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Werbung im mobilen Internet: Karibischer Provider blockt mit Shine

Ein neuer Schlag für die Werbeindustrie: Der Provider Digicel will Anzeigen in seinem Netz blockieren. Es sei denn, die Werbekonzerne zahlen auch an den Provider.

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Smartphone

Nach langem Suchen hat das umstrittene Startup Shine seinen ersten Provider-Kunden gefunden. Mit der Filtertechnik des das amerikanisch- israelische Unternehmens will der in der Karibik tätige Provider Digicell alle Werbung aus dem mobien Datentraffic ausfiltern.

Der Provider, der nach eigenen Angaben über 13 Millionen Kunden in über 30 Staaten hat, hat in Jamaica mit der Aktion begonnen. Eine Sprecherin erklärte gegenüber heise online, das bereits heute 2,2 Millionen Kunden in Jamaica keine Werbung mehr angezeigt werde. Die anderen Kunden sollen in den kommenden Monaten folgen. Eine Möglichkeit, der Werbeblockade zu widersprechen, haben Kunden nicht.

Umsatzbeteiligung an den Provider

Einerseits begründet das Unternehmen den Schritt damit, dass die Werbung bis zu zehn Prozent des Datenvolumens seiner Kunden verschlinge. Wichtiger ist jedoch die Erschließung einer neuen Einnahmequelle für den Provider. So erklärt Digicell-Chef Denis O’Brien in einem Statement: "Firmen wie Google, Yahoo, und Facebook reden zwar viel, wenn es darum geht, Breitband für alle anzubieten – aber sie investieren kein Geld in die Netze." Die US-Konzerne machten hingegen ungeniert Geschäfte mit dem Internetverkehr, den Provider wie Digicel erst ermöglichten.

An diesen Erträgen möchte Digicel beteiligt werden. Gegenüber der Seite Business Insider wurde der Provider deutlicher: Nur wenn die Werbeanbieter nicht zahlen, werden sie geblockt. Zusätzlich sollen die Konzerne einen Vertrag über die Art der ausgelieferten Werbung unterschreiben. Bisher habe kein Unternehmen auf das Angebot reagiert, erklärte Digicel.

Andere Methoden

Der Plan erinnert an eine Mischung aus dem Geschäftsmodell der Firma Eyeo, das Plätze auf der Whitelist mit nicht-nervender Werbung vermarktet. Auch alte Pläne von Providern wie der Deutschen Telekom, die US-Konzerne im Zuge der Netzneutralitätsdiskussion zur Kasse bitten wollten, erinnern an die Methoden von Digicel.

Andere Mobilfunkprovider beteiligen sich unterdessen direkt an dem Werbegeschäft: So verbindet Verizon seine Kundendaten mit so genannten Supercookies und vermarktet sie so an die Werbeindustrie. (jk)

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