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Whois-Datenschutz bleibt weiterhin ein Zankapfel

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Keine Chancen auf eine baldige Schlichtung des seit Jahren anhaltenden Streits um einen datenschutzfreundlicheren Umgang mit Whois-Daten sieht der Vertreter der Internet-Nutzer Milton Mueller. Dies verdeutlicht der an der Universität Syracuse im US-Bundesstaat lehrende Professor, zugleich Mitglied im Internet Governance Project (IGP), in seinem jüngsten IGP-Blog-Eintrag über die Patt-Situation bei der Durchsetzung widersprüchlicher Interessen.

Darin wiederholt er seinen auf der ICANN-Tagung im März erhobenen Vorwurf, dass Vertreter von Markenrechteinhabern sowie Firmen, die letztlich vom Handel mit Whois-Daten lebten, verhindern wollen, dass ein effizient strukturierter Operational Point of Contact (OPoC) geschaffen wird, der gleichermaßen den Datenschutz gewährleistet und Interessen von Wirtschaftsunternehmen Rechnung trägt.

Die Idee, einen OPoC zu schaffen, gehe auf die Registrare zurück. Danach würden alle Whois-Daten in ihrem jetzigen Umfang verfügbar bleiben, zum Beispiel der bürgerliche Name und das Wohnsitzland des Domain-Inhabers. Lediglich seine Straßenanschrift wäre vor allgemeinem Zugriff geschützt worden, und der OPoC hätte eine Kontaktstelle – ähnlich der derzeit aufgeführten technisch-administrativen Ansprechpartner für die Website – herausgegeben.

Auf der jüngsten Telefonkonferenz der für die Entwicklung von Whois-Konzepten zuständigen ICANN-Arbeitsgruppe hätten die Lobbyisten der Markenrechteinhaber und Datenhändler jedoch den Versuch unternommen, den OPoC zu einer eigenständigen Institution aufzublähen, die das Recht erhalten hätte, Domains vom Netz zu nehmen. Zugleich hätte diese Konstruktion Datenschutzinteressen von Domain-Inhabern, die mit ihrer Website keinerlei wirtschaftliche Absichten verfolgten, zurückgeschnitten, aber kommerziell an Whois-Daten Interessierten Hintertüren zum Sammeln persönlicher Daten eröffnet. In den Augen von IGP-Repräsentant Mueller würde mit einem OPoC in dieser Form ein "Frankenstein-Monster" geschaffen, das überdies nicht das Geld wert sei, das es verschlingen würde.

Dem Vorsitzenden der ICANN-Arbeitsgruppe, Philip Shepherd, den Mueller als Repräsentanten einer europäischen Lobby-Organisation identifiziert, wirft der Professor vor, das Prinzip einer konsensualen Entscheidungsfindung in der Arbeitsgruppe zugunsten des Mehrheitsprinzips aufgegeben zu haben. Der darauf fußende Bericht der Arbeitsgruppe habe jedoch keine Chance, in der Generic Names Supporting Organisation (GNSO) die notwendige Zweidrittel-Mehrheit zu erlangen. Die GNSO entscheidet letztlich über Änderungen im Umgang mit Whois-Daten. Ausgangspunkt für ein kompromissfähiges Whois-Konzept wäre es Mueller zufolge, zwischen juristischen und natürlichen Personen zu unterscheiden, in welchem Grad Whois-Daten öffentlich zugänglich sind. (ssu)