für gemeinsame europäische Prioritäten wie Sicherheit und Verteidigung sowie die Bekämpfung des Klimawandels beflügeln. Gefördert werden soll die Nutzung von Galileo in Mobilgeräten und kritischen Infrastrukturen, entlegene Gebiete sollen dank Datenverbindungen aus dem All besser ans Internet angebunden werden.

Elżbieta Bieńkowska, die für Binnenmarkt und Unternehmen zuständige EU-Kommissarin, betonte, dass die Raumfahrt als Schlüsselbranche einen "strategischen Vorteil für Europas Handlungsfreiheit auf globaler Ebene" biete. Es brauche aber mehr Gründer und private Investitionen, um sie global wettbewerbsfähig zu halten. Schon heute würden Weltraumdaten etwa benötigt, um mobil zu telefonieren, mit Navigationssystem Auto zu fahren oder den Flugverkehr zu steuern. Sie leisteten Hilfe bei der Grenzsicherung oder beim Retten von Menschenleben auf dem Meer.

Parallel hat die EU zusammen mit der Europäische Weltraumorganisation (ESA) ihre "gemeinsame Vision" für eine Raumfahrtpolitik in einer gesonderten Erklärung dargelegt. Dieser Schritt soll zeigen, welch große Bedeutung beide Seiten der "engen und integrierten" Kooperation auf diesem Feld beimessen. (Stefan Krempl) / (mho)

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