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Wer bekommt wie viele der restlichen IPv4-Adressen?

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In weniger als 500 Tagen vergibt die Internet Assigned Numbers Authority (IANA) die letzten IPv4-Adressen an die regionalen IP-Adressregistries (RIRs). Der globale Vorrat ist inzwischen auf 20 Blöcke à 16.777.214 Adressen (/8-Adressblock ) zusammengeschrumpft. Beim 60. RIPE-Meeting in Prag in dieser Woche wurde daher intensiv diskutiert, wie die letzten Adressen verteilt werden soll. Vom letzten Block soll jeder nur noch ein kleines Stück bekommen.

Der letzte /8-Block soll in über 16.000 /22-Teilblöcke (mit je 1022 Adressen) aufgebrochen werden und jedes LIR-Mitglied (Local Internet Registry ) bekommt nur einen Block. Bei aktuell rund 6800 LIRs bliebe damit ausreichend Reserve für neue Marktteilnehmer, die in den nächsten Jahren hinzukommen, sagte Alain Bidron von der France Telecom. Warum der letzte Block nicht ausschließlich für die Neuen reserviert ist? "Alle anderen benötigen für die Migration auch IPv4-Adressraum zur Übersetzung zwischen IPv4 und IPv6", antwortete Bidron.

Ein /22-IPv4-Block reicht für diese Übersetzungszwecke gut aus. Ganz ohne IPv6-Adressen geht dann allerdings endgültig nichts mehr. So müssen diejenigen, die wegen eines der raren IPv4-Blöcke anklopfen, auch nachweisen, dass sie bereits einen IPv6-Block besitzen. providerunabhängige Zuteilungen wird es gar nicht geben.

Umstritten ist, wann der operative Arm des RIPE (RIPE NCC) mit dieser Art von Zuteilung starten soll. Bidrons Vorschlag sieht vor, dass der Schalter erst umgelegt wird, wenn wirklich nur noch 16.777.214 IP-Adressen vorhanden sind. Andere regionale IP-Adressregistries (RIRs) starten schon, wenn alle fünf RIRs ihren letzten Block von der IANA bekommen.

Auch für diesen Tag X, der Tag an dem IANA nur noch fünf Blöcke hat, gibt es eine neue Regel. Jede IP-Adressregistry bekommt dann genau noch ein Stück. Sollte das RIPE am Tag X aber noch über mehr Adressraum verfügen, als ein /8-Block bietet, will man weiter nach Bedarf vergeben. Man kann sich vorstellen, welcher Run auf die letzten Adressen entsteht. Schon jetzt rechnen Experten damit, dass der Tag X dadurch letztlich noch deutlich schneller kommt.

Wer von den 16.000 Restblöcken nichts bekommt, der steht am Ende ausschließlich mit IPv6-Adressen da. Gegen einen Schwarzmarkt-Handel mit IPv4-Adressen habe die nordamerikanische Registry ARIN wirksame Maßnahmen getroffen, so deren Chef John Curran. Wer mit Adressen handelt, ohne ARIN dabei einzuschalten, mache sich strafbar und muss seine Adressen zurückgeben. ARIN hat für Transfers ein härteres System eingeführt als die RIPE-Mitglieder. Eine heikle Frage müssen die RIRs noch unter sich ausmachen: ARIN will künftig IPv4-Adressen, die an die Registry zurückgegeben werden, nicht mehr zwangsläufig an die IANA durchreichen. Bislang habe man Rückläufer vom US-Militär, von der Uni Stanford und anderen Stellen jeweils in den allgemeinen Pool zurückgegeben.

Gerade weil die letzten /8-Blöcke nicht mehr nach Bedarf vergeben werden, behält ARIN sich vor, die Adressen selbst zu behalten. "Wenn die anderen entscheiden, dass sie diese Adressen meistbietend versteigern", sehe ARIN keinen Anlass, diese Adressen zurückzugeben. Unklar ist nach wie vor, wie die IANA die Rückläufer wieder unter das Volk bringt. Letztlich spielen alle Endzeitszenarien keine Rolle, kommentieren viele Experten: Ob die bislang bekannte Welt zwei oder drei Monate später untergehe, spiele keine Rolle, meint etwa Rüdiger Volk, Routing-Experte der Deutschen Telekom. Der Leiter der Address Policy Working Group Gert Döring findet die Botschaft sei schlicht: "IPv4 geht zu Ende, IPv4 geht zu Ende, IPv4 geht zu Ende." (Monika Ermert) / (rek)

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