Weltwetterorganisation: "Wir sind weit entfernt von den Pariser Klimazielen"

Hitze, Wirbelstürme und schmelzendes Eis: Die Weltorganisation für Meteorologie warnt in ihrem Jahresbericht vor den Folgen des Klimawandels für alle.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 91 Beiträge

(Bild: Elizabeth A.Cummings/Shutterstock.com)

Von

Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hat sich in die Phalanx der internationalen Gremien eingereiht, die wegen des zunehmenden Klimawandels Alarm schlägt. In ihrem am Dienstag veröffentlichten Bericht zum "Zustand des globalen Klimas 2019" zeichnet die in Genf angesiedelte UN-Institution anhand aktueller Wetterdaten aus aller Welt ein gruseliges Bild der massiven Folgen des Umschwungs des Klimas auf "alle Bereiche der Umwelt sowie auf die Gesundheit und das Wohlergehen der globalen Bevölkerung".

"Die Treibhausgaskonzentration befindet sich auf dem höchsten Stand seit drei Millionen Jahren", erklärte Uno-Generalsekretär Antonio Guterres bei der Präsentation der Studie in New York. Damals sei die Erdtemperatur drei Grad höher gewesen als heute, der Meeresspiegel sogar rund 15 Meter. Der Portugiese konstatierte: "Wir tragen die Kosten mit Menschenleben, Ereignisse wie Dürren, Waldbränden, Überschwemmungen sowie extreme Stürme fordern ihren tödlichen Tribut."

Zeichen des Klimawandels wie die zunehmende Erwärmung des Lands und der Ozeane, steigende Meeresspiegel und schmelzendes Eis etwa an den Polen sind laut dem Bericht nicht mehr zu übersehen. Auch die Auswirkungen ungewöhnlicher Wetter- und Klimasituationen auf die sozioökonomische Entwicklung, die menschliche Gesundheit, Migration, Lebensmittelsicherheit und Ökosysteme könnten nicht mehr verleugnet werden.

Die CO2-Konzentration habe auf der leitenden WMO-Messstation in Mauna Loa auf Hawaii im Januar und Februar schon wieder neue Höchststände erreicht, teilte der Generalsekretär der Weltwetterorganisation, Petteri Taalas, mit. Das britische Meteorologieamt schätze, dass die globale Temperatur in den fünf Jahren 2020 bis 2024 zwischen 1,06 und 1,62 Grad Celsius über dem Stand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts liegen werde. Guterres warnte, dass die Welt "weit davon entfernt ist, die 1,5 oder 2-Grad-Ziele zu erreichen", die das Pariser Abkommen anvisiere.

Der Bericht bestätigt, dass 2019 das zweitwärmste bisher aufgezeichnete Jahr und die Dekade 2010 bis 2019 die wärmste war. Seit den 1980ern sind alle nachfolgenden Jahrzehnte wärmer gewesen als Vergleichsabschnitte in vorindustriellen Zeiten. Neben dem Hitzesommer in Australien mit verheerenden Buschbränden verweisen die Autoren auf neue Hitzerekorde in mehreren europäischen Ländern wie Frankreich, Deutschland und Großbritannien. Selbst vor skandinavischen Ländern habe die Hitzewelle nicht haltgemacht, sodass in Helsinki erstmals 33,2 Grad gemessen worden seien.

Die globale Erwärmung im Zeitraffer (Quelle: NASA Climate Change)

In Japan sind laut den erhobenen Statistiken über 100 Menschen aufgrund der hohen Temperaturen gestorben, in Frankreich sogar 1462. Aedes-Mücken und andere Moskitos breiten sich in dem wärmeren Klima aus – sie übertragen etwa das Denguefieber-Virus. In Polarregionen wie Sibirien, Alaska und in der Antarktis brannte es stärker als sonst, Feuer hätten zudem etwa in Indonesien und in Südamerika gewütet. Zugleich gab es Überflutungen nie gekannten Ausmaßes in vielen Teilen der Welt. Die dadurch verursachten Schäden betrugen Schätzungen zufolge allein in den USA rund 20 Milliarden US-Dollar. Überdurchschnittlich war 2019 auch die Zahl tropischer Wirbelstürme. Weltweit sind 6,7 Millionen Menschen durch Naturkatastrophen vertrieben oder ihrer Unterkünfte beraubt worden.

"Wir müssen die Ziele für die nächste Klimakonferenz in Glasgow im November hochstecken", mahnte Guterres im Blick auf das UN-Treffen COP26. Alle Staaten sollten zeigen, dass sie ihre Emissionen in dieser Dekade um 45 Prozent gegenüber 2010 senken könnten. Es gehe darum, bis 2050 klimaneutral zu sein. "Wir werden den Klimawandel nicht mit einem Virus bekämpfen können", machte der UN-Generalsekretär zugleich mit Blick auf das neuartige Coronavirus klar. Beide Bedrohungen müssten gleichermaßen bekämpft werden. Die von Covid-19 ausgehende Gefahr sei aber voraussichtlich temporär, während der Klimawandel über die nächsten Jahrzehnte hinweg ständiges Handeln erfordere. (mho)