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Welttag der Poesie: Im Versschritt Marsch

Der Welttag der Poesie soll an die Vielfalt des Kulturguts Sprache erinnern. Aber braucht es in Zeiten digitaler Assistenten und Bots mit künstlicher Intelligenz für die Dichtung überhaupt noch den Menschen?

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Welttag der Poesie: Im Versschritt Marsch

(Bild: Pixabay / CC0)

Ene, mene, miste.
Es rappelt in der Kiste.
Ene, mene, mei.
Der Reim ist jetzt vorbei.

(Siri auf die Frage, ob sie ein Gedicht kennt.)

Am 21. März findet erneut der Welttag der Poesie statt und will der kurzen Form eine Stimme verleihen. Die UNESCO rief den Tag erstmals im Jahr 2000 ins Leben. Mit Lyrikline eröffnete erstmals 1999 ein Portal, das die älteste Kunstform mit dem Internet verband. Aber haben Instagram, Facebook und Co. nicht längst das gute alte Poesiealbum ersetzt? Wie lyrisch begabt sind Siri, Cortana und Alexa? Ergibt es überhaupt noch Sinn, sich selbst in einen Zustand zu versetzen, der in einem lyrischen Taumel wandelt – schließlich haben sich längst künstliche Intelligenzen auf lyrische Reisen begeben.

Es ist erstaunlich: Immer wieder tauchen Gedichte in der politischen Wirklichkeit auf und erregen Empörung und Diskussionen. Erinnert sich noch jemand an Günter Grass, der kurz vor seinem Ableben mit Gedichten für Wirbel sorgte? Näher dran am Heute sind das justiziable Schmähgedicht auf Erdogan von Jan Böhmermann und jüngst der Disput um ein Werk von Eugen Gomringer – was auch auf Telepolis Erwähnung fand. Das Wandgedicht eckte an und die Hochschule in Berlin fand einen beinahe salomonischen Weg, um mit dem unter Sexismus-Verdacht stehenden Werk der konkreten Poesie „Avenidas“ umzugehen. Aber vor allem regte die Diskussion etliche Internet-Aktive an, sich selbst in der kurzen Form auszutoben und konkret Poesie hervorzubringen.

Nun feiern wir am Geburtstag des deutschen Schriftstellers Jean Paul (eigentlich Johann Paul Friedrich Richter) erneut den Welttag der Poesie. Die zentrale Veranstaltung findet im Haus für Poesie in Berlin statt. Aber auch sonst sollen Lesungen, Ausstellungen und poetische Auslieferungen in diversen Medien für mehr lyrisches Bewusstsein sorgen. Dabei erblickte die Plattform Lyrikline schon früh das Internet-Licht der Welt. Der Slogan: "Listen to the poet!“

Oder hören wir doch lieber einem Bot zu? Die Seite Botpoet bietet einen Turing-Test: Stammt das Gedicht von einem Elektronengehirn oder einem Menschen? Ein Beispiel:

Süße Anna Scampers
Ein Pfau, der den Jüngsten Tag verpfändet.
Führt uns in die Irre.
Wir skaten, wir winden uns und verlegen dann die Lust.
Kein Bariton ist Nebelhorn
Keine Whirlpool-Schiebemelodien
Kein Anzug ist Geflügel für volle Werwolfmonde.
Die Unruhen entlasten unsere Proteste.
Der Cashew fühlt sich so hell an.
Saturn wird seinen eigenen Flug nicht vergessen.
Die Trauer lässt uns spotten.
Der Granit klingt so süß.
Anna Scampers in ihren Strumpffüßen

(Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator.)

Die Auflösung bleibe ich lieber schuldig, denn die Antwort könnte Teile der Leser verunsichern.

Zumindest Apples Siri zögert noch mit eigenen Werken, auch am heutigen Poesie-Tag. Auf die Frage, ob sie ein Gedicht erzählen kann, antwortet die Sprachassistentin: "Das übersteigt möglicherweise meine Fähigkeiten." Also müssen wir wohl doch wieder selber ran und zum Welttag die Synapsen in lyrische Wallungen versetzen. Oder wir sparen uns die Mühe und bedienen uns zum Abschluss des Poetron – besser hätten wir es ja auch nicht gekonnt:

Ein Abschied dem Depp
Die Geliebte streichle.
Sie streichle und sie buddle!
Ach Heise, gehaßtes Wesen du,
Wozu die Welten jetzt ernähren?
Die Narrenzeit vergeht,
Es streicheln die allmählichen Elektronenhirn,
Und ewiger Unfug vergiftet die Seelen!

(Gedicht Nummer 10339808) (olb)

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