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Wenn Computer-Oldies nicht mehr wollen [Update]

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Retro-Charme im Dortmunder Hauptbahnhof: Alle Anzeigen und Info-Monitore sind ausgefallen, die Reisenden werden per Lautsprecher über einfahrende Züge und Verspätungen informiert, zusätzliche Service-Kräfte beantworten Fragen direkt an den Bahnsteigen. Schuld ist der Ausfall des Rechners, der das Kernstück der Informationsanlage des Bahnhof bildet -- seit über 20 Jahren.

Das Anzeigesystem wurde von einer Fachbabteilung der Bahn Anfang der 80er Jahre eingerichtet -- die Steuerungsaufgaben übernahm ein Intel-310-System mit einem 80286-Prozessor und dem einst von Microsoft angebotenen Unix-Derivat Xenix. Die Festplatte des Rechners ist jetzt ausgefallen und nicht mehr in Gang zu setzen. Die Originalsoftware sei zwar noch vorhanden, könnte aber auch nicht mehr aufgespielt werden, selbst wenn die Hardware in Gang gesetzt werden könnte. Das System stammt ursprünglich von der Schweizer Firma Autophon, die seit 15 Jahren nicht mehr im Geschäft ist. In den letzten Jahren hatte der Dortmunder Bahnhof die Ersatzteile von anderen Bahnhöfen bezogen. Die Deutsche Bahn AG hatte die Wartung der Anlagen ausgegliedert. Experten der jetzigen Vertragsfirma aus München untersuchen seit dem gestrigen Mittwoch das Problem.

Sollte der Rechner nicht mehr in Stand gesetzt werden können, wird der Hauptbahnhof wohl längere Zeit auf Anzeigetafeln verzichten müssen: Drei Millionen Euro würde eine komplett neue Anlage kosten. Da der Bahnhof in den nächsten Jahren umgebaut werden soll, wird diese Investition wohl noch einige Zeit hinausgeschoben werden. Bislang gebe es durch den Ausfall keine größeren Probleme, die Reisenden zeigten Verständnis für die Situation, versicherte ein Bahn-Sprecher. Allerdings müssen sehr viel mehr Arbeitskräfte eingesetzt werden, eine Dauerlösung ohne Anzeigetafeln ist nicht in Sicht. Derzeit versuchen die Experten eine provisorische Lösung auf Basis eines herkömmlichen PCs zu programmieren, sodass die Anzeigetafeln zumindest per Hand gesteuert werden können.

Die Berichterstattung über den Ausfall hat schon zahlreiche Hilfsangebote an die Bahn zur Folge. "15 Leute haben sich schon bei uns gemeldet -- vom Computerclub bis zur Universität", berichtet Bahn-Pressesprecher Gerd Felser. Viele Hilfsangebote liefen allerdings ins Leere, da in ersten Berichten von einem ausgefallenen Commodore C64 die Rede war -- eine zumindest im Vergleich zum tatsächlich verwendeten Intel-System heute noch häufig eingesetzte Hardware. (Torsten Kleinz) / (jk)