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Werbe-Tracking: Facebooks Kooperation mit Datenhändlern in der Kritik

Rund 600 Informationskategorien bezieht Facebook einem Bericht nach von großen Auskunfteien wie Acxiom oder Datalogix, um Anzeigen etwa auch auf das Einkommen der Nutzer zuzuschneiden. Da geschehe nicht transparent, rügen Bürgerrechtler.

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Werbe-Tracking: Facebooks Kooperation mit Datenhändlern in der Kritik

(Bild: dpa)

Facebook reichert eigene Nutzerprofile mit den umfangreichen Informationsbeständen großer Datenhändler wie Acxiom oder Datalogix aus dem Offline-Leben an. Das ruft nun Kritiker auf den Plan. Facebook verschweige den Nutzern, welch detaillierte und umfangreiche Angaben sie von den Auskunfteien bezögen, rügte Jeffrey Chester, Geschäftsführer des Center for Digital Democracy (CDT), gegenüber der US-Nachrichtenplattform ProPublica. "Sie sind nicht ehrlich."

Facebook verknüpfe Bestände von bis zu zwölf verschiedenen Datenbrokern, um Anzeigen stärker auf die Lebenssituation und Interessen der Nutzer zuzuschneiden, führte Chester aus. Jeder User sollte genau wissen, woher welche dieser Informationen stammten und wie Facebook damit umgehe. Eine Beschwerde dazu an die US-Handelsaufsicht Federal Trade Commission (FTC) sei bislang unbeantwortet geblieben.

ProPublica hat nach eigenen Angaben eine Liste mit rund 29.000 Informationskategorien bezogen, die Facebook Werbekunden an die Hand gibt, und bietet diese auch zum Download an. Knapp 600 davon stammten laut zugehöriger Beschreibung von Auskunfteien, mit denen Facebook seit 2012 zusammenarbeitet.

Die meisten Nutzer-Kategorien erstellt Facbook selbst anhand der Klicks und Likes innerhalb des Netzwerks und auf damit verknüpften Webseiten. Da das Portal auch als Authentisierungspartner über den Dienst OAuth 2.0 gern von anderen Online-Akteuren genutzt wird, kann es auch auf diesem Weg viele personenbezogene Daten sammeln und auswerten. Bekannt ist zudem, dass das Unternehmen User etwa über eine noch vergleichsweise junge Funktion namens "Local Awareness" bis in Geschäfte hinein verfolgt.

Die Daten, die Facebook bei den wenig transparenten Brokern einkauft, sollen sich vor allem auf verfügbare Einkommen, besuchte Restaurants und Geschäfte oder verwendete Kundenbindungs- sowie Kreditkarten beziehen. ProPublica hatte Leser schon im September aufgefordert, Informationen zu Interessenkategorien einzusenden, die das Netzwerk ihnen zuweist und auch zugänglich macht. Dabei kamen insgesamt über 52.000 Attribute zusammen. Dazu zählten etwa zugeschriebene Neigungen, dem Nachwuchs "öffentlich die Brust zu geben". Die extern erstandenen, größtenteils finanziellen Datenattribute tauchten in dem Crowdsourcing-Experiment dagegen nicht auf.

Facebook informiert Mitglieder über eine Hilfe-Webseite zum Teil darüber, welche Auskunfteien in welchen Ländern genutzt werden. Mit Links aufgeführt sind dabei aber nur Broker, die "zugestimmt haben, ein Abbestellformular auf ihren Webseiten anzubieten". Für die USA weist der Konzert dort sechs Firmen aus, für Deutschland mit Acxiom nur eine. Über diese Referenz lässt sich nur Auskunft erbitten, welche personenbezogen Informationen das Unternehmen über einen Fragesteller gespeichert hat. Generell schätzen es Experten als schwierig ein, aus den Datenbanken einer Auskunftei tatsächlich herauszukommen.

Eine Facebook-Sprecherin wies den Vorwurf der mangelnden Transparenz zurück. Wer keine zielgerichtete Werbung sehen wolle, könne diese über die Voreinstellungen ausblenden, erklärte sie dem US-Magazin IBTimes. Das Portal tue dann sein Bestes, dem Wunsch nachzukommen. Andere Nutzer könnten über ein Dropdown-Menü auf einer Facebook-Anzeige weitere Angaben erhalten, wieso gerade dieser Banner serviert werde. Darüber soll teils auch ersichtlich werden, ob ein Mitglied "zu einer Zielgruppe gehört, die von unseren Partnern an Facebook geliefert wurde". (Stefan Krempl) / (anw)

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