Wie Behörden online zum Coronavirus informieren

Bürger werden von ihren Gesundheitsbehörden sehr unterschiedlich aufgeklärt, wie sie sich in der Corona-Epidemie verhalten sollten. Ein Überblick.

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Wie Behörden die Bevölkerung zur Coronavirus-Epidemie informieren

(Bild: creativeneko / Shutterstock.com)

Von
  • Christiane Schulzki-Haddouti
Inhaltsverzeichnis

In Deutschland informiert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf der Website infektionsschutz.de in Form eines aufklappbaren FAQs über den neuen Coronavirus. Außerdem hat es zu jeder einzelnen Antwort auf die "häufig gestellte Fragen" Erklärvideos produziert, die auf YouTube in einer Playlist zusammengefasst sind. Überdies hat die Behörde in Merkblättern die wichtigsten Hygienemaßnahmen zusammengefasst. Für Bildungseinrichtungen gibt es ein eigenes Merkblatt.

Das Robert-Koch-Institut informiert ausführlich über die Epidemie und veröffentlicht dort die Entwicklung der Fallzahlen in Deutschland und weltweit. Abrufbar sind dort auch Krisenpläne. Einige Informationen sind dort auch auf Englisch erhältlich.

Viele Städte wie Berlin, Bonn, Köln oder München verlinken prominent auf ihrer Startseite die aktuellen Informationen zur Epidemie. Mit 84 positiv auf Covid-19 getesteten Menschen (Stand 3. März) gehört der Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen (NRW) zu den am stärksten von der Epidemie betroffenen Regionen in Deutschland. Auf ihrer Website informiert die Kreisverwaltung täglich über den aktuellen Stand. In einem dort eingebundenen YouTube-Video spricht sie das Problem an, dass aufgrund der Quarantäne-Regelungen des Robert-Koch-Instituts die medizinische Grundversorgung vor Ort zusammenzubrechen droht. Daneben bietet der Kreis nun auch ein eigenes Bürgertelefon für Informationen zum Coronavirus an, zusätzlich zur Hotline des Landes NRW.

In Italien, das mit über 2500 Fällen bisher am stärksten von der Epidemie betroffene europäische Land, informiert der Katastrophenschutz über die Entwicklung. Die Informationen über den Verlauf sowie behördliche Maßnahmen und Entscheidungen sind auch auf Englisch verfügbar, die Pressekonferenzen sind auf YouTube dokumentiert. Zur Entwicklung der aktuellen Fallzahlen, die nach Regionen sowie Städten und Kommunen aufgeschlüsselt werden, gibt es eine täglich aktualisierte Tabelle.

Den teils drakonischen Quarantänemaßnahmen der Behörden, die mit der Abriegelung ganzer Kommunen einhergehen, begegnen die Italiener mit Humor und Witz: Neben Schutzmasken aus Nutella-Gläsern, einem Aperitif namens Aperivirus aus Mailand und neuen Corona-Eissorten gibt es inzwischen auch einen Corona-Kuchen und eine Corona-Pizza, die in den sozialen Netzwerken mit Fotos und Videos für Aufmerksamkeit sorgen. Und einem Mafiawitz zufolge sollen sich die Mafia-Bosse überlegen, ihre Kokain-Labore auf die Produktion eines erheblich lukrativeren Desinfektionsgels umzurüsten.

Teilweise wird sehr ausführlich informiert. Die Stadt Bonn etwa informierte detailliert über den ersten bestätigten Fall im Stadtgebiet. Die Landesdatenschutzbeauftragte von Nordrhein-Westfalen wies gegenüber heise online darauf hin, dass die Veröffentlichung von personenbezogenen Daten zulässig sein kann, wenn sie eine notwendige Maßnahme nach dem Infektionsschutzgesetz ist. Dazu gehöre aber auch die Prüfung, ob und inwieweit die Veröffentlichung verhältnismäßig ist. Zum konkreten Fall kann sie noch keine Aussage treffen.

So ist zu erfahren, dass es sich um einen 22-Jährigen handelt, der an einer Ganztagsbetreuung an einer namentlich genannten Schule in der Hausaufgabenbetreuung eingesetzt war. Da in der Regel nur ein oder zwei Betreuer in diesem Alter an Schulen eingesetzt sind, ist eine Identifizierung kein Problem.

Noch detaillierter geht es im Stadtstaat Singapur zu, in dem knapp über hundert Fälle bekannt geworden sind. Die Stadtverwaltung richtete eine Website ein, auf der sich jeder bekannte Infektionsfall nachvollziehen lässt – mit Informationen auf einer Zeitleiste darüber, wo die Person lebt und arbeitet, in welchem Krankenhaus sie behandelt wird und ob und wohin sie in letzter Zeit Reisen unternommen hat. Die Personen werden nicht namentlich, sondern nach Fallnummern benannt. Die Informationen wurden dann von einer Fortbildungseinrichtung für Programmierer in einer Art Showcase in ein Coronavirus-Dashboard mit einer vernetzten und örtlichen Darstellung übertragen.

In mit über 5300 Fällen stark betroffenen Südkorea haben Entwickler verschiedene Coronavirus-Apps für Smartphones entwickelt, die die Verbreitung der Krankheit anzeigen. Sie greifen dafür auf die von Regierungseinrichtungen veröffentlichten Informationen zurück, die unter anderem darüber Auskunft geben, wo sich Coronavirus-Patienten aufgehalten haben. Sie zeigen überdies Alter, Geschlecht und Nationalität der Patienten.