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Werbung und persönliche Daten: neue AGB für StudiVZ

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Die Berliner Social-Networking-Plattform StudiVZ erneuert ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Die vier Millionen Mitglieder der Networking-Community für Studenten müssen sich auf die Einführung personalisierter Werbung gefasst machen – auch per SMS und Instant Messenger.

Die neuen Bedingungen werden von dem Unternehmen derzeit per E-Mail verschickt und sind noch nicht online einsehbar. Immerhin ist schon eine FAQ zu den Neuregelungen online, mit der die Firmengründer Bedenken zerstreuen wollen: "Mit den neuen AGB schaffen wir die Voraussetzung dafür, dass StudiVZ auch zukünftig kostenfrei bleibt. Hierfür ermöglichen die neuen AGB den Einsatz von aktuellen Werbeformen, die auf anderen Websites und Plattformen bereits zum Standard gehören", versichern Dennis Bemmann und Michael Brehm.

Das Berliner Startup war vor einem Jahr für einen zweistelligen Millionenbetrag von der Verlagsgruppe Holtzbrick übernommen worden. Im August übernahm der ehemalige eBbay-Manager Marcus Riecke die Leitung der Studenten-Plattform, um das junge Unternehmen profitabel zu machen. Über mangelnden Zulauf kann sich das Unternehmen nicht beklagen: Als das Unternehmen im Juli zum ersten Mal von der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) erfasst wurde, konnte das Portal mit über drei Milliarden Page-Impressions im Juli die Spitze der dort erfassten Seiten übernehmen. Doch noch konnte das Unternehmen die Popularität nicht zu Geld machen – im Sommer machte Studivz noch Verluste.

Dies will Riecke nun offenbar mit der Vermarktung neuer Werbeformen ändern. Welche Werbeformen das genau sind, offenbart erst ein Blick in die "Einwilligung in die Verarbeitung personenbezogener Daten". Unter Punkt 6 lässt sich das Unternehmen zusichern, die Werbung auch auf anderen Wegen als über die Plattform selbst zu den Studenten zu bringen. So wird explizit auch die Nutzung der bei StudiVZ hinterlegten Handy-Nummer und Instant-Messenger-Adressen zum Werbeversand freigegeben. Wer damit nicht einverstanden ist, kann die Nutzung in seinen Datenschutzeinstellungen deaktivieren – ein klassisches Opt-Out-Verfahren.

Das Unternehmen geht dabei etwas behutsamer vor als bei der übereilten Neufassung im März dieses Jahres: Anstatt die Kenntnisnahme der neuen Regeln nach einer gewissen Zeit vorauszusetzen, verlangt StudiVZ jetzt eine explizite Zustimmung zu den neuen Regeln, mit der etwa die Nutzung der Profildaten zum Werbeversand automatisch aktiviert werden und erst anschließend wieder deaktiviert werden können. Wer allerdings bis zum 9. Januar nicht sein O. K. zu den Änderungen gibt, wird auf der Plattform gesperrt. Die anderen Mitglieder können das Profil weiter besuchen, Pinnwandeinträge hinterlassen oder dem gesperrten Mitglied Nachrichten schreiben. Das betroffene Mitglied hat erst dann wieder Zugriff auf seine persönlichen Daten, wenn es den neuen AGB und Datenschutzregelungen zugestimmt hat.

Auffällig ist auch der Punkt 3.3 der neuen AGB. Anders als bisher wird den Teilnehmern nicht mehr das Recht eingeräumt, die Daten bei StudiVZ löschen zu lassen. Das Unternehmen versichert nur, dass die persönlichen Daten nicht mehr über die StudiVZ-Plattform einsehbar sind. (Torsten Kleinz) / (jk)

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