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Werbebetrug mit Apps: Google wirft Hersteller aus Play Store

Wegen Werbebetrugs hat Google zahlreiche Apps entfernt, darunter auch den beliebten Dateimanager ES File Explorer.

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(Bild: dpa, Britta Pedersen)

Weil mehrere Apps des Herstellers Do Global eine Software für Werbebetrug enthielten, hat Google die Programme des chinesischen Anbieters aus dem Play Store entfernt. Betroffen von der Löschaktion ist augenscheinlich auch der populäre ES File Explorer. Das Unternehmen – eine Ausgründung des Internetkonzerns Baidu – gelobt unterdessen Besserung.

Eine Recherche des US-Magazins Buzzfeed News hat enthüllt, dass sich in mehreren Apps des Herstellers Betrugsroutinen verbargen, die Klicks auf Werbebanner vortäuschten und den Eigentümern auf diese Weise unzulässige Werbeeinnahmen zuschusterten.

Die Betrugssoftware ist laut Analyse des Sicherheits-Spezialisten CheckPoint sehr ausgefeilt. So werden den drei betroffenen Werbenetzwerken jeweils mit separaten Routinen Klicks auf ihre Banner vorgetäuscht. Die genaue Konfiguration und Handlungsanweisungen erhält die Werbebetrugs-Software von einem Kontroll-Server. Auch wenn sich die Apps nicht im Vordergrund befinden, erzeugen sie weiterhin Pseudo-Klicks und leeren somit die Akkus der Geräte, auf denen sie installiert sind.

Betroffen war unter anderem die App "Selfie Camera", die laut Play Store über 50 Millionen Mal installiert worden war und zum Schluss eine Gesamtwertung von 4,5 Sternen erreichte. Die Betrugssoftware wurde ebenfalls in den Apps Omni Cleaner, RAM Master, Smart Cooler, Total Cleaner und AIO Flashlight entdeckt, die zusammen auf über 40 Millionen Installationen kamen.

Neben dem Werbebetrug hat Buzzfeed News auch andere Verstöße gegen die Geschäftsbedingungen des Play Store festgestellt. So verbarg sich der Hersteller hinter unterschiedlichen Firmenbezeichnungen und gab jeweils andere Kontaktdaten an. Zudem versuchten die Apps zu verbergen, wie viele persönliche Daten sie sammelten und was mit den Daten geschehen sollte.

Laut Buzzfeed hat Google im Laufe der Recherche neben den untersuchten Apps auch 40 weitere Apps aus dem Play Store verbannt, die ebenfalls von Do Global stammen. Ebenfalls verschwunden ist der beliebte Dateimanager ES File Explorer, der nach mehreren Eigentümerwechseln auch im Portfolio von Do Global aufgeführt war.

Das Unternehmen gelobt unterdessen Besserung. Die Homepage des Unternehmens führt derzeit nur noch ein Statement auf, in dem "Unregelmäßigkeiten" in einigen Apps eingeräumt werden. "In Zukunft werden wir uns strikt an alle relevanten Regulierungen halten und eine strenge Prüfung unserer Produkte durchführen", heißt es darin.

Buzzfeed untersucht derzeit fast 5000 der populärsten Apps im Play Store zusammen mit verschiedenen Security-Anbietern systematisch nach potenziellem Missbrauch. Dabei werden Apps gezielt unter die Lupe genommen, die besonders viele weitreichende Rechte beim Nutzer anfordern, obwohl dies für den eigentlichen Funktionsumfang des Programms unnötig wäre. Der Hersteller Kika Tech, dessen Apps nach einer vorangegangenen Recherche wegen Werbebetrugs gesperrt waren, kann die betroffenen Apps mittlerweile wieder auf Google Play publizieren. (axk)