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Werbung in Wikipedia: Wikimedia Foundation erteilt Wiki-PR Hausverbot

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Im Streit über bezahlte Artikel in der Wikipedia hat die Wikimedia Foundation nun juristische Schritte eingeleitet und der Firma Wiki-PR verboten, weiter in der Wikipedia tätig zu sein.

Die Firma war in der Wikipedia-Community aufgefallen, als Administratoren auf ein Netz von Nutzeraccounts stießen, die offenbar gezielt positive Änderungen an Artikeln vornahmen und dabei auch Manipulationen wie irreführende Quellenhinweise und koordinierte Abstimmungen vornahmen. Recherchen von US-Medien förderten zutage, dass die Firma Wiki-PR mit aggressiven Methoden um Kunden warb, denen sie positive Wikipedia-Artikel versprach.

Die Firma selbst dementiert jedes Fehlverhalten. Doch die Wikipedia-Community glaubt nicht den Beteuerungen, dass Wiki-PR keine werblichen Artikel verfasse, sondern den Auftraggebern lediglich Unterstützung dabei leiste, einwandfreie Enzyklopädieartikel zu schreiben. Ende Oktober wurde die Firma daher bis auf weiteres gebannt. Eine Forderung der Wikipedianer: Wiki-PR soll jeden Account offenlegen, der in ihrem Auftrag tätig war.

Nachdem sie die Dokumentation gesichtet hat, schließt sich die Wikimedia Foundation diesem Urteil an – obwohl Wiki-PR auch gegenüber der US-Stiftung betont hat, keine Regelverletzungen begehen zu wollen. Doch alleine schon das bezahlte Editieren der Artikel, ohne diesen Interessenkonflikt offenzulegen, verstößt gegen Wikipedia-Regeln, wie die Stiftung in einem Anwaltsschreiben darlegt. Die Wikimedia Foundation beklagt zudem, dass Wiki-PR weiter aktiv um Kunden werbe.

Inwieweit der Bann durchgesetzt werden kann, ist jedoch fraglich: Die Firma hatte in der Vergangenheit freiberufliche Autoren engagiert, die von zu Hause aus Artikel bearbeiteten. Die IP-Adressen der Autoren sind deshalb nicht eindeutig Wiki-PR zuzuordnen. Wikipedia-Administratoren setzen daher auch ausgefeiltere, abe rauch zeitraubende Methoden wie Schreibstil-Analysen ein. Inwiefern die Wikipedia- interne Beweisführung gerichtsfest ist, müsste sich erst erweisen.

PR-Arbeit ist seit jeher ein heißes Eisen in Wikipedia: Wikimedia-Gründer Jimmy Wales lehnt das bezahlte Artikelschreiben rundweg ab. Die Regeln verbieten die bezahlte Arbeit jedoch nicht gänzlich – sofern die PR-Arbeiter mit offenen Karten spielen. Die Grenzen des bezahlten Schreibens werden derzeit von einem Community-Projekt untersucht und sind auch Thema auf der Wikipedia-Konferenz WikiCon, die am Wochenende in Karlsruhe stattfindet. (anw)

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