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Werbeausgaben: Online schlägt TV

Die europäische Online-Werbeindustrie hat erstmals mehr Einnahmen zu verzeichnen als die TV-Konkurrenz. Dem Problem der Werbeblocker will der Verband Interactive Advertising Bureau nun mit einem neuen Scoring-System entgegenwirken.

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Werbeausgaben: Online schlägt TV

(Bild: IAB Europe)

Der Online-Werbemarkt wuchs 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent auf insgesamt 36,2 Milliarden Euro. Auf dem Fernsehmarkt wurden demnach nur 33,3 Milliarden Euro umgesetzt. Damit liegt online erstmals vor TV, geht aus neuesten Zahlen hervor, die der Verband Interactive Advertising Bureau nun vorgelegt hat.

Größter europäischer Markt für Online-Werbung ist laut IAB Europe Großbritannien mit 11,8 Milliarden Euro Umsatz. Deutschland als zweitplatzierter Markt kam auf 5,8 Milliarden Euro. Nach wie vor den größten Anteil kann dabei das Suchmaschinenmarketing verzeichnen, über das 16,9 Milliarden Euro eingespielt wurden. Stärker wächst aber das Display-Advertising, bei dem beispielsweise Banner auf Webseiten platziert werden: In diesem Bereich wurden 2015 insgesamt 13,9 Milliarden Euro umgesetzt. Insbesondere Video- und Mobilwerbung tragen zu dem Wachstum bei.

Den Umsatzrekorden stehen jedoch auch andere Zahlen entgegen. So verkündete die deutsche Firma Eyeo auf der Konferenz Techcrunch Disrupt in New York, dass mittlerweile auf 100 Millionen Geräten weltweit der Werbeblocker Adblock Plus installiert sei. Eine Zusammenarbeit mit dem Unternehmen lehnen die Spitzenvertreter der Werbebranche aber weiterhin ab.

In Lissabon stellte IAB-Präsident Randall Rothenberg stattdessen die nächsten Schritte der verbandseigenen LEAN-Initiative vor, mit der Werbung deutlich schlanker und weniger invasiv als heute gestaltet werden soll. So sehen die neuen Richtlinien vor, dass Video-Werbung spätestens nach 15 Sekunden übersprungen werden kann.

Um die vielfältigen an der Werbeausspielung beteiligten Firmen auf die unverbindlichen Leitlinien einzuschwören, sollen Werbetreibende und Publisher künftig in einem "LEAN-Score" bewertet werden. In dieser Rangliste sollen Faktoren wie Ladezeiten und Dateigrößen, aber auch das Berücksichtigen von Kundenwünschen einfließen. Aber auch wer mit Skripten das Laden von Webseiten verzögert, soll in dieser Wertung abgestraft werden.

Die öffentliche Liste soll es Publishern ermöglichen, besser bezahlte Werbung anzuziehen, wenn sie ihre Kunden nicht mit aggressiver Werbung überladen. Gleichzeitig sollen auch die Werbetreibenden und die von ihnen beauftragen Werbeagenturen bewertet werden, so dass die Betreiber lästige Werbung ablehnen können. (Torsten Kleinz) / (anw)

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