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Werbedisplays mit Gesichtserkennnung auch in Real-Märkten

In Märkten der Kette Real testet man Kameras, die Kunden vor Werbedisplays erfassen und auf Geschlecht und Alter analysieren. Das soll helfen, relevantere Werbung auf den Displays auszuspielen.

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Werbedisplays mit Gesichtserkennnung auch in Real-Märkten

(Bild: Echion)

In 40 Läden der Supermarktkette Real wird derzeit ein System getestet, mit dem Kunden analysiert werden, die auf Displays Werbung betrachten. Eine Kamera über dem Display registriere dabei alle Blickkontakte zu dem Bildschirm. Dabei würden Geschlecht und Alter des jeweiligen Betrachters sowie die Dauer des Blickkontaktes erfasst, erklärte ein Sprecher von Real gegenüber heise online. Zuerst hatte die Lebensmittelzeitung darüber berichtet.

Der Sprecher betonte dabei, dass Real die Tests nicht selber durchführe, sondern lediglich dem Unternehmen Echion, das die Werbedisplays betreibt, ein "Testfeld“ zu Verfügung stelle. Die Kunden würden durch Hinweisschilder darauf aufmerksam gemacht, dass in den Märkten videoüberwacht werde – einen konkreten Hinweis auf das Erkennungssystem gibt man offenbar aber nicht. Eine Möglichkeit, der Erfassung zu widersprechen, haben die Kunden nicht. Die Versuche liefen bereits seit vergangenem Herbst.

An die Server von Echion würden dabei aber nur die Metadaten aus den Erfassungen, also Anzahl der Betrachter, Geschlecht, Alter und Blickkontakte verschlüsselt übermittelt. "Die aufgenommenen Bilder werden rein automatisch ausgewertet und dann sofort wieder verworfen. Die Bilder sind nur für jeweils ca. 150 Millisekunden im Speicher und werden weder übertragen noch gespeichert“, hieß es. Damit werde weder das Recht am eigenen Bild angetastet, noch entstünden personenbezogenen Daten im Sinne des Bundesdatenschutzgesetzes, ist man sich bei Real sicher. Die Kette habe selber auch keinen Zugriff auf die Daten, die blieben allein Echion vorbehalten.

Sinn der ganzen Übung ist es, ausgespielte Werbung auf den Displays auf die Betrachter hin zu optimieren, was für relevantere Einblendungen sorgen solle. Außerdem soll es auch zur Messung von Werbewirkung dienen, damit Echion potenziellen Kunden die Wirksamkeit des Mediums "TV in der Kassenzone" schmackhaft machen könne. Insgesamt soll das System "binnen kürzester Zeit“ an insgesamt 1100 Bildschirmen in nahezu allen 285 Real-Filialen zum Einsatz kommen, erklärte der Echion-Chef Michael Kimmich laut der Lebensmittelzeitung. Real bestätigte das nicht.

Die eingesetzte Technik nennt sich "Adpack“ und stammt nicht von Echion selber, sondern vom Berliner Unternehmen Indoor Advertising (IDA). Vor rund einem Monat wurde publik, dass auch die Deutsche Post diese Art der Displays mit Gesichtserkennung zusammen mit IDA in mehreren Partnerfilialen in Berlin und Köln testet. IDA will eigenen Angaben nach ein ganzes Werbenetzwerk mit solchen Gesichtserkennungs-Displays aufbauen – automatischer Verkauf von Werbeplatzierungen inklusive. Das Tracking zu Reklamezwecken, wie man es aus dem Internet kennt, scheint sich immer mehr ins analoge Leben auszuweiten. Bei Echion spricht man schon von der Werbeform "Digital out of home". (axk)

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