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Technology Review

Wie Forscher ganze Gesellschaften simulieren

Mit der so genannten Agentensimulation bilden Forscher komplette Volkswirtschaften im Computer ab und erhoffen sich davon Prognosen für die Zukunft.

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Wie Forscher ganze Gesellschaften simulieren

Mithilfe virtueller Figuren lässt sich am Computer durchspielen, wie das Kaufverhalten der Deutschen den Immobilienmarkt beeinflusst.

(Bild: Fotolia)

Es ist ein bisschen wie in dem deutschen Fernsehklassiker „Welt am Draht“ von Rainer Werner Fassbinder, in dem Fred Stiller, gespielt von Klaus Löwitsch, per Datenhelm in eine simulierte Kleinstadt im Computer hinabsteigt. Im Film heißt das Projekt Simulacron.

Heute nennen Forscher solche Instrumente „agentenbasierte Modellierung und Simulation“, kurz: ABMS. „Sie holt ganze Firmen, Branchen oder sogar Volkswirtschaften in den Rechner“, erklart der Ökonom Herbert Dawid von der Uni Bielefeld. „Die Gesellschaft kommt ins virtuelle Forschungslabor.“ Maschinell ermittelte Zukunftsszenarien sind das Ergebnis. Wie viel Land die Menschheit kunftig braucht und wann es zu einem Bankencrash kommt, fragen Forscher mittlerweile den Computer.

TR 04/2018

(Bild: 

Technology Review 04/2018

)

Dieser Beitrag stammt aus Ausgabe 04/2018 der Technology Review. Das Heft ist ab 22.03.2018 im Handel sowie direkt im heise shop erhältlich. Highlights aus dem Heft:

In der virtuellen Welt heißen Menschen, Firmen und Banken allesamt „Agenten“. Ihre Zahl geht in die Tausende und ist letztlich nur durch die Rechenleistung begrenzt. Auf Großrechnern konnen Millionen Agenten miteinander Geschäfte machen. Dabei verhalten sie sich aber nicht uniform. Der eine etwa gibt fünf Prozent seines Einkommens pro Monat aus, der andere zehn. Der eine muss eine Hypothek auf ein Auto abbezahlen, der andere hat Zusatzeinnahmen aus Aktien.

Indem die Forscher ihre Modelle mit realen Daten füttern, etwa der Verteilung von Einkommen und Sparerquoten in Deutschland, rücken sie das Profil der Agenten nah an die Wirklichkeit heran. Die realen Daten beziehen sie vom Statistischen Bundesamt, aus Brancheninformationen der Banken oder aus Umfragen. Das Verhalten der Agenten aber variieren die Forscher in Tausenden Rechendurchläufen.

Mit ihrer agentenbasierte Modellierung und Simulation bearbeiten Dawid und seine Kollegen Anfragen wie die der Europäischen Zentralbank, für die sie den europäischen Immobilienmarkt modellieren und vorhersagen sollen wie er sich in Zukunft entwickelt. Vor Kurzem packte Dawid sogar die gesamte griechische Volkswirtschaft wie auch die der übrigen EU-Länder in ein Computermodell und spielte durch, was passieren würde, wenn die EU-Staaten die 330 Milliarden Euro Schulden Griechenlands übernähmen. Das Ergebnis war aussagekräftig.

Neugierig geworden? Den ganzen Artikel lesen Sie in der neuen April-Ausgabe von Technology Review (jetzt im gut sortierten Zeitschriftenhandel und im heise shop erhältlich).

(anwe)

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