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Weltwirtschaftsforum: Blockchains als "schlagendes Herz" der Finanzwelt

Der Hype um die Blockchain-Technik in der Finanzwelt ist groß. Und das ist auch berechtigt, sagt eine aktuelle Studie des Weltwirtschaftsforums. Derzufolge werden die dezentralen Kassenbücher eine zentrale Rolle in der Finanzwelt der Zukunft spielen.

Weltwirtschaftsforum: Blockchains als "schlagendes Herz" der Finanzwelt

(Bild: WEF)

Ein neue Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF) sieht die Blockchain-Technik künftig als zentralen Teil der weltweiten Finanzinfrastruktur. Demnach werden bereits im Jahr 2017 vier von fünf Banken mit der Technik experimentieren, prognostizieren die Autoren der Studie. So könnte die Blockchain zum "schlagenden Herzen der Finanzwelt“ werden, heißt es gar in einer Pressemitteilung des WEF zur Studie.

Die Potenziale sehen die Autoren der Studie vor allem "unter der Haube“ der Banken, also etwa bei Buchungsprozessen und Handelsabwicklung, von denen man so als Privatkunde nur das Ergebnis mitbekommt. Effizientere Banken könnten dann aber auch zu günstigeren Gebühren für Endkunden führen, meint das WEF. Neue Finanzprodukte oder eigene Währungen im Stile des Bitcoins seien aber eher nicht zu erwarten. Das als Stiftung organisierte WEF ist vor allem für sein jährliches Treffen in Davos bekannt, bei dem Spitzen aus Politik und Wirtschaft zusammenkommen.

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Insgesamt neun verschiedene Geschäftsfelder der Finanzwelt wurden dabei auf die Möglichkeiten des Blockchain-Einsatzes hin analysiert. Dabei sieht das WEF sowohl im Bereich globaler Überweisungen und des Aktienhandels große Möglichkeiten, aber auch bei spezielleren Wertpapierformen wie Coco-Bonds oder bei der Abwicklung syndizierter Kredite. Bei letzteren beiden sei insbesondere auch die Möglichkeit interessant, Vereinbarungen in Form von Programmcode auf einer Blockchain zu automatisieren („Smart Contracts“).

Insgesamt könnten die Prozesse verschlankt und beschleunigt werden, die Kommunikation mit Aufsichtsbehörden ließe sich vereinfachen und Betrugsrisiken könnten ebenfalls minimiert werden, prophezeit das WEF. Mangel an verbindlichen Standards und gesetzlichen Vorgaben sowie Zweifel an der Skalierbarkeit der Technik sieht man als größte Hindernisse für die Durchsetzung. Insgesamt werde es noch einige Zeit und Aufwand erfordern, bis die Technik wirklich marktreif sei.

Beispiele für erfolgreiche Tests finden sich aber bereits: So hatte etwa der deutsche Versicherungsriese Allianz kürzlich einen erfolgreichen Test mit Handel sogenannter Katastrophen-Anleihen auf Blockchain-Basis durchgeführt. Handelsabwicklung und Verwaltung dieser Wertpapiere lasse sich so erheblich vereinfachen und beschleunigen; besonders der Wegfall der "menschlichen Intervention“ sagte dem Konzern zu.

In Sachen weltweiter Überweisungen demonstrierten der kanadische Finanzdienstleister ATB und die deutsche Reisebank, wie so etwas ablaufen kann: 1000 kanadische Dollar wurden dabei in 20 Sekunden von einem Institut ans andere überwiesen. Laut Pressemitteilung hätte die Transaktion in konventioneller Form zwei bis sechs Geschäftstage benötigt. Zum Einsatz kam dabei Blockchain-Technik des Startups Ripple; der Software-Konzern SAP war ebenfalls an dem Test beteiligt.

Als Blockchain bezeichnet man eine verteilte Datenbank, in der Einträge in chronologisch aufeinanderfolgenden Datenblöcken festgehalten werden. Durch kryptografische Signaturen ist dabei die Fälschungssicherheit der Einträge garantiert. Das wohl bekannteste Nutzungsszenario ist die Kryptowährung Bitcoin, bei der alle Guthaben und Transaktionen in einer solchen öffentlich einsehbaren Blockchain dokumentiert sind. Einträge in diese Blockchain kann prinzipiell jeder vornehmen, der genug Rechenkapazität für die Erzeugung eines Proof of Work beim sogenannten Mining bereitstellt.

Durch seinen P2P-Charakter soll der Bitcoin Banken prinzipiell überflüssig machen können. Die Blockchain-Experimente der Finanzindustrie, beispielsweise beim Startup R3 CEV, an dem sich zahlreiche Großbanken beteiligen, zielen natürlich auf das Gegenteil. Das WEF beziffert die Summe an Risikokapital, das in entsprechende Startups geflossen ist, auf inzwischen 1,4 Milliarden US-Dollar in den letzten 3 Jahren. Die Banken hoffen natürlich eher, künftig Vermittler, Rechnungsprüfer, Clearingstellen und wohl auch einige Mitarbeiter durch Blockchains einsparen zu können – aber nicht sich selbst. (axk)

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